Sperrkreis aufgehoben

Bombe in Potsdams Innenstadt entschärft

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Jens Anker und Michaela Menschner
Polizisten sichern den Sperrkreis in Potsdam

Polizisten sichern den Sperrkreis in Potsdam

Foto: dpa

In Potsdam ist am Mittwoch eine Weltkriegsbombe entschärft worden. Für den Sprengmeister war es ein kniffliger Einsatz.

Die in der Potsdamer Innenstadt gefundene Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist entschärft. Das teilte die Stadtverwaltung am Mittwoch mit. Sprengmeister Mike Schwitzke hatte den Zünder der Fünf-Zentner-Bombe US-amerikanischer Bauart mühsam freilegen müssen.

Der Sperrkreis wurde aufgehoben. Bei Twitter schrieb die Potsdamer Feuerwehr: "Der Knall war kaum wahrnehmbar; jetzt ist es geschafft!" Nun läuft der am Morgen eingestellte Bahnverkehr am Potsdamer Hauptbahnhof wieder.

Knapp 10.000 Menschen mussten zuvor ihre Wohnungen verlassen. 600 Polizisten, Feuerwehrleute und freiwillige Helfer sicherten den Sperrkreis. Um 11.15 Uhr war die Evakuierung abgeschlossen, gab die Polizei bekannt. Doch dann wurden die Arbeiten zeitweise gestört: Ein Skater hatte die Absperrungen durchbrochen.

Die Entschärfung erfolgte dann kurz vor 13 Uhr. "Die Bombe ist in einem sehr miserablen Zustand und ist so stark mit Dreck verkrustet, dass wir relativ viel Zeit heute brauchen werden, erstmal den Zünder freizulegen und zu identifizieren“, hatte Sprengmeister Mike Schwitzke dem RBB zuvor gesagt. Zunächst musste die Bombe umgehoben werden, sie lag zu nah am Gebäude der Investitionsbank, wie Einsatzleiterin Ilona Hönes erklärte. Doch dann Erleichterung: Es musste doch nicht gesprengt werden, der Zünder ließ sich entschärfen.

Um 7.45 Uhr hatte die letzte S-Bahn den Potsdamer Hauptbahnhof erreicht. Fünf Minuten später trat sie ihre letzte Fahrt Richtung Berlin an. Danach begann die Polizei den Hauptbahnhof abzusperren. In wenigen Minuten war der Sperrkreis rund um den Hauptbahnhof menschenleer. Wer keine leuchtend gelbe Signaljacke trug, wurde sofort zum Verlassen des Geländes aufgefordert.

Erste Verzögerungen traten ein, weil einige Bewohner sich zunächst weigerten, ihre Wohnungen zu verlassen. Stadtsprecherin Friederike Herold sagte: „Insbesondere bei manchen älteren Bewohnern gibt es Ängste und Befürchtungen, da müssen wir manchmal sehr nachdrücklich bitten.“ In einem Fall musste eine Wohnungstür geöffnet werden, weil eine ältere Dame sich weigerte, ihre Wohnung zu verlassen.

Der Alte Markt mit der Nikolaikirche, dem Museum Barberini, dem Brandenburger Landtag und der Fachhochschule – sonst eine touristische Hauptattraktion Potsdams mit vielen Tausend Besuchern täglich, lag schon unmittelbar nach 8 Uhr verlassen da. Gespenstische Stille breitete sich über der Innenstadt aus, nur durch die Sirenen der durch die Stadt patrouillierenden Einsatzfahrzeuge der Polizei durchbrochen. So blieben die Potsdamer am Mittwoch bisher weitgehend unter sich. Die Tagestouristen, die sonst per Bahn aus Berlin die Stadt besuchen, blieben aus – und auch der Busparkplatz am Bassinplatz blieb den Vormittag über weitgehend ungenutzt.

Massive Behinderungen im Verkehr

Durch die Entschärfung ergaben sich auch erhebliche Verkehrsprobleme. Der Bahnverkehr war zwischen S-Bahnhof Babelsberg und Bahnhof Charlottenhof unterbrochen, der Hauptbahnhof komplett geschlossen. "Wegen zu erwartendem hohen Verkehrsaufkommen auf den Straßen rund um den Sperrkreis" könne ein Schienenersatzverkehr nicht eingerichtet werden, hatte die S-Bahn mitgeteilt.

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Infos zu den Einschränkungen im Regionalverkehr der Bahn finden Sie HIER.

Hinweise des Verkehrsbetriebs Potsdam zum Bus- und Tramverkehr finden Sie HIER.

Staus am Morgen

Auch der Straßenbahn- sowie der Busverkehr waren unterbrochen. Autofahrer wurden gebeten, das Gebiet weiträumig zu umfahren. Die Nuthestraße und die Humboldtbrücke blieben aber befahrbar, die Heinrich-Mann-Allee dagegen wurde ab der Straße Am Brauhausberg gesperrt, das Abbiegen in die Straße Am Brauhausberg war möglich. Die Leipziger Straße war ab Höhe Wasserwerk gesperrt. In der Innenstadt waren die Breite Straße sowie die Friedrich-Ebert-Straße – zwei Hauptverkehrsadern in Potsdam – ab Yorckstraße nur für Anlieger befahrbar.

Auf den Zufahrtsstraßen vor allem im Norden der Stadt kam es am Morgen zu massiven Staus. Dagegen blieb der Verkehr in der Stadt selbst weitgehend normal.

Für die betroffenen Anwohner setzte die Landeshauptstadt Busse aus dem Evakuierungsgebiet ein, die zu den bereitgestellten Aufenthaltsorten am Stadtrand pendelten. Bereits am frühen Morgen begann die Evakuierung zweier Pflegeheime, deren Bewohner gesondert untergebracht wurden, die schwer Pflegebedürftigen verbringen den Tag im Krankenhaus.

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