Potsdam

Kinder-Musical erzählt Geschichte der „Wemmicks“

Der Filmmusik-Student Ephraim Peise bringt seine Abschlussarbeit auf die Bühne. Finanziert hat er das Projekt mit privaten Geldgebern.

Darsteller und Musicalurgestein Veit Schäfermeier, Darstellerin Lasarah Sattler, Regisseur und Choreograph Michael Heller, Musicaldarprofi Tom Schimon und Ideengeber und Komponist des Musicals, der Student Ephraim Peise (V.l.n.r. )

Darsteller und Musicalurgestein Veit Schäfermeier, Darstellerin Lasarah Sattler, Regisseur und Choreograph Michael Heller, Musicaldarprofi Tom Schimon und Ideengeber und Komponist des Musicals, der Student Ephraim Peise (V.l.n.r. )

Foto: Katrin Starke / BM

Es sind die ganz großen Themen, die Ephraim Peise umtreiben: „Sich selbst so annehmen, wie man ist. Sich nicht von den Erwartungen des Umfelds abhängig machen. Gegen Leistungsdruck, Geltungsdrang und Oberflächlichkeit kämpfen.“

Gefunden hat sie der 29-Jährige, der seit 2009 an der Babelsberger Filmuniversität „Konrad Wolf“ Filmmusik studiert, im Kinderbuch „You are special“ vom amerikanischen Autor Max Lucado. Der schreibt über ein Volk von Holzfiguren, die „Wemmicks“, die ihre Körper ablehnen, ihre gemaserten Leiber schamvoll unter pompösen Kleidern verstecken. Bis Außenseiter Punchinello, ein Wemmick mit zu groß geratenen Händen, Widerstand leistet.

Die nur knapp 20 Seiten lange Vorlage hat Peise als abendfüllendes Stück für die Bühne adaptiert – das deutschlandweit erste von und mit Studenten entwickelte und per Crowdfunding-Kampagne finanzierte Musical. Premiere feiert das Stück am 27. September im Potsdamer Nikolaisaal (Beginn: 19.30 Uhr). Weitere Vorstellungen gibt es am 30. September und 2. Oktober.

„Die deutsche Musicallandschaft ist nicht gerade mit neuen Stoffen übersät“

Dass die Wemmicks ihre Abenteuer vornehmlich singend und tanzend durchleben, begründet sich in Peises Leidenschaft fürs Genre. Aber auch in seiner Kritik: „Die deutsche Musicallandschaft ist nicht gerade mit neuen Stoffen übersät.“ Also liefert er den gleich selbst. „Und zwar mit Tiefgang“, so sein Anspruch. Obwohl sich das Musical vornehmlich an Kinder richtet, will Peise auch Erwachsene mehr als nur unterhalten. Das sei er seinem Vorbild Reinhard Mey schuldig.

Dessen Wortwitz und Botschaften begeisterten Peise bereits als Neunjährigen, animierten ihn, eigene Texte zu schreiben, am Keyboard zu vertonen, auf Kassetten aufzunehmen. 20 Jahre später steht Peise kurz vor seinem Master an der Filmuni. Die 18 Songs, die er fürs Musical geschrieben und komponiert hat, sind seine Abschlussarbeit. Seinem Kommilitonen und Novellenschreiber Dominik Grittner waren sie Grundlage fürs Wemmicks-Drehbuch.

Im Musical wird nicht nur gegen den kommerziell forcierten Schönheitswahn gewettert. Mit Passagen wie „wer nicht reich geboren, hat beinah schon verloren“ steht soziale Ungerechtigkeit am Pranger. Mit dem Hinweis, dass auch „kleine Rädchen das Uhrwerk“ zu stoppen vermögen, wird an die Macht der kleinen Leute erinnert. „Wir wissen, dass wir sensible und äußerst emotionale Fragen aufwerfen“, sagt Michael Heller.

Peise und sein Team hoffen nicht nur auf Beifall

Der Musicalstar, von 2011 bis 2013 in Berlin der „Alfred“ in „Tanz der Vampire“, gehört neben Veit Schäfermeier, Tom Schimon und dem Librettisten Michael Kunze („Elisabeth“, „Tanz der Vampire“) zu den Prominenten, die Peise fürs Projekt gewinnen konnte. Heller führt Regie und ist auch für die Choreografie verantwortlich.

Peise und sein Team hoffen nicht nur auf Beifall, sondern auch auf Produzenten, die das Musical groß herausbringen. Nicht nur wegen des engen Finanzrahmens wird das Bühnenbild bei der Uraufführung eher sparsam ausfallen, vieles durch Illustrationen auf der Leinwand visualisiert.

Mittels zweier Crowdfunding-Kampagnen konnte Peise 16.000 Euro fürs Projekt einwerben, bedankte sich dafür mit einer Wemmicks-CD, Tickets und Probenbesuchen. Auf 60.000 Euro belaufen sich die Gesamtkosten. „Noch sind wir tief im Defizit. Doch das könnte sich nach den drei Vorstellungen ändern“, hofft Peise.

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