Waßmannsdorf

Klärwerk Waßmannsdorf wird die größte Regentonne der Region

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Jens Anker
Das Klärwerk Waßmannsdorf wird für rund 275 Millionen Euro erweitert, unter anderem mit einem Becken für 50 Millionen Liter Abwasser

Das Klärwerk Waßmannsdorf wird für rund 275 Millionen Euro erweitert, unter anderem mit einem Becken für 50 Millionen Liter Abwasser

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Die Wasserbetriebe bauen Klärwerk Waßmannsdorf aus, um große Mengen Abwasser besser bewältigen zu können.

Waßmannsdorf.  Der vorhergesagte Regen ließ an diesem Vormittag noch auf sich warten. Erste dunkle Wolken türmten sich zwar am Horizont, aber der Blick auf die riesige Baugrube blieb zunächst noch ungetrübt. In Waßmannsdorf, direkt gegenüber dem BER, entsteht derzeit die größte Regentonne der Region. Die Berliner Wasserbetriebe erweitern das Klärwerk Waßmannsdorf und bauen einen Tank in den märkischen Sand, der 50 Millionen Liter Abwasser aufnehmen kann. Er wird 70 mal 80 Meter breit und lang und zwölf Meter hoch sein – der größte Tank seiner Art in einem Klärwerk in Deutschland.

„Der Regen hält uns in Atem“, sagte der Vorstandschef der Wasserbetriebe, Jörg Simon, bei einer Besichtigung der Baustelle. Mit dem Tank vor den Toren Berlins soll die Kanalisation entlastet werden. Bei Starkregen staut sich das Abwasser in der Kanalisation. Sammelt sich zu viel von dem Schmutzwasser, läuft es ungeklärt in fließende Gewässer wie die Spree und den Teltow-Kanal. Oder lässt die Gullydeckel durch den Wasserdruck aus ihren Fassungen springen, wie zuletzt am 29. und 30. Juni, als rund sechs Millionen Kubikmeter Regen in der Stadt fielen, wie Schätzungen der Wasserbetriebe ergeben haben.

Der Tank soll das viele Wasser erst mal aufnehmen - geklärt wird später

Die sechs Klärwerke in und rund um Berlin kommen nicht hinterher, die Wassermengen zu säubern. Das soll sich durch den riesigen Wassertank in Waßmannsdorf ändern. „Wir pumpen das Wasser in den Tank, und wenn es wieder trocken ist, dann wird das Wasser nach und nach im Klärwerk gesäubert“, sagt Simon. Ziel ist es, die Tage, an denen das Abwasser überläuft, von derzeit 30 bis 40 pro Jahr auf zehn bis 20 mehr als zu halbieren.

Insgesamt investieren die Wasserbetriebe in Waßmannsdorf, einem der größten Klärwerke Deutschlands, in den kommenden Jahren 275 Millionen Euro in den Ausbau. Hier wird das Abwasser von 1,3 Millionen Berlinern und Brandenburgern geklärt, täglich 180.000 Kubikmeter. Neben der riesigen Regentonne entstehen neue Klärstraßen, in denen das Wasser von 200 verschiedenen Kleinstlebewesen und Bakterien bearbeitet wird, und eine zusätzliche Klärstufe. Zunächst werden große Gegenstände, wie Lappen, Lumpen oder tote Tiere, herausgefischt.

Danach wird der Sand herausgefiltert, bevor das Wasser biologisch bearbeitet und mit Sauerstoff angereichert wird. Die neue – vierte – Klärstufe soll künftig Phosphatreste aus dem Wasser entfernen. Als Nebeneffekt entsteht ein mineralischer Dünger, den die Wasserbetriebe an benachbarte Landwirte verkaufen. „Berliner Pflanze“ heißt das Recyclingprodukt. „Am Ende ist das Schmutzwasser zu 97 Prozent gereinigt“, sagt der Sprecher der Wasserbetriebe, Stephan Natz. In den kommenden zehn Jahren sollen alle sechs Klärwerke mit dieser vierten Stufe ausgestattet werden.

Die Kanalisation kann Starkregen allein nicht bewältigen

Hinter den Investitionsplänen der Wasserbetriebe steckt ein Paradigmenwechsel in der Wasserwirtschaft. Starkregen, wie sie am 29. und 30. Juni über Berlin und Brandenburg niedergingen, lassen sich von der Kanalisation und den Klärwerken nicht allein bewältigen. „Bei normalen Regenfällen sammeln sich fünf Millimeter Wasser auf einem Quadratmeter, Ende Juni waren es 20 Zentimeter in 24 Stunden“, sagt die Abwasser-Chefstrategin der Wasserbetriebe, Carin Sieker. Zuviel für jede Kanalisation.

Deshalb wird nach Möglichkeiten gesucht, immer mehr Regenwasser dezentral abfließen zu lassen. Es gibt einen Trend zur sogenannten Schwammstadt, wie es in der Fachsprache der Wasserwirtschaft heißt. Durch die Begrünung von Dächern und Fassaden soll das Wasser vor Ort gesammelt werden und im besten Fall verdunsten. Derzeit laufen dazu mehrere Pilotprojekte in der Region, eines davon auf dem Wista-Gelände in Adlershof.

Die Zunahme der Starkregen durch den Klimawandel, aber auch die zunehmende Versiegelung des Bodens durch den Neubau von Häusern und Straßen erschweren den Abfluss des Regenwassers. „Wir müssen unsere Anlagen den Anforderungen anpassen“, sagt Sieker. Zudem gibt es neue Vorgaben der EU, die eine Reduzierung von Stickstoff und Phosphat im geklärten Wasser fordern. Die riesige Regentonne im Süden Berlins ist dazu ein Schritt, künftig mit den Regenmassen fertigzuwerden.