Wirtschaft

Brandenburger Einkommen steigen langsam

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Jens Anker
Passanten in Potsdam

Passanten in Potsdam

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Es gibt immer noch starke Unterschiede beim Gehalt zwischen Städten und Landkreisen. Potsdamer ist mit 2892 Euro brutto Spitzenreiter.

Die Einkommen in Brandenburg steigen trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs in den vergangenen Jahren nur langsam auf bundesdeutsches Niveau. Dabei gibt es zwischen den einzelnen Landkreisen große Unterschiede. Das geht aus einer Auswertung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg hervor, die jetzt veröffentlicht wurde. Während die monatlichen Bruttoeinkommen in Potsdam mit 2892 Euro fast das Berliner Niveau erreicht haben (3024 Euro), liegt es in den berlinfernen Landkreisen Prignitz (2143 Euro) und Elbe-Elster (2121 Euro) deutlich darunter. Bundesweit liegen die Einkommen bei 3133 Euro.

„Der Anstieg der Verdienste spiegelt den wirtschaftlichen Aufschwung in Brandenburg wider“, sagt der Leiter der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, Bernd Becking. „Die Verdienste liegen allerdings noch deutlich unter dem bundesweiten Schnitt.“ Für die Untersuchung hat die Regionaldirektion nicht den Durchschnittsverdienst berechnet, sondern den Median ermittelt.

Dabei handelt es sich um den Mittelpunkt einer statistischen Zahlenreihe. Im Fall der Bruttoverdienste verdient eine Hälfte der Arbeitnehmer im Landkreis mehr und die andere Hälfte weniger als den Medianwert. Statistiker gehen davon aus, dass dadurch die Einkommen realistischer abgebildet werden, da weder besonders hohe, noch besonders geringe Entgelte den Wert beeinflussen.

Neben Potsdam liegen auch die anderen kreisfreien Städte beim Einkommen über den Flächenkreisen. So liegt der Wert in Frankfurt (Oder) bei 2662 Euro, in Brandenburg an der Havel bei 2642 und in Cottbus bei 2605 Euro.

So wenig Arbeitslose wie seit dem Mauerfall nicht mehr

Insgesamt sieht die Regionaldirektion Brandenburg auf einem guten Weg. „Der Arbeitsmarkt im Land hat sich insgesamt positiv entwickelt“, sagt Regionaldirektor Becking. „Innerhalb von zwei Jahren ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Land um 30.000 gestiegen.“ Die Zahl der Arbeitslosen liege mit derzeit 89.000 so niedrig wie seit 1990 nicht mehr. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 7,1 Prozent. In der Uckermark liegt sie mit 12,4 Prozent am höchsten, in Dahme-Spreewald mit 4,7 Prozent am niedrigsten.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di sieht die Entwicklung nicht ganz so positiv. „Da, wo Angestellte tarifgebunden beschäftigt sind und beim Land und den Kommunalverwaltungen, entwickeln sich die Einkommen gut“, sagt der Sprecher von Ver.di-Berlin-Brandenburg, Andreas Splanemann. „Auch im Speckgürtel entfaltet sich die Sogwirkung Berlins.“ Das größte Problem sei nach wie vor die Strukturschwäche vor allem an den Rändern Brandenburgs. „Auch in Zukunft werden sich in der Prignitz, der Uckermark oder im Süden des Landes keine großen Firmen ansiedeln“, prophezeit der Verdi-Sprecher.

Auch die Tarifflucht sei ein Pro­blem. „Alle Krankenhäuser in Brandenburg sind mittlerweile aus dem Tarifverbund ausgetreten“, sagt Splanemann – und würden sich so den Flächentarifverträgen entziehen. „Im Einzelhandel, bei der Elektroindustrie und im öffentlichen Dienst gelten Flächentarifverträge.“ Hier sei der Gehaltsunterschied deshalb auch deutlich geringer als in anderen Branchen.

Rolls Royce produziert seit Juni in Dahlewitz die Triebwerke für den Airbus A350

Im Vergleich mit den anderen ostdeutschen Bundesländern schneidet Brandenburg dennoch am besten ab. Mit landesweit 2582 Euro Einkommen liegt das größte ostdeutsche Bundesland vor Sachsen-Anhalt (2473 Euro), Sachsen (2448) und Thüringen (2444). Das Schlusslicht bildet Mecklenburg-Vorpommern (2384).

Auch beim Anteil der Geringverdiener liegt Brandenburg in Ostdeutschland vorn. Jeder dritte Beschäftigte verdient weniger als 2000 Euro. Mecklenburg-Vorpommern hat mit 38 Prozent dagegen den höchsten Anteil. Als Geringverdiener gilt, wer weniger Einkommen als zwei Drittel der Vollzeitbeschäftigten verdient, das sind derzeit exakt 2088 Euro. Bundesweit gilt jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte als Geringverdiener.

Die Zahl der Geringverdiener sinkt seit Jahren. Verantwortlich dafür sind eine Vielzahl von Unternehmensansiedlungen rund um Berlin. Zuletzt hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine neue Produktionsstätte des japanischen Pharmakonzerns Takeda in Oranienburg eröffnet. Das Unternehmen hat 100 Millionen Euro in den Standort investiert und 187 zusätzliche qualifizierte Stellen geschaffen.

Rolls Royce produziert seit Juni in Dahlewitz die Triebwerke für den Airbus A350. Das Unternehmen investierte 90 Millionen Euro in die neue Produktionsstätte. Insgesamt beschäftigt Rolls Royce 2300 Mitarbeiter in Brandenburg. BASF stellt in der Lausitz mit 1800 Mitarbeitern Pflanzenschutzmittel her, für Bombardier arbeiten – noch – 2800 Beschäftigte in der Zugfertigung.

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