Brandenburg

Die Mönche kehren zurück in das Kloster Neuzelle

Nach 100 Jahren sollen wieder vier Patres in das Kloster Neuzelle einziehen – pünktlich zur 750-Jahr-Feier.

Die prächtige Kirche St. Marien im Kloster Neuzelle ist eine Touristenattraktion

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Neuzelle.  Vor genau 100 Jahren verließen die letzten Mönche das Kloster Neuzelle bei Frankfurt (Oder) in der Niederlausitz. In diesem August soll das Klosterleben in der barocken Anlage nun wieder einziehen. Vier Mönche aus dem Stift Heiligenkreuz im Wienerwald in Österreich machen sich dann auf den Weg in den Osten Brandenburgs, um das Klosterleben wiederzubeleben. "Die geplante Ansiedlung von Zisterziensermönchen in Neuzelle wäre eine Bereicherung für den Ort, die Region und das Land", sagte Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD).

Die Klosteranlage wurde in den vergangenen Jahren mit Mitteln des Landes saniert und ist inzwischen ein kulturelles Zentrum in der Region. "Mit der Wiederetablierung mönchischen Lebens würde die Region nicht nur weiteres touristisches Interesse auf sich ziehen, sondern es kann ein neues spirituelles Zentrum mit Ausstrahlungs- und Anziehungskraft weit über Neuzelle hinaus entstehen", sagt Münch der Berliner Morgenpost.

Die Mönche sollenden Standort neu beleben

Die Vorbereitungen für die Wiederbelebung laufen seit zwei Jahren. Das zuständige Bistum Görlitz hatte die Idee dazu, das Land unterstützte die Initiative und die Stiftung, die die Barockanlage leitet, zeigte sich ebenfalls aufgeschlossen. Einzelheiten will das Bistum in der kommenden Woche bekannt geben.

Geplant ist, dass zunächst vier Mönche nach Neuzelle ziehen. Ihnen wird das ehemalige Pfarrhaus auf dem Gelände zur Verfügung gestellt. Im kommenden Jahr soll dann ein sogenanntes Priorat mit acht Mönchen entstehen, die das Klosterleben in dem traditionsreichen Standort etablieren sollen. Der Termin ist mit Bedacht gewählt. Im kommenden Jahr feiert die ehemalige Klosteranlage ihr 750-jähriges Bestehen.

"Die Wiederbelebung ist auf einem guten Weg", sagt Tilman Schladebach, der die Kulturprojekte der Stiftung koordiniert – und die Feierlichkeiten für das kommende Jahr vorbereitet. Die größte Schwierigkeit stellt die Raumfrage dar. Auf der insgesamt elf Hektar großen Anlage befinden sich derzeit eine evangelische und eine katholische Gemeinde, eine Europa- und eine Musikschule sowie mehrere Gewerbetreibende wie die Privatbrauerei Neuzelle. In der Orangerie finden regelmäßig Konzerte statt, der ehemalige Kreuzgang des Klosters ist Spielort für das Opernfestival "Oper Oder-Spree", das jährlich stattfindet. "Alle beanspruchen Platz, wir werden das in Ruhe vorbereiten", sagt Schladebach.

Auch Kulturministerin Münch ist zuversichtlich, dass das Raumproblem zu lösen ist. "Es kommt jetzt darauf an, die Interessen und der Bedarf des Ordens und der Katholischen Kirche mit denen der Stiftung und der weiteren Nutzer des Areals in Einklang zu bringen und so die Grundlage für eine gedeihliche Entwicklung und Zusammenarbeit zu schaffen", sagte Münch. "Daran wird intensiv gearbeitet – im Ministerium und bei der Stiftung."

Die Klosteranlage im Osten des Landes wird auch als Barockwunder Brandenburgs bezeichnet. Markgraf Heinrich der Erlauchte gründete das Kloster 1268, das später im Barockstil umgebaut wurde. Nachdem die letzten Mönche im Jahr 1817 ausgezogen waren, wurde die Anlage in das preußisch-staatliches Stift Neuzelle überführt, das als Forstverwaltung diente.

Nach 1990 setzte sich der Kreistag für eine Wiederbelebung des Stiftes ein. Die Initiative führte 1996 zur Gründung der Stiftung Neuzelle als öffentlich-rechtliche Einrichtung des Landes Brandenburg. Sie hat die Aufgabe, die ehemalige Klosteranlage wiederherzustellen, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen sowie Wissenschaft, Bildung und Kultur zu fördern.

Die Anlage zieht viele Besucher an

Die Anlage gilt heute als eine der wenigen vollständig erhaltenen Klosteranlagen Deutschlands und Europas. Neben den beiden Barockkirchen, dem spätgotischen Kreuzgang und dem wiederhergestellten barocken Klostergarten ist das im März 2015 eröffnete Museum "Himmlisches Theater – Die Neuzeller Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab" ein Anziehungspunkt für die Besucher.

Das Bistum Görlitz strebte gleichzeitig die Wiederbelebung der historischen Klosteranlage an. Bischof Wolfgang Ipolt hatte dann im vergangenen Jahr eine konkrete Einladung an den Stift Heiligenkreuz im Wienerwald ausgesprochen, Mönche nach Neuzelle zu entsenden. Mehrmals besuchten Mönche aus Österreich das geplante neue, alte Klostergelände.

Kulturministerin Münch informierte sich bei einem Gegenbesuch im Wienerwald im November vergangenen Jahres über die Pläne des Klosters. Geld wird das Land Brandenburg nicht zur Verfügung stellen. Stifter des Klosters ist das Bistum Görlitz.

Orden Das Stift Heiligenkreuz, das die ersten vier Mönche nach Neuzelle entsendet, ist ein Kloster des Zisterzienserordens bei Heiligenkreuz im Wienerwald in Niederösterreich.

Geschichte des Stifts Heiligenkreuz

Gründung: Das Stift besteht ohne Unterbrechung seit seiner Gründung im Jahr 1133 und ist damit – nach dem Stift Rein in der Steiermark – das weltweit zweitälteste durchgehend seit der Gründung bestehende Zisterzienserkloster.

Aufgaben: Derzeit gehören dem Stift 97 Mönche an. Schwerpunkt ist die Pflege des klösterlichen Lebens, der Liturgie und des gregorianischen Chorals in lateinischer Sprache. Ein Teil der Mönche arbeitet in der Seelsorge in 18 angeschlossenen Pfarreien, andere sind als Wissenschaftler und Professoren an der klostereigenen Hochschule tätig, die seit 1976 besteht.

Neuzelle: Nach der Wiederbelebung wird das Stift weiterhin für das Klosterleben in Neuzelle zuständig sein.