Milliardär und Mäzen

Hasso Plattner und Potsdam - eine schwierige Beziehung

Der Milliardär Hasso Plattner schenkt Potsdam das Museum Barberini. Das Verhältnis zwischen Stadt und Mäzen war nicht immer einfach.

Hasso Plattner

Hasso Plattner

Foto: dpa Picture-Alliance / Ralf Hirschberger / picture alliance / ZB

Potsdam.  Eines kann Hasso Plattner ganz besonders. Sich freuen. Die Augen unter den ergrauten Brauen wirken in solchen Momenten ganz sanft. Und aus dem oft eher zurückhaltenden Lächeln wird ein breites, befreites Grinsen. In dieser Woche darf der charismatische Milliardär sich mächtig freuen. Für den erfolgreichen Unternehmer, der 1972 das Softwareunternehmen SAP mitgründete, erfüllt sich in diesen Tagen einer seiner größten Lebensträume: Sein Kunstmuseum Barberini im Herzen Potsdams wird am Sonnabend zum ersten Mal für das Publikum öffnen. „Ich wollte schon immer ein Museum machen“, sagt Plattner. „Berlin ist gesegnet mit staatlichen und privaten Museen. In Potsdam könnte das Barberini eine herausragende Stellung einnehmen.“

Ein hochkarätiges Geschenk, das der gebürtige Berliner der Stadt Potsdam macht – und sich selbst, zu seinem 73. Geburtstag am 21. Januar. Das Haus wird internationale Leihgaben und Werke aus der Privatsammlung Plattners zeigen. Auf der prominenten Besucherliste steht – schon am Freitag – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), angeblich wird auch Microsoft-Gründer Bill Gates erwartet. Er stellte ein Kunstwerk zur Verfügung, das zur Eröffnung im Barberini zu sehen sein wird.

Und noch ein wichtiger Termin steht für Plattner an: Beim Neujahresempfang der Stadt am Freitagnachmittag verleiht Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) ihm die Ehrenbürgerwürde. Für seine herausragenden Verdienste um Potsdam. „Hasso Plattner hat der Stadt in den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Städtebau und Kultur durch sein Engagement und sein Wirken wichtige Impulse verliehen“, lautet die Begründung der Stadtverordnetenversammlung.

Die Ehrenbürgerwürde – ein Zeichen der Versöhnung

Mit der Auszeichnung kommt es also doch noch zur Versöhnung zwischen dem großzügigen Plattner und der Stadt der Schlösser und Gärten, die für ihre kritischen, stolzen und zuweilen auch sehr eigensinnigen Bewohner bekannt ist. Beide haben es nicht immer leicht miteinander gehabt, und das wird im Kern wohl auch so bleiben. Trotz oder gerade wegen der Geschenke, die einer der reichsten Männer Deutschlands seit Jahren in Potsdam verteilt.

Der Wissenschaftler steckte Millionen Euro in sein privat finanziertes Institut für Softwaresystemtechnik, in dem seit 1998 begabte Studenten aus aller Welt ausgebildet werden. Das Hasso-Plattner-Institut (HPI) mit 500 Studenten aus aller Welt ist heute Deutschlands einziges Universitätsinstitut, an dem man IT-Systems Engineering studieren oder ein Zusatzstudium im Design Thinking machen kann. Es bietet eine praxisgerechte Ausbildung mit Abschlüssen – ohne Studiengebühren.

Ohne Plattners 21-Millionen-Euro-Spende für die historische Fassade des früheren Stadtschlosses würde der Landtag heute in einem schlichten Gebäude tagen. Später gab er weitere Millionen, damit es wie das Original ein Kupferdach erhält. Und es würde niemanden wundern, wenn der Wahl-Potsdamer nicht auch zu den Spendern gehört, die den Wiederaufbau des Turms der im Krieg zerstörten und auf Geheiß der SED abgerissenen Garnisonkirche ermöglichen.

Das Palais Barberini, welches künftig das Kunstmuseum unter der von Plattner berufenen Direktorin Ortrud Westheider beherbergt, ist ebenfalls ein Wiederaufbau. Mit dem einst nach italienischem Vorbild unter dem preußischen König Friedrich II. erbauten Palast kehrt nach dem Stadtschloss und anderen Gebäuden eine weitere Replik aus der architektonischen Vergangenheit an den Alten Markt zurück.

Doch es gibt nicht nur Befürworter der Wiederherstellung der alten Potsdamer Mitte. Im Streit um den Abriss des Beton-Hotelriesen „Mercure“ waren vor fünf Jahren scharfe Töne zu hören. Denn Plattner wollte sein Kunstmuseum ursprünglich an Stelle des 17-Stöckers gegenüber des wiederaufgebauten Stadtschlosses bauen. Er ahnte wohl nicht, dass der Abrissplan, der ihm da eingeflüstert wurde, zwar das Stadtbild verbessert hätte, aber den Nerv vieler Potsdamer empfindlich traf, denn die verbinden mit dem „Mercure“ eben viele Erinnerungen. Der Konflikt wurde zum Kulturkampf hochstilisiert. Zur Machtergreifung der zugezogenen Reichen und dem Protest von DDR-Nostalgikern. Das Thema ist noch nicht passé. Auch heute noch warnen Kritiker davor, den Reichen die Mitte zu überlassen. Plattner suchte damals das Gespräch mit den Bürgern und auch mit den Linken – und machte schließlich einen Rückzieher. Er kündigte an, sein Museum dann eben an einem anderen Ort zu errichten.

Sensibel, wie er offenbar ist, nahm er sich die Anfeindungen sehr zu Herzen. „Ich bin froh, dass er sich dann doch noch für die Stadtmitte entschieden hat“, sagt Oberbürgermeister Jakobs. Plattner ist bekannt für seine emotionalen Ausbrüche. Hinter allem, was er macht, scheint Leidenschaft zu stecken.

Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg nennt Plattner inzwischen aber „einen coolen Typen“. Nur die Fraktion „Die Andere“ stimmte gegen die Ehrenbürgerwürde. „Auch wenn es stimmungsmäßig mal einen Rückschlag gab, so konnte Hasso Plattner doch nicht mehr lassen von Potsdam“, zeigt sich Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) erleichtert. „Dafür bin ich ihm als Potsdamer Bürger sehr dankbar. Denn er ist ein Glücksfall für die Stadt.“ Warum engagiert sich der Kosmopolit ausgerechnet so sehr im widerspenstigen Potsdam? Wo er doch an so vielen Stellen der Welt daheim ist. Er besitzt Häuser in Deutschland, USA und Südafrika. Hauptsache, Wasser ist in der Nähe. Plattner segelt gern. Ein Golfplatz ist auch wichtig. Drei Autostunden von Kapstadt entfernt, hat der passionierte Golfer sogar ein eigenes Luxus-Golfresort geschaffen. Nach Potsdam lockte ihn kaum der Golfsport, das Wasser könnte da schon eher eine Rolle gespielt haben. Am Griebnitzsee ließ Plattner eine Mies-van-der-Rohe-Villa sanieren. Dort wohnt er, wenn er in Potsdam ist. Inzwischen kaufte die Familie eine zweite Villa des deutsch-amerikanischen Architekten in der Nachbarschaft in Potsdam dazu.

Die Antwort liefert er womöglich noch in den nächsten Tagen. Vielleicht hat ihn einfach nur die Liebe zu dieser Stadt gepackt. Er wäre nicht der Einzige.