Wildtiere

AfD fordert Obergrenze für Wölfe in Brandenburg

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Martin Niewendick
Zwei Problemwölfe auf Streifzug durch Brandenburg

Zwei Problemwölfe auf Streifzug durch Brandenburg

Foto: Patrick Pleul / dpa

Die Partei will die Landwirte schützen. Die Deutsche Wildtierstiftung kritisiert den Antrag.

Mit markigen Worten sagt die Brandenburgische AfD Wölfen den Kampf an. Durch die Wiederansiedlung der Tiere sei ein großes Konfliktpotenzial entstanden, teilt die Landtagsfraktion mit. „Durch die unkontrollierte Ausbreitung der Tiere hat sich dieses Konfliktpotenzial mittlerweile deutlich erhöht.“ Daher sei es notwendig, „regionale Obergrenzen für den Wolfsbestand festzulegen“.

Vor allem Landwirte, deren Weidetiere durch die Wölfe bedroht seien, kämen zu kurz, schreibt die Partei in einem entsprechenden Antrag. Zudem strapaziere der Wolf die Gastfreundschaft der angestammten Brandenburger: „Große Gefahren für den Wolf und seine Akzeptanz sind Verhaltensweise(n), die der ausgeübten Nutzung unserer Kulturlandschaft entgegenstehen.“

Ein weiteres Problem ist der Partei zufolge die Reinheit des Wolfs-Gens: Es brauche eine Entwicklung von effektiven Mechanismen, „um auf Kreuzungen zwischen Hund und Wolf zu reagieren und Mischlingsnachkommen frühzeitig zu entnehmen“.

Bauern fordern den Abschuss von Problemwölfen

Hilmar von Münchhausen von der Deutschen Wildtierstiftung versteht den Alarmismus des AfD-Antrags nicht. „Um die Akzeptanz für den Wolf in Deutschland zu erhöhen, braucht es keine plakativen, einfachen Forderungen und parteipolitisches Gezänk, sondern einen umsichtigen Umgang“, sagt der Experte auf Morgenpost-Anfrage.

Die Partei messe Nebensächlichkeiten wie die Gefahr von „Hybriden“, also Mischlingen aus Wölfen und Hunden, eine zu große Bedeutung bei. Auch das Umweltministerium Brandenburg gibt Entwarnung: In Deutschland ist bislang nur ein einziger derartiger Fall bekannt geworden. Im Jahre 2003 wurde ein Wolfsmischling in Sachsen gesichtet.

Brandenburger Wölfe sind gebürtige Polen

Auch Debatten über Obergrenzen oder pauschale Abschussfreigaben laufen laut von Münchhausen ins Leere. „Wieviel Wölfe eine Region vertragen kann, hängt immer von dem Konfliktpotenzial der Region ab“, sagt er. Dass es eine schnelle und unbürokratische Entschädigung für den Verlust von Nutztieren geben müsse, sieht auch er so.

Seit der ersten territorialen Ansiedlung eines Wolfspaares in Brandenburg 2007 ist der Bestand der ursprünglich mehrheitlich aus Polen stammenden Tiere kontinuierlich gewachsen. Die Angaben darüber, wie viele Wolfsrudel es insgesamt in Brandenburg gibt, schwanken. Laut dem Land Brandenburg könnte die Zahl bei 22 liegen. In den Jahren 2009 bis 2012 seien dort nachweislich mindestens 54 Wolfswelpen geboren worden.

„Das Leben mit Wildtieren, ob Wolf oder Rothirsch, ist immer eine Herausforderung für den Menschen“, sagt der Wildtier-Experte. Der Antrag der AfD habe etwas unnötig Aufgeregtes, hinzu komme: „Die Forderungen sind bereits Bestandteil der Wolfsmanagement-Pläne der Brandenburgischen Landesregierung.“