Hohen Neuendorf

Berliner zieht es nach Hohen Neuendorf

Überzeugende Angebote: In Hohen Neuendorf hat sich die Einwohnerzahl seit dem Fall der Mauer auf knapp 27.000 verdoppelt.

Hohen Neundorf Heiko und Nadja Simon mit ihren Kindern Isabelle und Robert

Hohen Neundorf Heiko und Nadja Simon mit ihren Kindern Isabelle und Robert

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Hohen Neuendorf.  Mehr als zehn Jahre lang wohnten sie in Berlin-Treptow. Und das gerne, wie sie sagen. Abends waren sie schnell im „Lido“, dem bekannten Veranstaltungsclub am Park. Auch zur „Arena“ hatten sie es nicht weit. Vor gut einem Jahr haben Nadja und Heiko Simon das Großstadt-Leben mit dem Reihenhaus-Feeling in Hohen Neuendorf getauscht. Die Produktmanagerin bei einem Verlag in Mitte und der Leiter einer kleinen Bank in Spandau sind mit ihren zwei Kindern in das Mädchenviertel gezogen. Das ist ein gefragtes Wohngebiet in der brandenburgischen Kleinstadt nördlich von Berlin. „Es war keine einfache Entscheidung“, sagt Heiko Simon. „Wir wollten gerne im eigenen Haus wohnen. Mit mehr Platz in der Wohnung und auch etwas ruhiger.“

Gut 41.000 Berliner haben in den vergangenen zehn Jahren im Kreis Oberhavel ein neues Zuhause gefunden. Hohen Neuendorf ist besonders beliebt. „Drei Viertel der Zugezogenen kommen aus Berlin zu uns“, sagt Steffen Apelt (CDU), der Bürgermeister der knapp 27.000-Einwohner-Kommune. Nach Teltow, südwestlich von Berlin, hat Hohen Neuendorf das stärkste Einwohnerwachstum der mittelgroßen Städte in Brandenburg zu verzeichnen. Seit dem Fall der Mauer hat sich die Einwohnerzahl verdoppelt.

Ein Viertel der Einwohner pendelt täglich nach Berlin

Das liegt vor allem an der guten Infrastruktur. Es gibt neu gebaute oder sanierte Schulen, darunter ein Gymnasium. Die Grundschule Niederheide gilt als „energetisch modernste Grundschule Deutschlands“. Ein Kitaplatz ist kein Problem. Allerdings müssen Eltern feststellen, dass die vom Land finanzierten Erzieher in Brandenburg sich um viel mehr Kinder kümmern müssen als in Berlin. „Unsere Kitas sind alle in freier Trägerschaft“, sagt Bürgermeister Apelt. Die sehr dynamische Entwicklung hat die Stadt auch der guten Verkehrsanbindung zu verdanken. „Hier halten die Linien S1 und S8 und die Regionalbahn RB20. Die Autobahn ist in nur wenigen Minuten erreichbar.“ 6500 Bewohner pendeln jeden Tag nach Berlin und abends zurück – immerhin ein Viertel der Einwohner.

Die elfjährige Isabelle und der achtjährige Robert gehen in Hohen Neuendorf zur Schule. „Die Kinder haben sich sehr schnell eingelebt“, sagt Nadja Simon. „Sie haben auch gleich Anschluss gefunden.“ Essen geht die Familie nicht mehr so oft wie in Berlin. Dabei bietet der neue Heimatort mehrere Italiener und Griechen. Deutsche Küche natürlich auch, ebenso indische, thailändische und chinesische. Beliebter Treffpunkt der Hohen Neuendorfer ist das „Kaffeehaus Morgenrot“. In einer roten Jugendstilvilla an der Scharfschwerdtstraße bekommt der Gast Alt-Wiener Kaffeespezialitäten serviert – von der „Wiener Melange“ bis zum „Fiaker“.

„Meist froh, wenn wir zu Hause sind“

Wer in Hohen Neuendort wohnt, den zieht es abends oft gar nicht mehr hinaus. „Wir sind meist froh, wenn wir zu Hause sind“, sagt Heiko Simon. Die Familie fühlt sich wohl in ihren eigenen 135 Quadratmetern. Freunde haben sie hier noch keine gefunden. Selbst die meisten Nachbarn kennt die Familie noch nicht. Dafür habe bisher die Zeit gefehlt. „Wir haben schon einen sehr großen Freundeskreis in Berlin“, sagt Simon, „und besuchen uns jetzt halt über die Ländergrenze hinweg.“ Es sei ja nicht weit. Zur Arbeit nach Spandau ist Heiko Simon von Haus zu Haus nur eine gute Dreiviertelstunde unterwegs.

Berliner locken vor allem die günstigen Wohnungs- und Grundstückspreise. „Bei uns lässt es sich noch günstiger kaufen als im benachbarten Frohnau“, sagt der Bürgermeister. „Im Mädchenviertel dürfte der Durchschnittspreis für ein Haus inzwischen bei rund 250.000 Euro liegen“, sagt Apelt. Es gebe aber auch noch preiswertere Immobilien, vor allem in den Ortsteilen Bergfelde, Borgsdorf, Pinnow und Stolpe. „Bei uns werden immer wieder mal Reihenhäuser ab 150.000 Euro angeboten“, so Apelt. Der Preis liege in Top-Lagen bei mehr als 300 Euro pro Quadratmeter für unbebaute Flächen. Vis-à-vis dem Rathaus könne noch gebaut werden, angrenzend an die Wasserturmsiedlung sei noch Platz für gut 1000 Menschen. Man setze weniger auf neue Wohngebiete als auf Verdichtung der Flächen. „Wir können noch Wachstum gebrauchen“, betont der Bürgermeister. „Allerdings muss die Entwicklung behutsam gesteuert werden.“ Geht es so weiter, wird Hohen Neuendorf in zehn Jahren rund 30.000 Einwohner haben.

Die Stadt hat mehr als 90 Vereine

Apelt ist erst kurz im Amt. Der bisherige CDU-Fraktionschef löste im Frühjahr den Amtsinhaber von den Linken ab. Er gewann, weil er in seinem „11-Punkte-Plan“ versprach, sich für die Taktverdichtung der S1 bis Birkenwerder und der S8 am Abend bis Bergfelde sowie für die Bustaktverdichtung einzusetzen. Für mehr abgesicherte Fahrradstellplätze an den Bahnhöfen – und kostenlose Laubentsorgung. Hohen Neuendorf sei „liebenswert und proper“, sagt Apelt. Für ihn klingt das besser als „arm, aber sexy“. In seiner Stadt müsse man nicht drei Monate auf einen Termin bei den Ämtern warten.

Mit seiner Familie ist auch Malte Stöck von Berlin nach Hohen Neuendorf gezogen. Er arbeitet als Klimaschutzbeauftragter bei der Stadt. „Wir sind sportlich aktiv“, sagt Stöck, „und finden hier nicht nur tolle Fahrradwege.“ Die Stadt hat mehr als 90 Vereine, die für jeden etwas bieten. Der Golfclub Stolper Heide verfügt über zwei 18-Loch-Plätze. Nur ein Kino und ein Schwimmbad vermissen die Hohen Neuendorfer. Aber Oranienburg ist nicht weit – und Berlin ja auch nicht.