Weihnachtsmann to go

Brandenburgerin wünscht sich mehr „echte Kerle mit Bart“

Petra Henkert betreibt die größte Agentur Brandenburgs für Festtags-Darsteller. Derzeit sucht sie händeringend nach Weihnachtsmännern.

Petra Henkert betreibt in Zeuthen ein Weihnachtsbüro

Petra Henkert betreibt in Zeuthen ein Weihnachtsbüro

Foto: Katrin Starke / BM

Zeuthen.  20 Männer hat sie schon. Doch die genügen Petra Henkert nicht. Die 53-Jährige wünscht sich mindestens 30 weitere „echte Kerle mit Bart“ – zumindest für den Heiligabend. Bereits 600 Aufträge, vornehmlich aus dem Berliner Speckgürtel, stapeln sich auf dem Schreibtisch in ihrem „Weihnachtsbüro“ in Zeuthen.

Die Zahl der Familien, die bei Henkert für den 24. Dezember einen Weihnachtsmann buchen, steigt von Jahr zu Jahr. Seit 2000 betreibt die studierte Lateinamerikanistin nebenberuflich eine Vermittlungsagentur für Rauschebärte, Christkinder und Engelchen – die mittlerweile größte Brandenburgs.

Henkerts Dilemma: „Während die Nachfrage nach Weihnachtsmännern vor allem bei Familien im Berliner Umland jährlich steigt, sinkt die Zahl derer, die bereit sind, am Festtag in einen roten Mantel zu schlüpfen, sich einen weißen Bart anzukleben und Kinderaugen zum Leuchten zu bringen.“

Bei jeder Familie verbringt man rund zehn Minuten

Was die Situation erschwert: „Eltern oder Großeltern bestehen auf einen Mann in dieser Rolle. Dass alternativ eine Frau beispielsweise als Fee Geschenke an die Kleinen verteilt, lehnt die Mehrheit ab.“ Zum Ärger der Agenturchefin: „Den Kindern ist es egal, welches Geschlecht ihre real gewordene Traumgestalt vor dem Weihnachtsbaum hat. Ist die Figur glaubwürdig, lassen sie sich einfach verzaubern.“ Das weiß sie aus eigener Erfahrung.

Petra Henkert ist nicht die einzige, die den Schwund an Weihnachtsmännern beklagt. Auch die Konkurrenz, etwa das Berliner Studentenwerk, muss um Darsteller buhlen. Von einst 500 Amateuren wollen sich heute nur noch 200 an Heiligabend in Schale werfen. „Der Aufwand ist groß“, sagt Henkert. Aber: „Der Heiligabend-Einsatz bringt Weihnachtsmännern durchschnittlich 500 Euro plus Trinkgeld.“ Zwischen drei und 16 Familienbesuchen absolvieren ihre weißbärtigen Mantelträger am Heiligabend. „Wie viel sie schaffen, hängt ab von ihren Fortbewegungsmitteln und auch von der körperlichen Kondition“, sagt Henkert.

Der Einsatz in der Wohnung dauere zwar nur rund zehn Minuten, aber die Vorbereitung koste Zeit. Der Job sei nicht nur bei Studenten oder Arbeitslosen beliebt, erzählt sie. Auch Angestellte, Ärzte, sogar Richter stehen in ihrer Kartei. „Für viele ist das die Möglichkeit, für einen Tag in ein anderes Ich zu schlüpfen. Und außerdem: Wer macht nicht gern Menschen Freude?“

Um Neulingen den Einstieg ins Weihnachtsmanngeschäft zu erleichtern, ihnen die Scheu zu nehmen, trainiert Henkert das angehende Personal in kostenlosen Seminaren. Auch, um Reinfälle zu vermeiden. „Die Erwartungshaltung der Familien ist heute sehr hoch. Da kann es schnell passieren, dass jemand enttäuscht ist.“ Als Mutter von zwei Kindern weiß Henkert jedoch, worauf es ankommt. „Ein Kostüm von der Stange geht gar nicht“, sagt sie. „Billig wirkt nicht“.

Mindestens 70 Euro müsse man schon investieren in die Grundausstattung, die Henkert auch vermietet. Wer der Sache treu bleibe, lasse sich allerdings meistens ein eigenes Kostüm schneidern. Der Trend beim Dresscode gehe zum amerikanischen dickbäuchigen Santa Claus im roten Zweiteiler. „Eine Entwicklung, die den Kino-Blockbustern aus den USA geschuldet ist“, sagt sie. Der typisch deutsche Weihnachtmann, der eher als hagerer Typ mit langem Bart und Mantel daherkomme, falle bei vielen Auftraggebern sofort durch.