„Mercure“ und „Minsk“

Die Zukunft der DDR-Architektur in Potsdam ist ungewiss

| Lesedauer: 4 Minuten
Gudrun Mallwitz
Terrassenrestaurant Minsk und das Brauhausberg in Potsdam im Wandel der Zeit

Terrassenrestaurant Minsk und das Brauhausberg in Potsdam im Wandel der Zeit

Foto: Jörg Fröhlich

Das „Mercure“ darf stehen bleiben. Ob das Terrassenrestaurants „Minsk“ am Brauhausberg erhalten wird, ist noch geklärt.

Potsdam.  Wieviel DDR-Architektur verträgt die Stadtmitte? Darüber wird seit Jahren heftig gestritten. Nach Protesten hat die Stadt den Plan aufgegeben, den 17-stöckigen Beton-Hotel-Klotz „Mercure“ zu kaufen und abzureißen. Um den Verbleib des heruntergekommenen Plattenbaus vis-à-vis dem Stadtschloss am Alten Markt, aus dem die Fachhochschule demnächst ausziehen wird, kämpft eine Initiative. Angeführt wird die Bewahrergruppe der DDR-Architektur nicht von älteren Nostalgikern, sondern von jungen Neu-Potsdamern wie dem Kunsthistoriker André Tomczak von der Kulturlobby Potsdam oder der Architektin Frauke Röth. Derzeit noch unklar ist das Schicksal eines weiteren Baus aus der DDR-Zeit: des Potsdamer Terrassenrestaurants „Minsk“ am Brauhausberg.

Potsdamer beleuchtet Baugeschichte

„Laut Bebauungsplan ist es zulässig, dass das Minsk stehen bleibt“, sagt Rathaussprecher Stefan Schulz. „Entscheiden wird der Investor, der das Grundstück kauft.“ Geplant ist bislang eigentlich, auf dem Areal neben dem neuen Schwimmbad hochwertige Wohnungen zu errichten. Das Grundstück wird laut Stadtwerke 2017 vermarktet.

Zwischenzeitlich wollte der Landessportbund (LSB) das seit 2003 leer stehende und mit Graffiti beschmierte Gebäude sanieren und darin eine Kita einrichten. Doch der Standort steht nicht im laufenden Kita-Bedarfsplan der Stadt.

Brauhausberg im Wandel der Zeit

Der gebürtige Potsdamer Jörg Fröhlich hat gemeinsam mit seiner Tochter Luise Fröhlich in einem 123-Seiten-Buch die Geschichte des Potsdamer Terrassenrestaurants „Minsk“ und des Brauhausberges im Wandel der Zeit (1970–2015) aufgeschrieben. Zuvor trug er für ein Buch Wissenswertes zum früheren Interhotel „Mercure“ zusammen. Fröhlich arbeitet als Archivar im Bundesarchiv in Berlin. Der 59-Jährige sagt: „Es lag mir sehr viel daran, über ostmoderne Bauobjekte in Potsdam zu schreiben, die womöglich nicht mehr lange stehen werden.“

Das zweigeschossige Terrassenrestaurant „Minsk“ am 88 Meter hohen Brauhausberg galt zu DDR-Zeiten als ein beliebtes Ausflugsziel der Potsdamer und ihrer Gäste. Im „Minsk“ aßen sie gern, kamen sie zu Tanzabenden und zum Feiern zusammen. Das Restaurant war 1977 nach etwa sechs Jahren Bauzeit als weißrussische Folkloregaststätte eröffnet worden – zu Ehren des 60. Jahrestages der „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“.

1970 begann die Stadt mit dem Bau. Als der untere Teil des Gebäudes fertig war, wurde aber ein Baustopp verhängt. Mit der Begründung: „Wir haben nicht mehr das entsprechende Material, weil der ganze Stahl nach Berlin in den Palast der Republik gepumpt wurde“, zitiert der Autor Fröhlich den damaligen Architekten des „Minsk“, Karl-Heinz Birkholz.

Unter Denkmalschutz gestellt wurde das Lokal nicht

Das Restaurant wurde dann doch fertiggestellt – in Anlehnung an die damals intensiv gepflegte Städtepartnerschaft mit der weißrussischen Stadt Minsk. Mit geflammtem Marmor aus Russland für die Eingangshalle, Kupfer für die Lampen, edler russischer Mooreiche für die dekorativen Schnitzereien. Soldaten aus dem sozialistischen Bruderland halfen beim Betonschleppen. Minsker Künstler gestalteten die gesamte Innenreinrichtung.

Was jedoch viele nicht wissen: Hinter dem Gittertor zum Vorraum unter der Terrasse befindet sich noch heute ein 200 Quadratmeter großer Schutzbunker für 300 Personen. Die Fans des „Minsk“ haben bis heute nicht erreicht, dass das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wird. Einen entsprechenden Antrag hat das Landesdenkmal abgelehnt.

Die Bücher „Das Potsdamer Terrassenrestaurant Minsk und der Brauhausberg im Wandel der Zeit“ (ISBN: 9 783738 644 784) für 10, 90 Euro und „Ein Hotel im Lustgarten von Potsdam“ (ISBN 9 7838 48 228 546) für 6,99 Euro sind im Selbstverlag erschienen. Sie können im Buchhandel bestellt oder online erworben werden.

Lesen Sie auch

„Deutsches Haus“ in Beelitz kann saniert werden

Der Berliner Dom: Zuerst gehasst, dann geliebt

Berliner Fernsehturm: Von Ulbrichts Vorzeigeprojekt zum Kult

KaDeWe: Ein Kaufhaus mit Geschichte