Lautes Krähen

Die Streithähne von Zitz sollen sich jetzt gütlich einigen

Der Streit um laute Hähne auf einem Hof in Brandenburg soll bei einer Güteverhandlung geklärt werden - sonst geht es vor Gericht.

Reno Nerling mit zwei seiner Chabo-Hähne

Reno Nerling mit zwei seiner Chabo-Hähne

Foto: Märkische Allgemeine/Claudia Nack / x

Brandenburg/Havel.  Im jahrelangen Rechtsstreit um Hahnenschreie auf dem Hof eines Hobbyzüchters im Dorf Zitz (Potsdam-Mittelmark) könnte es zu einer außergerichtlichen Einigung kommen. Die Parteien vereinbarten am Montag in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht in Brandenburg/Havel einen Gütetermin. Im Kern geht es um die Frage, ob das Krähen eines Hahns zu den alltäglichen Geräuschen gehört, wenn man auf dem Land lebt.

Seit Jahren streiten sich die beiden Nachbarn in dem märkischen Dörfchen darum, wie laut das Krähen der Hähne des einen sein darf. Mittlerweile kommunizieren die beiden Streithähne nur noch über ihre Anwälte, der Nachbar des Hobby-Geflügelzüchters klagte gar gegen das Krähen, weil er gesundheitliche Schäden dadurch fürchtet. Der Richter des Amtsgerichts schickte beide Parteien nun an den Verhandlungstisch.

Wenn der Hahn zweimal kräht – geht's vor Gericht

„Das Gesetz erlaubt eine Güteverhandlung. Die hier getroffenen Kompromisse sind tragfähiger, als wenn ein Gericht entscheidet“, sagte Richter Torsten Bönig am Montag. Nur so ließe sich der Dorffrieden in Zitz direkt an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt wiederherstellen.

Alles andere dauere. Denn: In einem Gerichtsverfahren müsse Grundsätzliches geklärt werden, gab Bönig zu bedenken. „Ist Krähen auf einem Dorf zu dulden? Wenn ja, was ist ortsüblich? Wie oft dürfen Hähne überhaupt krähen?“ Zudem könne ein Präzedenzfall geschaffen werden, der ungeahnte Folgen nach sich zöge. Außerdem gehe erfahrungsgemäß nach einem Urteil mindestens eine Partei gegen die Entscheidung juristisch vor.

Streit um laute Hähne - Kläger muss Tagebuch führen

Nur zähneknirschend stimmte Kläger Hans-Wilhelm Geue dem vorgeschlagenen Gütetermin zu. Sein Anwalt pochte vor Gericht darauf, dass über die Zahl der gehaltenen Hähne, über einen Zeitplan, wann und wie viele Hähne gleichzeitig krähen dürfen, sowie über Schallschutzmaßnahmen gesprochen werden müsse.

Geflügelzüchter Reno Nerling sagte hingegen, dass er schon immer kompromissbereit gewesen sei. „Herr Geue hat nur nie mit mir gesprochen. Er hat sofort die juristische Keule ausgepackt“, kritisierte der 36-Jährige. „Er will, dass meine Hühner nicht lauter als 55 Dezibel sind. Da ist jedes Auto, das auf dem Kopfsteinpflaster an seinem Haus vorbeifährt lauter“, so Nerling.

Hähne gegen eine Rasse eingetauscht, die leiser kräht

Um die Lage zu entschärfen, habe er in der Zwischenzeit die Hähne gegen eine Rasse eingetauscht, die „leiser“ krähe. „Ich habe für 200 Euro einen Sichtschutz und eine automatische Klappenanlage für den Stall gekauft und eingebaut. Außerdem ist alles mit einer Wlan-Kamera videoüberwacht. Das sind doch gute Argumente“, sagte der 36-Jährige.

Hühner gibt es auf dem Hof, der Nerlings Eltern gehört und auf dem er selbst nicht lebt, schon seit Jahrzehnten. Die Stallanlage hatte er von seinem Großvater übernommen. Der Streit sei erst ausgebrochen, als die klagende Familie nach der Wende ins Dorf gezogen sei und sich durch das Krähen gestört gefühlt habe. Der Gütetermin soll voraussichtlich für November angesetzt werden. Scheitert er, geht der Fall zurück an das Gericht.