Fahrzeuge defekt

Brandenburger Feuerwehr hat Probleme beim Löschen

Neue, 230.000 Euro teure Fahrzeuge sind wegen technischer Probleme nur eingeschränkt einsetzbar. Und das bereits seit Monaten.

Brandenburger Feuerwehrleute löschen auf der A24 einen brennenden Lastwagen

Brandenburger Feuerwehrleute löschen auf der A24 einen brennenden Lastwagen

Foto: pa/dpa/Susan Ebel

Die Feuerwehren Templin (Uckermark) und Milower Land (Havelland) haben massive Probleme mit einigen ihrer Löschfahrzeuge vom Typ TLF 20/40. Sie sind Teil der neuesten Bestellung von 31 Fahrzeugen, die das Potsdamer Innenministerium 2014 orderte, und seitdem Ärger bereiten.

„Schon die Auslieferung dauerte bei manchen der 31 Fahrzeuge länger, weil sie nicht fahrstabil waren“, sagt der Bürgermeister von Milow, Felix Menzel. „Manche Fahrzeuge mussten wieder zurückgerufen werden. Die, die noch nicht ausgeliefert waren, wurden umgearbeitet. Die Rahmen wurden versteift und die Reifen ausgetauscht.“

Fahrzeuge schaukelten bei Fahrten auf der Autobahn

Menzel, der selbst Feuerwehrmann war, ärgert sich über das 230.000 Euro teure Fahrzeug, das seinen Zweck einfach nicht erfülle. „Es hat viele kleinere Mängel gegeben, die vom Hersteller behoben werden mussten. Etwa mit dem Fahrwerk oder einem Tankverschluss, der ungünstig platziert war.“ Auch dem Innenministerium sind diese Mängel bekannt. „Bislang konnten schon einige Probleme gelöst werden“, sagt Sprecher Ingo Decker. „Etwa, dass die Fahrzeuge bei schnellen Fahrten auf der Autobahn regelrecht geschaukelt haben.“

Seit März 2015 seien die aktuellen Probleme mit der Druckmischanlage bekannt. Sie gehört zur Standartausstattung, mischt aus Wasser und Schaummittel den Löschschaum, der zum Beispiel bei brennenden Fahrzeugen benutzt wird. Die Anlage funktioniert über kleine Wassermotoren, die sich wie kleine Mühlräder drehen, um den Schaum zu mischen. Nun bemühe sich das Innenministerium seit mehr als einem Jahr darum, dass die Probleme vom Hersteller behoben werden und die Fahrzeuge unter normalen Bedingungen wieder einsatzbereit seien, so Ingo Decker. Zuletzt habe man dies dem Unternehmen gegenüber im Juli klargemacht.

Selbst das sauberste Wasser bringt keine Besserung

Das Problem scheinen Sedimentteilchen zu sein, die den Wassermotor der Druckmischanlage blockieren und so verhindern, dass der Löschschaum produziert werden kann. „Nach der Auslieferung der Fahrzeuge Anfang 2015 fiel uns das Problem erst nicht auf“, erzählt Menzel. Das Fahrzeug sei zunächst lediglich für Übungen ohne Schaum benutzt worden. Als die Anlage dann immer öfter versagte, kontaktierten sie den Hersteller. Deren Vertreter kam mit einem Mitarbeiter des Produzenten der Druckmischanlage im März zum ersten Mal ins Havelland, um die Anlage zu reparieren.

Die Diagnose: Sand im Löschwasser stört das empfindliche Getriebe. Seitdem sei die Anlage immer wieder gereinigt worden, aber nichts besserte sich. „Es fiel auf, dass sie selbst mit dem saubersten Wasser der Umgebung versagte“, sagt Felix Menzel. „Danach haben wir einen Mitarbeiter des Innenministeriums eingeladen und das Fahrzeug aus einem neuen, sauberen Brunnen vollgetankt“, erzählt er. „Innerhalb einer Stunde ist der Wassermotor drei Mal festgelaufen.“ Die Kollegen in Templin hätten mit ihrem Löschfahrzeug das gleiche Problem, so Menzel. Man könne natürlich auch ohne Schaum löschen, das Fahrzeug sei trotzdem nutzbar, erfülle aber seinen Zweck nicht. „Schaum ist zehnmal effektiver als Wasser.“

Garantie läuft noch bis zum 31. Dezember 2016

Warum die serienmäßig verbaute Druckmischanlage nur bei manchen Fahrzeugen nicht zu funktionieren scheint, ist allen Beteiligten schleierhaft. „Die restlichen Feuerwehren sind zufrieden mit ihren Fahrzeugen“, sagt Ministeriumssprecher Decker. Er betont, dass die Fahrzeuge auf Wunsch der Gemeinden bestellt und mit 50 Prozent gefördert wurden. Vorwürfe, dass die problematischen Löschfahrzeuge über die Köpfe der Gemeinden hinweg angeschafft wurden, seien unberechtigt. Das Ministerium habe die Fahrzeuge europaweit ausgeschrieben und mit dem Hersteller, dessen Spezialfahrzeuge einen guten Ruf haben, schon vorher zusammengearbeitet.

Die Garantie auf die Löschfahrzeuge läuft noch bis zum 31. Dezember 2016. „Bis dahin sind alle Träger der 31 Löschfahrzeuge dazu verpflichtet, auf weitere Mängel hinzuweisen, damit wir Gewährleistungsansprüche geltend machen können“, so Decker. Man sei im Innenministerium zuversichtlich, dass es dem Unternehmen möglich sei, die technischen Probleme an den beiden Autos zu beheben.

Streit darüber, wer für die Mängel geradestehen muss

Momentan streite sich das brandenburgische Innenministerium mit dem Unternehmen vor allem über die Ausschreibung und wer für die Mängel letztendlich geradestehen muss, der Besteller oder der Lieferant. „Aus unserer Sicht entsprach es nicht der Ausschreibung, ein nur eingeschränkt funktionierendes Teil in die Löschfahrzeuge einzubauen. Der Hersteller sollte dafür Sorge tragen, dass die Technik einwandfrei funktioniert“, so Decker weiter.

Der Hersteller war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht zu erreichen. Gegenüber der „Bild“-Zeitung sagte ein Sprecher, die Leistungsbeschreibung der Feuerwehrautos sei „nicht fehlerhaft“.

„Wir stehen weiterhin mit den Gemeinden Templin und Milow im Gespräch“, so Ingo Decker. Auch Felix Menzel betont, dass die Zusammenarbeit mit dem Innenministerium gut sei. „Wir haben wöchentlich Kontakt mit dem Ministerium. In Zukunft sollte in Ausschreibungen explizit hineingeschrieben werden, dass die Druckmischanlage gegenüber Verschmutzung unempfindlich sein soll.“