Potsdam

Fürst Pücklers Wassermusik

Die Brunnen und Fontänen um das Schloss Babelsberg sprudeln wieder – nach fast 100 Jahren Pause

Potsdam. Hartmut Dorgerloh ist die Freude anzusehen. Sie steckt auch in fast jedem Wort. „Was für ein Tag!“, schwärmt der Direktor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. „Babelsberg, eine der großen europäischen Gartenanlagen des 19. Jahrhunderts ist wieder da.“ An diesem Dienstag feierte die Stiftung die Instandsetzung der Hälfte des etwa 20 Kilometer langen Brauchwassernetzes um das Schloss Babelsberg. Die nach dem Ende der Monarchie 1918 stillgelegten Wasserspiele des Landschaftsarchitekten Hermann Fürst von Pückler-Muskau funktionieren endlich wieder. Nach knapp 100 Jahren Pause.

„So gut hat es hier seit der Zeit von Wilhelm und Augusta nicht mehr ausgesehen“, sagt Dorgerloh. „Und wir können jetzt auch wieder der Wassermusik lauschen.“ Das Schloss war ab 1833 für den preußischen Prinzen Wilhelm und seine Frau Augusta von Sachsen-Weimar angelegt worden. Etwa 5,9 Millionen Euro sind laut Stiftung in die im Jahr 2013 begonnenen und nun beendeten Arbeiten geflossen. Das Geld stammt aus dem Sonder-Investitionsprogramm für die preußischen Schlösser und Gärten. Grundlage dafür ist seit 2008 ein 155-Millionen-Euro-Masterplan des Bundes und der beiden Länder Berlin und Brandenburg zur Rettung bedeutender Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft. Nächstes Jahr läuft er aus, wird aber für weitere 15 Jahre neu aufgelegt.

Das Schwarze Meer ist wieder mit Wasser gefüllt

Die Wasserspiele wurden in den vergangenen Jahren Stück für Stück reaktiviert. Wo sich zum Beispiel jahrzehntelang eine überwachsene Senke befand, fasziniert nun 200 Meter oberhalb des Schlosses das sogenannte Schwarze Meer. Durch die Reliefgestaltung ergeben sich bewegte Uferlinien. Für den Betrachter sollte die Illusion eines Meeres entstehen. Vom Uferweg aus sind die drei Wasserfälle entlang der Havel zu sehen. Zwei von ihnen werden aus dem Brauchwassernetz gespeist.

Der Wasserfall unterhalb der Gotischen Fontaine erhält sein Wasser vom Brunnen im sogenannten Pleasure­ground. Ein mit Blumen, blühenden Sträuchern und Wasserspielen geschmückter Gartenbereich. Der in der Nähe des Maschinenhauses gelegene Wilhelmswasserfall wird über ein oberhalb liegendes Teichbecken betrieben. Fürst Pückler ließ das Bewässerungssystem im Jahr 1845 mit einem 20 Kilometer langen Netz unterirdischer Rohrleitungen anlegen.

Auf der Porzellanterrasse plätschert jetzt wieder der Städtebrunnen vor der frisch sanierten Fassade des Schlosses. Er war um 1863 als Geschenk der Dombauhütte Köln aufgestellt worden. Zum Dank für die Bemühungen Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I. um die Voll­endung des Kölner Doms. Die fünf Terrassen um das Schloss mit ihren Brunnen sind inzwischen wieder hergestellt worden. Der Park war von 1833 an zunächst von dem Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné angelegt worden. Hermann Fürst von Pückler-Muskau, der sich damals selbst empfohlen hatte, schlug vor, mit der Erweiterung des Schlosses auch Terrassen zu errichten.

Der Künstler stellteknallharte Bedingungen

Die Staatsministerin des Bundes für Kultur, Monika Grütters (CDU), betonte am Dienstag, welches Kunstwerk entstehen kann, wenn der Künstler Freiheiten hat. „Pückler stellte damals Bedingungen“, berichtet sie und zitiert: „Man muss mir freie Hand lassen und tun, was ich sage. Sonst kann ich die künstlerische Verantwortung jedenfalls dafür nicht übernehmen.“ Er soll hinzugefügt haben: „Knickern aber darf man nicht, denn umsonst ist nur der Tod.“ Unnütze Verschwendung werde unter seinen Leuten nie vorfallen, „aber das Notwendige muss geschaffen werden“. Auch Brandenburgs Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD) lobt die gelungene Wiederherstellung des Kunstwerkes.

Nicht nur die Terrassenanlagen sind fertig, auch die Fassade des Schlosses ist saniert. Das im Inneren noch nicht restaurierte Schloss ist erst im nächsten Jahr – und nur für eine Saison – zugänglich. Vom 29. April bis zum 15. Oktober 2017 ist dort die Sonderausstellung „Pückler.Babelsberg – Der grüne Fürst und die Kaiserin“ zu sehen.

Die Stiftung bietet drei Führungen im Park Babelsberg: Freitag, 19. August (16 Uhr), Sonntag, 21. August (14 Uhr) und Sonntag, 28. August (14 Uhr). Anmeldungen unter 0331-9694-200 oder unter info@spsg.de