Hi-Tech aus Brandenburg

Erfinder entwickeln Fahrradschloss mit Bluetooth-Schlüssel

Zwei Brandenburger entwickeln in ihrem Unternehmen Haveltec Ideen, um Räder mit digitalen Hilfsmitteln diebstahlsicher zu machen.

Diebstahlsicher: Christian Anuth mit einem seiner Prototypen. Wird das Fahrrad gestohlen schlägt seine Erfindung Alarm

Diebstahlsicher: Christian Anuth mit einem seiner Prototypen. Wird das Fahrrad gestohlen schlägt seine Erfindung Alarm

Foto: Katrin Starke

Brandenburg.  Rund 1500 Fahrradschlösser haben Kunden bereits bei Christian Anuth über eine Internetplattform geordert. Ware mit dem Verkaufswert von 199.000 Euro. Die Käufer schätzen die Ideen des junge Unternehmens Haveltec, des 32-Jährigen und seines Kompagnons Markus Weintraut (29) in Brandenburg an der Havel. Und das, obwohl davon erst ein Prototyp existiert.

„Spielwiese“ haben ihn die Macher genannt. So luftig-leicht der Name klingt, so handfest ist, was die beiden studierten Mechatroniker schaffen wollen: ein intelligentes Fahrradschloss. Zum Start der Fahrradsaison im Frühjahr 2017 soll es für 119 Euro in den Handel kommen. Es hat ein muschelförmiges schwarzes Kunststoffgehäuse, in dem sich ein Stahlbügel, Sensoren und Leiterplatten befinden. Die Zielgruppe: „Alltagsradler, die kurze Besorgungen in der Stadt machen und ihr Rad immer wieder ab- und aufschließen müssten.“ Was viele allerdings nicht tun. „Und Gelegenheit macht dann bekanntlich Diebe“, sagt Anuth.

Das Sicherheitsschloss wird am Rahmen unter dem Sattel montiert, schließt oder öffnet sich mittels Bluetooth-Funkübertragung automatisch, sobald der Besitzer in der Nähe ist. Voraussetzung ist ein Smartphone, das sich mit dem System verbindet. Schlüssel oder Zahlenkombinationen werden überflüssig. Wer kein Handy hat, muss nicht verzichten: „Wir bieten einen Handleser an.“ Nimmt ein Räuber das Rad unter den Arm, wird Alarm ausgelöst. „I Lock It“ haben die Existenzgründer ihr Schloss genannt, das sich mittels GPS-Tracker lokalisieren lässt. So wird auch die App heißen, mit der Radbesitzer die Berechtigung zum Freischalten des Schlosses an Freunde weitergeben können.

Eine gute Adresse in der sanierten Altstadt

Anfang August haben Anuth und Weintraut ihren neuen Firmensitz bezogen: Bäckerstraße 1 – eine gute Adresse in der sanierten Brandenburger Altstadt. Dass er hier einmal ein Büro haben würde, hätte der gebürtige Brandenburger Anuth 2013 nicht gedacht. Im Rahmen seines Studiums an der damaligen Fachhochschule Brandenburg, der heutigen Technischen Hochschule (TH), sollten er und Kommilitone Weintraut einen Businessplan für ein neues Produkt schreiben. Spontan dachten sie an die kalten Hände, die sie im Winter bekommen hatten, wenn sie zur Mensa, zur Bibliothek, zum Seminarraum geradelt waren. „Immer wieder mussten wir die Handschuhe ausziehen, um in der Tasche nach dem Schlüssel fürs Schloss zu suchen.“ Sie suchten eine Lösung, fanden sie und schrieben das Konzept für ihr Seminar.

Das Gründerzentrum der Hochschule wurde aufmerksam, vermittelte den jungen Männern das Gründer-ABC. Und: Der Innovationspreis der TH lockte. Mit ihrer Idee kamen die zwei angehenden Akademiker auf den dritten Platz. Auf der Hannover-Messe sollten sie ihr Projekt präsentieren. „Aber wir hatten nichts als die Idee.“ Die beiden frästen ihre Firmenidee in Styropor und kombinierten sie mit LED-Lampen als Modell für den Stand. „Wir waren umlagert, hatten offenbar einen Nerv getroffen“, erzählt Anuth. Plötzlich lag es für sie nahe, eine eigene Firma zu gründen.

Inzwischen haben die beiden Gründer Andras Botos (33) an ihrer Seite. Der gebürtige Ungar, aufgewachsen in Sindelfingen und Absolvent der Uni Potsdam, hat in der Landeshauptstadt ein Ingenieurbüro gegründet. Mittlerweile ist er Kooperationspartner von Haveltec, stellt die Hardware zur Verfügung, layoutete die Leiterplatten, sucht die Bauteile aus, die die Mechatroniker für ihr Schloss benötigen. „Alles in Handarbeit“, sagt Botos. 1200 Bauteile würden auf eine Leiterplatte passen – teils im Abstand von 0,2 Millimetern. Botos spricht von einer Manufaktur. Vorerst. Nichts, was bei einer Serienfertigung ausreichen würde.

Im Sauerland sitzt ein möglicher Produzent

Seine Kompagnons haben lange nach möglichen Produzenten Ausschau gehalten. Ein Interessent sitzt im Sauerland, ein Zulieferer für Radschutz und Luftpumpen. Das Traditionsunternehmen will seine Produktpalette mit Innovationen erweitern und Anuth erklärt, es habe nicht nur Kompetenz, sondern auch 60 Automaten für den Kunststoffspritzguss.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber besuchte in dieser Woche Haveltec. Er würde es gern sehen, wenn die Gründer auch in Brandenburg fertigen ließen. „Als Jungunternehmer können wir aber keine eigene Produktion leisten“, sagt Anuth. Er setzte auf Crowdfunding. Erfolgreich. Seine Kampagne brachte den Gründern 168.000 Euro ein. „Dabei hatten wir nur auf 100.000 Euro gehofft“, sagt Anuth.