Potsdam/München

Frauchen bekommt Dackel Bonny wieder – gegen 3271 Euro

Landgericht entschied in letzter Instanz: Bayerische Finder müssen Hund nach vier Jahren herausgeben

Potsdam/München.  Die Dackeldame selbst wurde nicht gehört. Sie hatte kein Schwanzwedel-Mitspracherecht, bei wem sie zu Hause sein möchte. Am Landgericht Potsdam endete am Mittwoch der erbitterte Streit um die im April 2012 entlaufene Hündin einer Fercher Familie, die ein bayerisches Ehepaar an der Autobahnauffahrt Glindow aufgelesen und mit nach Hause genommen hatte. Und die sie nicht mehr an die Eigentümer zurückgeben wollten.

Der Urteilsspruch fiel in Abwesenheit aller Beteiligten. Richterin Christel Schulz entschied: „Lulu“ soll wieder in ihr altes Hundeleben als „Bonny“ zurückkehren. Im Gegenzug sollen die „Pflegeeltern“ 3271,16 Euro für Futter, Tierarzt und andere Ausgaben ersetzt bekommen.

Für die Erstausstattung wie Napf und Körbchen wurden 150 Euro angesetzt, für das Futter gut 2200 Euro. Auch Pensionskosten von 370 Euro stehen auf der Rechnung. Nur wenn die Brandenburger die Aufwendungen bezahlen, bekommen sie den Hund zurück, machte die Richterin deutlich. Es handelt sich um einen Förster und seine Frau. Die Rentnerin hatte ihrem Mann den Hund zum 70. Geburtstag geschenkt. Er war neun Monate alt, als er ausbüxte. Sprang aus dem Auto und kam nicht wieder.

Zunächst muss man die Ordnungsbehörde informieren

Die 6. Zivilkammer begründete das Urteil damit, dass der Kläger als Eigentümer Anspruch auf „Bonny von Beelitz“ habe. Die Münchner hätten die Teckeldame nicht einfach behalten dürfen. Stattdessen hätten sie die zuständige Ordnungsbehörde einschalten müssen.

Ob Finder ein Tier behalten dürfen, hängt nach Angaben der Tierschutzorganisation „Aktion Tier“ davon ab, ob sich innerhalb von sechs Monaten nach der Meldung bei der Tiersammelstelle oder der Ordnungsbehörde der Eigentümer meldet. Kommt es nicht dazu, kann der Finder das Tier erwerben. Unter Umständen kann es aber innerhalb von drei Jahren vom ursprünglichen Besitzer zurückgefordert werden.

Damit Halter entlaufene Tiere schnell zurückbekommen, empfiehlt der Tierschutzbund, Haustiere beim Tierarzt mit einem Chip oder mit einer Tätowierung zu kennzeichnen und beim Deutschen Haustierregister unter www.registrier-dein-tier.de kostenfrei registrieren zu lassen. Bonny, die bei einem Spargelfest in Klaistow entwischte, hatte sogar einen Chip implantiert. Nach Aussage des neuen Frauchens, einer Erzieherin, hatten sie und ihr Freund die Chip-Nummer nach dem Fund auf einer entsprechenden Internet-Plattform eingestellt. Dort war der Hund aber nicht gemeldet.

Die Brandenburger erfuhren erst von Bonnys Schicksal, als sich das Münchner Paar vor zwei Jahren einen weiteren Dackel kaufte. Es beantragte dabei bei der Züchterin neue Papiere für den zugelaufenen Hund. Diese soll die Nummer im Chip von Lulu dann in die Datenbank eingegeben haben, wurde fündig – und informierte den Züchter in Beelitz. Das ursprüngliche Frauchen war überglücklich, dass der Hund lebte. Doch inzwischen wollte die neue Familie Lulu alias Bonny nicht mehr hergeben.

So ging der haarige Streit vor Gericht. Das Amtsgericht Potsdam sprach den Dackel dem Förster aus Ferch zu. Die Münchner Familie focht das Urteil an. Das Landgericht Potsdam tat sich nicht leicht mit der Entscheidung. In der vorausgegangenen Verhandlung schlug es vor, dass sich die Besitzer die Hündin von den Münchnern abkaufen lassen, für 1500 Euro. Denn: Man müsse auch an das Tier denken. Es habe inzwischen etwa vier Jahre in seinem neuen Zuhause gelebt, den größten Teil des bisherigen Lebens. Gegen das Urteil ist keine Revision zugelassen. „Sollten die Finder den Hund nicht gegen die Zahlung der Aufwandsentschädigung herausgeben, wird ein Gerichtsvollzieher den Hund abholen“, sagte eine Gerichtssprecherin.