Brandenburg

Eltern bevorzugen einen kurzen Schulweg für ihre Kinder

Immer mehr Kinder aus dem Speckgürtel Berlins gehen auf Brandenburger Schulen. Das stellt die Gemeinden vor Herausforderungen.

Immer mehr Kinder aus dem Speckgürtel Berlins gehen auf Brandenburger Schulen

Immer mehr Kinder aus dem Speckgürtel Berlins gehen auf Brandenburger Schulen

Foto: Patrick Pleul / dpa

Potsdam/Berlin. Heiko Müller steht es noch deutlich vor Augen: „In den 90er-Jahren wollten viele Eltern ihre Kinder an West-Berliner Schulen schicken, weil sie den ehemaligen DDR-Schulen keine guten Bildungsabschlüsse zutrauten.“ Das habe sich inzwischen deutlich geändert, sagt Falkensees Bürgermeister (SPD). Die Zahl der Einwohner in der Boomtown vor den Toren Spandaus hat sich durch starken Zuzug aus Berlin von rund 22.000 zur Zeit des Mauerfalls auf derzeit 43.400 fast verdoppelt.

„Ich erlebe in unseren Schulen dieselbe Mischung wie in der Stadt: 75 Prozent Zugereiste und ein Viertel einheimische Kinder“, stellt Bürgermeister Müller fest. „Der Unterricht an unseren Schulen ist inzwischen sehr anerkannt.“

Für den Schultourismus zahlt das Land viel Geld

Diesen Trend bestätigt auch das Brandenburger Bildungsministerium. Die Zahl der Schüler, die im jeweils anderen Bundesland zum Unterricht gehen, sei bis zur Jahrtausendwende auf mehr als 10.000 gestiegen, berichtet Ministeriumssprecher Florian Engels. Zum Höchststand im Schuljahr 2001/2002 pendelten demnach knapp 9000 Brandenburger Schüler in die Hauptstadt, aber lediglich rund 1200 Kinder und Jugendliche von Berlin ins benachbarte Bundesland.

Für Brandenburg war das ein teurer Schultourismus, denn die Landesregierung musste für den Unterricht der Schüler in der Bundeshauptstadt jährlich zweistellige Millionenbeträge zahlen. Mit dem Rückgang der Pendler sank dieser Finanzausgleich dann von zehn Millionen Euro im Jahr 2011 auf acht Millionen 2013 und 2014. Inzwischen zahlt Brandenburg für jeden „Saldo-Schüler“ – also jeden, der die Zahl der Berliner Pennäler in der Mark übertrifft – 2200 Euro Schulgeld im Jahr. So kommt jährlich eine Summe von knapp neun Millionen Euro zusammen.

„Das Schülerabkommen hat sich bewährt“, sagt Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD). „Und viele, die aus Berlin neu zu uns kommen, schulen ihre Kinder auch in unseren Schulen ein.“ So ist der Anteil der Brandenburger Schulpendler nach Berlin kontinuierlich gesunken. Im kommenden Schuljahr werden nur noch gut 5300 Schüler den Unterricht in der Hauptstadt besuchen, etwas mehr als die Hälfte der Zahl zur Jahrtausendwende. Und dies bei einem ständig steigenden Zuzug von Berlinern in den Speckgürtel. In Gegenrichtung kommen knapp 1400 Schüler aus Berlin.

Gemeinden müssen neue Schulen bauen

Diese Entwicklung ist gut für den Brandenburger Landeshaushalt, stellt aber die Gemeinden im Berliner Umland vor erhebliche Herausforderungen beim Bau neuer Schulen. Besonders im Südwesten wird es knapp. So ist in der Region Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf eine weitere Gesamtschule notwendig. Prekär wird auch die Lage in Falkensee: „Unsere vier weiterführende Schulen sind bereits mehr als ausgelastet“, sagt Bürgermeister Müller. „Wir müssen schon Schüler bis nach Ketzin schicken.“ Für die Kinder bedeutet das einen zusätzlichen Fahrweg von rund 30 Kilometern.

Das ebenfalls stark wachsende Potsdam muss derweil in den kommenden Jahren rund 160 Millionen Euro in neue Schulen investieren. Ein Schulneubau schlägt mit etwa 25 Millionen Euro zu Buche. „Nach den Prognosen wird die Zahl der Schüler von derzeit knapp 20.000 bis 2020 auf knapp 23.000 wachsen“, erläutert Stadtsprecherin Christine Homann. Im Jahr 2030 soll die Zahl der Schüler dann schon bei 25.300 liegen.