Brandenburg

Ausstellung zeigt farbenprächtiges Leben der Unteren Havel

Biber, Fischotter, Brutvögel: Eine Ausstellung im Hauptbahnhof zeigt tolle Fotos von Europas bedeutsamstem Feuchtgebiet.

Bild aus der neuen Ausstellung: Der junge Havelfischer Martin Bork

Bild aus der neuen Ausstellung: Der junge Havelfischer Martin Bork

Foto: Parwez

Diese Ansichten machen manchem die Abreise schwer: Seit Donnerstag sind auf dem Hauptbahnhof Fotografien aus Europas bedeutsamstem Feuchtgebiet zu sehen: seltene Tiere in Nahaufnahme, pralle Natur und Menschen, die mittendrin arbeiten. Sie verbindet der einmalige Lebensraum der Unteren Havel, die gut 80 Kilometer von Berlin entfernt vom Landkreis Potsdam-Mittelmark bis nach Sachsen-Anhalt reicht.

Der Naturschutzbund (Nabu) eröffnete die neue Ausstellung jetzt mit dem Ziel, sein derzeitiges Projekt vorzustellen, bei dem auf 90 Flusskilometern für Tiere und Pflanzen wieder artgerechte Bedingungen hergestellt werden. Das bedeutet unter anderem Anpflanzungen, aber auch markante landschaftsbauliche Eingriffe. Projektorganisator und Flussexperte Rocco Buchta, Leiter des Nabu-Instituts für Fluss- und Auenökologie sorgt etwa dafür, dass Altarme der Havel wieder angeschlossen werden, dass mehr als 100 Hektar Auen versorgt sind und durch den Abbau von sogenannten Uferverwallungen wieder Wasser vom Fluss auf Wiesen gelangen kann. Das schafft etwa neue Laichplätze für die Hechtpopulation und zog in diesem Sommer bereits wiesenbrütende Vögel an, die in der Region zum seltenen Anblick geworden waren, erklärt Rocco Buchta merklich zufrieden.

„Die schlimmsten Wunden an Fluss und Landschaft heilen“

Laut Bundesamt für Naturschutz leben im 19.000 Hektar großen Gebiet etwa 1000 bedrohte und geschützte Arten, darunter mehr als 150 Brutvogelarten sowie Biber, Fischotter und Fischadler. In ihrem Lebensraum hat der Mensch Veränderungen herbeigeführt, etwa Flüsse ausgebaggert, um geeignete Tiefen für Schiffe zu schaffen. Buchta sagt, das Projekt soll jene Defizite beheben, die durch Ausbaumaßnahmen an der Unteren Havel entstanden sind. Es werde „die schlimmsten Wunden an Fluss und Landschaft heilen“. Da sei es sogar absehbar, dass auch Lachse zurückkehren.

2005 begannen die Vorbereitungen, die aktuelle Förderphase der Landschaftskorrekturen reicht bis 2021. Die Finanzierung kommt vom Bund, den Ländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie zu einem geringeren Anteil vom Nabu. Dieser bietet als Projektträger Patenschaften für den Ausbau der Unteren Havel an, mit der man sich zur Zahlung von monatlich 15 bis 50 Euro verpflichtet. Interessenten finden Informationen dazu auf der Internetseite des Nabus.

Ausstellung „Aufatmen. Die Havel erleben. Von Bibern, Seeadlern und Anwohnern der Flusslandschaft“, täglich rund um die Uhr bis 17. August, Hauptbahnhof, Südhalle, Eingang Washingtonplatz