Frankfurt (O.)

Flugschüler nach Angriff auf Lehrer erneut vor Gericht

Seine Strafe wird wegen „tätiger Reue“ ein weiteres Mal reduziert

Frankfurt (O.).  Vorbei der Eifer, mit dem Kleomenis S. im Landgericht Frankfurt (O.) in den beiden Prozessen zuvor seine Unschuld beteuerte. Es steht inzwischen fest, dass der heute 54-jährige Grieche am 21. Juni 2013 als Flugschüler eine Cessna zum Abstürzen bringen und den 73 Jahre alten Fluglehrer Winfried G. mit in den Tod reißen wollte. Kleomenis S. hatte G. während des Fluges unvermittelt attackiert. Die Maschine trudelte nach unten. Erst kurz vor dem Aufprall hatte S. vom Fluglehrer abgelassen. Er hatte vermutlich nicht mit so konsequenter Gegenwehr gerechnet. Es vergingen 20 bis 30 Sekunden, in denen G. noch landen konnte. 20 bis 30 Sekunden, die für dieses Verfahren von entscheidender Bedeutung sind.

Der erste Prozess endete für S. 2014 mit neun Jahren Haft wegen versuchten Mordes. Dieses Urteil hob der Bundesgerichtshof (BGH) auf, weil das Landgericht einen eventuell „freiwilligen Rücktritt von der Tat“ nicht ausreichend geprüft habe. 2015 erkannte eine andere Strafkammer des Landgerichts auf sieben Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung. Auch dieses Urteil hob das BGH auf – mit der Begründung, es sei nicht berücksichtigt worden, dass auch „tätige Reue“ vorliegen könnte. Im nunmehr dritten Prozess wurde vom Gericht nun auch „tätige Reue“ festgestellt und S.’ Strafe auf sechseinhalb Jahre reduziert. Der Haftbefehl wurde aufrechterhalten. Es bestehe „noch immer hohe Fluchtgefahr“, sagte Richterin Barbara Sattler. S.’ Verteidiger will versuchen, eine Strafaussetzung auf Bewährung zu erreichen.