Gerichtsverfahren

Dritter Prozess für Flugschüler, der Absturz provozierte

Kleomenis S. wollte die Cessna, in der er fliegen lernte, samt Fluglehrer zum Absturz bringen. Nun wird ein milderes Urteil erwartet.

Eine Cessna im Anflug auf Strausberg (Archivbild)

Eine Cessna im Anflug auf Strausberg (Archivbild)

Foto: picture-alliance/ ZB / dpa

Kleomenis S. steht ab dem 28. Juli wegen der gleichen Tat zum dritten Mal in Frankfurt (Oder) vor Gericht. Sein Verfahren ist einmalig in der bundesdeutschen Justizgeschichte. Der Grieche, inzwischen 53 Jahre alt, attackierte am 21. Juni 2013 in einer Cessna in 1500 Meter Höhe seinen Fluglehrer und brachte die Maschine zum Absturz. Es war der Professionalität des 74 Jahre alten Piloten Winfried G. zu danken, dass es keine Toten gab.

Dem ehemaligen Offizier der DDR-Luftstreitkräfte gelang es, die sich im Sturzflug befindende Maschine 20 Meter vor dem Boden abzufangen und auf einem Feld bei Strausberg (Märkisch-Oderland) notzulanden. Sie überschlug sich zwar am Boden, aber beide Insassen konnten sie aus eigenen Kräften verlassen.

Winfried G. gab später zu Protokoll, dass ihm der Flugschüler während des Fluges unvermittelt einen Stein – er wog ein Kilogramm – drei Mal gegen den Kopf geschlagen habe. Auch habe Kleomenis S. versucht, ihm mit den Daumen die Augen einzudrücken. Als die Gegenwehr zu groß wurde, habe der Täter abgelassen. Vermutlich, weil er dachte, dass der Absturz ohnehin nicht mehr aufzuhalten sei. Offenkundig habe er sich umbringen wollen und dabei den Tod seines arglosen Fluglehrers in Kauf genommen.

Kleomenis S. blieb in beiden bisherigen Prozessen bei der Behauptung, Fluglehrer Winfried G. – seit Jahrzehnten verheiratet – habe ihn in der Cessna sexuell belästigt. Bei dem folgenden Gerangel sei die Maschine ins Trudeln gekommen und abgestürzt. Im Prozess kam aber heraus, dass sich S. kurz vor der Tat von einem Partner getrennt hatte, er ist HIV-positiv und hatte mehrere Abschiedsbriefe hinterlassen.

Bundesrichter hoben früheres Urteil auf

Der erste Prozess endete für Kleomenis S. im Jahr 2014 mit neun Jahren Haft wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit Angriff auf den Luftverkehr. Dieses Urteil war von den Bundesrichtern aufgehoben worden, weil das Landgericht eine eventuell „freiwillige Aufgabe der Tat“ nicht ausreichend geprüft hatte. 2015 erkannte eine andere Strafkammer des Landgerichts Frankfurt (Oder) auf gefährliche Körperverletzung und sieben Jahre Gefängnis.

Nun also der dritte Prozess. Der 4. Strafsenat habe kritisiert, dass strafmildernde Umstände nicht ausreichend berücksichtigt worden seien, sagte ein Sprecher des Landgerichts. Der Flugschüler habe in letzter Sekunde aufgehört, den Piloten zu attackieren. In der Konsequenz müsse das Gericht nun auch eine eventuell „tätige Reue“ prüfen. Empfehlungen des BGH werden am Landgericht fast immer übernommen – Kleomenis S.’ Strafe wird also noch ein wenig milder ausfallen.