Teltow

Weiterbau der Marina in Teltow verschlingt erneut Millionen

Trotz Kostenexplosion und Ungereimtheiten geben Stadtverordnete erneut Geld frei. Der Bürgermeister ist zunehmend unter Druck.

Der Weiterbau der Marina am Teltowkanal verschlingt weitere Millionen

Der Weiterbau der Marina am Teltowkanal verschlingt weitere Millionen

Foto: PST GmbH

Teltow.  Der Bau des umstrittenen Hafen-Projekts in Teltow (Potsdam-Mittelmark) wird trotz der gewaltigen Kostenexplosion nicht eingestellt. "Es kann weitergehen", zeigte sich Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) erleichtert. Die Stadtverordneten haben den Nachtragshaushalt nun doch genehmigt, mit 16 Ja-, elf Nein-Stimmen und einer Enthaltung.

Der Etat sieht noch einmal 4,5 Millionen Euro für den Weiterbau der Marina am Teltowkanal vor. Davon gaben die Stadtverordneten eine erste Tranche von einer Million Euro sofort frei. Der Hafen ist mit den im Haushalt veranschlagten Mitteln von bereits jetzt knapp 15 Millionen dreimal so teuer wie geplant. Teltows Bürgermeister allerdings gerät durch zunehmende Ungereimtheiten immer stärker unter Druck.

Das Pannen-Projekt, das es aufgrund der gigantischen Kostensteigerung in die RTL-Comedy-Sendung "Mario Barth deckt auf" geschafft hat, ist auch in der Bevölkerung stark umstritten. Umfragen zufolge hätten die Bürger lieber zuerst eine Schwimmhalle als eine Marina mit 20 Gast- und 19 Dauerliegeplätzen für Boote und Luxusyachten. Dass dafür nun auch noch Steuergeld von mindestens 15 Millionen Euro ausgegeben wird, stößt auf Kritik.

Unabhängiger Gutachter soll nun Projektleiter werden

Bürgermeister Thomas Schmidt sieht sich jetzt auch noch dem Vorwurf der Mauschelei ausgesetzt. Nach Informationen der Berliner Morgenpost will er dem Hauptausschuss kommende Woche vorschlagen, das Büro DAS aus Frankfurt (Oder) künftig mit der Projektsteuerung zu beauftragen. Dabei handelt es sich ausgerechnet um das Unternehmen, das im Auftrag der Stadt die jüngste Kostenanalyse erstellt hatte – und im Hafenausschuss vorgeschlagen hat, die Projektsteuerung künftig in eine Hand zu geben. Bislang sind zwei Planungsbüros zuständig: die PST GmbH und Wieferig & Suntrop.

Der Gutachter von DAS empfahl den Ausschussmitgliedern am 21. Juni eine Gesamtprojektsteuerung. "Der Ansatz ist sicherlich sinnvoll", sagt ein Stadtverordneter. "Es kann aber doch nicht sein, dass der Bürgermeister einen Gutachter beauftragt, der sich seinen eigenen Auftrag schaffen kann." Auf Anfrage der Berliner Morgenpost sagte der Stadtverordnete Andreas Wolf (Bürger für Bürger), er habe inzwischen die Kommunalaufsicht eingeschaltet. Denn in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag hatte er beantragt, dass der Name des vom Bürgermeister gewünschten Projektsteuerers genannt wird, ehe über den Haushalt abgestimmt wird. "Dies wurde mir verwehrt", beklagt er. Der Marina-Kritiker zeigt sich sicher: "Wir werden noch weitere Kostensteigerungen erleben. Bis heute fehlen uns belastbare Zahlen."

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Bürgermeister Schmidt wies den im Raum stehenden Vorwurf der Mauschelei zurück. "Wir haben gute Erfahrungen mit dem Büro im Zusammenhang mit dem Freibad Kiebitzberge in Kleinmachnow gemacht", sagte Schmidt am Freitag der Berliner Morgenpost. "Mir geht es einfach darum, dass gute Leute das Projekt begleiten." Er räumte aber ein: "Das Ganze kommt jetzt tatsächlich eigenartig rüber."

"Geld zum Fenster hinausgeworfen"

Der Stadtverordnete Eberhard Adenstedt (Bündnis 90/Grüne) verlangt ein detailliertes Gutachten zu den Altlasten und dem Finanzgebaren der Stadt. "Weil das nicht vorliegt, haben wir auch dem Weiterbau nicht zugestimmt", begründet Adenstedt seine Ablehnung in der Stadtverordnetenversammlung. "Ich rechne damit, dass die Marina nicht unter 18,7 Millionen Euro fertiggestellt werden kann." Mit dem Projekt werde in "unverantwortlicher Weise Geld zum Fenster hinausgeworfen", so der Politiker. Fünf Millionen Euro Kosten waren für ihn die Grenze.

Als der Bau der Marina beschlossen wurde, herrschte noch Hochstimmung bei den Befürwortern. "Langfristig wird sich der Hafenausbau für die Stadt absolut auszahlen", warb Bürgermeister Schmidt dafür. Die Öffnung zum Wasser hin sei auch eine Chance, der Altstadt "mehr Leben einzuhauchen". Das Potenzial des Teltowkanals solle vielmehr auch für die Schaffung eines Teltower Naherholungs- und Ausflugsziels genutzt werden.

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Die barrierefreie Marina schräg gegenüber der Altstadt mit dem Rathaus und der Kirche sollte eigentlich bis 2017 fertig sein. Neben den Liegeplätzen für die Boote ist auch ein gastronomisches Angebot geplant. Die Kosten trieben vor allem die in der Erde gefundenen Altlasten in die Höhe. Der Boden ist mit DDR-Industrieabfällen verseucht. Außerdem bereitet der mehlige Untergrund für die Bauten Probleme. Allein 800.000 Euro gab die Stadt zudem für die Umsiedlung von 19 Zauneidechsen aus. Sie wurden an den Stadtrand gebracht. SPD, FDP sowie die CDU mit einem Bündnisgrünen in ihren Reihen hatten für den Weiterbau gestimmt.

Ausstieg hätte die Stadt zwölf Millionen Euro gekostet

"Der Ausstieg hätte rund zwölf Millionen Euro gekostet", heißt es in einer Mitteilung der CDU. Denn die aufwändige Sanierung des verseuchten Bodens hätte in jedem Fall fortgesetzt werden müssen. Die Fraktion werde sich auch künftig für Kostenkontrolle und Aufarbeitung einsetzen. Es müsse von unabhängiger Stelle geprüft werden, wie es zu den Kostensteigerungen kommen konnte und welche Fehler gemacht wurden. "Es sind Verantwortlichkeiten klar zu benennen sowie die richtigen politischen, wirtschaftlichen und personellen Konsequenzen daraus zu ziehen."

Voraussetzung für die Zustimmung war für die CDU-Fraktion neben der Zusage, eine zentrale Projektsteuerung zu schaffen, auch "die Einschätzung des unabhängigen Gutachters, der auf unseren Auftrag hin nochmals die Kosten des Projekts überprüft hat". Also jenes unabhängigen Gutachters, der jetzt nach dem Wunsch des Bürgermeisters die Gesamtprojektsteuerung übernehmen soll.

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