Brandenburg

Universitäten fordern mehr Geld

Die Präsidenten der Brandenburger Universitäten fordern mehr finanzielle Unterstützung. Die Landesregierung setze noch immer nicht die richtigen Prioritäten, so die Kritik.

„Leuchttürme der Wissenschaft“ sind die Universitäten in Brandenburg – wie hier der Standort Golm an der Uni Potsdam – nach Einschätzung der Landesregierung

„Leuchttürme der Wissenschaft“ sind die Universitäten in Brandenburg – wie hier der Standort Golm an der Uni Potsdam – nach Einschätzung der Landesregierung

Foto: dpa Picture-Alliance / Soeren Stache / picture alliance / dpa

Potsdam.  Die vor 25 Jahren gegründeten Universitäten Brandenburgs haben sich nach Einschätzung der Landesregierung zu Leuchttürmen der Wissenschaft entwickelt. Ministerpräsident Dietmar Woidke und Wissenschaftsministerin Martina Münch (beide SPD) hoben am Montag den „unschätzbaren Wert für die Entwicklung des Landes“ hervor. Dennoch mussten sich beide von den Präsidenten der Universitäten bei der Jubiläumspressekonferenz sagen lassen, dass sie sich immer noch nicht genügend vom Land unterstützt fühlen.

Dabei betonte die Wissenschaftsministerin noch, dass die rot-rote Landesregierung seit 2015 für die Universitäten und Hochschulen stufenweise insgesamt 100 Millionen Euro mehr bereitstellt als bislang. Das gelte bis 2019. Oliver Günther von der Universität Potsdam kritisierte: „Die Situation hat sich damit zwar fundamental verbessert, doch das Tempo reicht nicht, um die Lücken zu schließen, die in den vergangenen Jahrzehnten geschlagen wurden.“

Der Präsident der größten brandenburgischen Universität nannte es bedenklich, dass der Anteil der Hochschulausgaben des Landes im bundesweiten Vergleich immer noch der niedrigste sei. Die politische Aufgabe und auch Herausforderung werde es, „ob die Landesregierung das bislang kleinste Stück im Kuchen vergrößern kann“.

Die Universität Potsdam bietet 70 Studiengänge an. 238 Professoren lehren dort. 24.531 Studierende sind eingeschrieben. Das ist ein leichter Rückgang im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Dabei ist das Studium beliebt: Mittlerweile streben laut Günther rund 50 Prozent eines Jahrgangs an eine Hochschule. „Ich bin 54 Jahre alt, zu meiner Zeit waren es in Westdeutschland 18 Prozent, in Ostdeutschland 13 Prozent“, sagte Günther.

Universität Potsdam will am neuen Palais modernisieren

„Trotz der nicht immer einfachen finanziellen Rahmenbedingungen wollen wir an allen drei Standorten in Potsdam zulegen“, kündigte der Präsident an. Vorgesehen sei eine Modernisierung des Campus am Neuen Palais. Westlich der Umgehungsstraße sollen die dortigen alten Verwaltungsgebäude abgerissen und ersetzt werden.

Außerdem sei geplant, den Wissenschaft- und Gründerpark in Golm auszubauen und das Hasso-Plattner-Institut (HPI) für Softwaresystemtechnik am Griebnitzsee auszuweiten. Das von Software-Milliardär Plattner über eine Stiftung privat finanzierte HPI ist ein An-Institut der Universität Potsdam, also eine rechtlich eigenständige Forschungseinrichtung, die an die Hochschule angegliedert ist. Plattner will nun die erste privat finanzierte Fakultät an einer staatlichen Hochschule schaffen – für „Digital Engineering“.

Auch der Präsident der Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, Jörg Steinbach, fand klare Worte zur Prioritätensetzung. „Mich erinnert manches hier in Brandenburg an das, was ich vor zehn Jahren in Berlin erlebt habe“, sagt er. „Da war ab und zu der Blumenkübel auf dem Kurfürstendamm wichtiger, als das Geld in die Berliner Hochschule zu geben.“ Er würde sich wünschen, dass das Land erkennt, dass „die Hochschulen nicht nur ein Kostenfaktor sind, sondern ein Nutzenfaktor.“ Die BTU Cottbus-Senftenberg ist vor drei Jahren aus der heftig umstrittenen Fusion der Universität Cottbus und der Fachhochschule hervorgegangen. 208 Professoren unterrichten rund 8200 Studierende. Mehr als 70 Bachelor- und Masterstudiengänge werden momentan angeboten.

Als Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz warnte Steinbach auch vor dem absehbaren Wegfall des Hochschulpakts des Bundes und der Länder. Der Betrag für die Universitäten und Fachhochschulen ist an die Zahl der Studierenden gekoppelt. Im berlinfernen Cottbus und Frankfurt/Oder wird aufgrund der demografischen Entwicklung befürchtet, dass diese weiter zurückgehen.

Alexander Wöll, der Präsident der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, warnte: „Wir müssen drastisch sparen, wenn die Mittel wegfallen.“ Die Viadrina mit derzeit 69 Professoren ist die einzige Stiftungs- universität des Landes und gilt als Deutschlands einzige Hochschule mit Brückenfunktion zwischen Ost und West. Die rund 6500 Studierenden kommen aus 96 Ländern.

Das Bildungsministerium sieht Brandenburg inzwischen finanziell jedoch gut aufgestellt. „Wir sind bei der Finanzausstattung der Hochschulen nicht mehr das Schlusslicht, sondern liegen im Mittelfeld“, sagte Bildungsministerin Martina Münch jüngst im Morgenpost-Interview. Das gilt trotz der zusätzlichen 100 Millionen Euro, aber nur, wenn in den anderen Ländern die Ausgaben für die Medizinausbildung herausgerechnet werden. Denn Brandenburg ist bundesweit das einzige Flächenland, das kein kostenintensives, staatliches Medizinstudium anbietet.