Kunst für Neugierige

Brandenburger Künstler öffnen ihre Ateliers für Besucher

Am Wochenende geben 750 Brandenburger Maler, Keramiker, Bildhauer, Fotografen und Schmiede Einblicke in ihre Arbeit.

Marlis Konrad malt gern riesengroße Blüten. Ihr gefällt dabei die erotische Ausstrahlung. Außerdem restauriert sie in ihrem Atelier in Falkenrehde alte Möbel

Marlis Konrad malt gern riesengroße Blüten. Ihr gefällt dabei die erotische Ausstrahlung. Außerdem restauriert sie in ihrem Atelier in Falkenrehde alte Möbel

Foto: Katrin Starke

Der erste Taschengott, den Anette Hollmann fertigte, war noch aus Holz. Den hat sie ihrem Sohn als Talisman mitgegeben, als der zu einer zweimonatigen Reise auf einem Pferd durch die Mongolei aufbrach. Heute sind die Figürchen – Lilith, die Hüterin des Roten Mondes, oder Lilly, die Göttin der Fruchtbarkeit, – aus gebranntem Ton. Und von der 58-Jährigen kunstvoll mit feinem Pinsel mit Majolika-Farben bemalt.

In Anette Hollmanns Atelier in Paretz im Landkreis Havelland ist es mittlerweile eng geworden. Nicht nur die Götter des Olymps drängen sich in den Regalen. Die gelernte Goldschmiedin hat auch die „himmlischen Geister und Helfer der Region“ wiederauferstehen lassen. „Paretzer Idole“ nennt sie die kleinen Gottheiten.

Die gebürtige Stuttgarterin, die sich vor einigen Jahren auch zur Heilpraktikerin ausbilden ließ, ist davon überzeugt, dass jede ihrer nur wenige Zentimeter großen Kultfiguren einen Heilauftrag hat, ein Glaube, den sie an den „Tagen des offenen Ateliers“ am ­7. und 8. Mai 2016 auch Besuchern nahebringen will.

2015 kamen 26.000 Besucher in die offenen Ateliers

Seit 18 Jahren laden Maler, Keramiker und Bildhauer, Fotografen und Schmiede in ganz Brandenburg an zwei Tagen in ihre Werkstätten ein. In den 14 brandenburgischen Landkreisen sowie in Potsdam und Cottbus lassen sich diesmal mehr als 750 Kreative in 550 Ateliers über die Schulter schauen. „Gut 26.000 Neugierige nahmen im vorigen Jahr das Angebot wahr“, sagt Brigitte Faber-Schmidt. Für die Geschäftsführerin der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte, die das „Kulturland Brandenburg“ vermarktet, ein großer Erfolg.

Die Landkreise und Städte stemmen die Ateliertage aus eigener Kraft und mithilfe von Spenden einiger Unterstützer. Das Budget, das Brigitte Faber-Schmidt mit rund 25.000 Euro beziffert, reiche gerade mal für die Erstellung und den Druck der umfangreichen, für die Besucher kostenlosen Broschüre, die neben den Adressen der Ateliers auch auf Veranstaltungen im gesamten Jahr hinweist.

Aktion gutes Aushängeschild für die Region

„Für den professionellen Vertrieb reicht das Geld leider nicht“, bedauert die Kulturland-Chefin. Umso mehr freut sie sich darüber, dass „viele der Künstler selbst mit anpacken, um die Organisation der landesweiten Veranstaltung zu garantieren“. Auch die Stadt- und Kreisverwaltungen würden sich um das Gelingen des Wochenendes sehr bemühen.

Zum Beispiel im Havelland: „120 Künstler präsentieren sich diesmal allein bei uns“, hebt Andreas Ernst, Leiter des Kulturdezernats beim Landkreis, hervor, „die Aktion ist ein gutes Aushängeschild für die Region.“

Nahezu 5000 Besucher seien im vorigen Jahr während der Ateliertage ins Havelland gekommen. „Trotz der Widrigkeiten“, sagt er mit Blick auf die nicht optimale Erreichbarkeit. Die öffentliche Anbindung funktioniere nur in den Regionen nahe Berlin „dort, wo sich auch die Zahl der Ateliers verdichtet“. Im Westhavelland sehe es anders aus. Ein Problem, mit dem auch andere Landkreise zu kämpfen hätten.

Shuttle-Service und Radtouren in entlegenere Regionen

Die Macher der Ateliertage kooperieren bereits mit der Deutschen Bahn, die bei DB Regio Ateliertouren aufgelegt hat. Zudem setze man auf die geführten Radtouren von Atelier zu Atelier, ergänzt Brigitte Faber-Schmidt. Im Westhavelland richtet der Landkreis erstmals einen Bus-Shuttleservice ein.

Das sei eine gute Sache, sagt Marlis Konrad. Die Architektin und Ingenieurin, die erst seit zwei Jahren als freiberufliche Malerin und Grafikerin arbeitet, will mit bunten Blütenbildern Gäste in ihr offenes Atelier in den Ketziner Ortsteil Falkenrehde locken. Aktuell fasziniert sie das Malen von Makroblüten, also von stark vergrößerten Blumen. Es sei ihr ein „lustvolles Bedürfnis, den Pflanzen auf malerische Weise ihr Geheimnis zu entlocken“, sagt sie und schwärmt von der „Erotik der Strukturen“.

Auch in Potsdam haben Ateliers geöffnet

Um ausbleibende Gäste macht sich Annette Wienen (47) keine Gedanken. Die Paretzer Keramikkünstlerin kann auf ihre Stammkundschaft bauen. Die Bilder ihrer Künstlerfreundin Anja Mattenklott, die sie zu den Ateliertagen in ihrem Verkaufsshop ausstellt, böten sicher einen zusätzlichen Anreiz, bei ihr vorbeizuschauen. Außerdem sei ihre Werkstatt gut zu erreichen. Das Schloss Paretz in direkter Nachbarschaft sei vielen ein Begriff und diene den Berlinern, die bei den offenen Ateliers das Gros der Besucher ausmachten, als Orientierungshilfe. Wienens Tipp: ein Ausflug zu ihrem Atelier per Fahrrad von Potsdam aus.

Die Landeshauptstadt selbst kann am 7. und 8. Mai allerdings auch jede Menge offene Ateliers aufbieten: Gleich 130 Künstler gewähren an 38 Orten einen Einblick in ihr Schaffen. Ganztätig sind zudem Kunstaktionen in der Stadt geplant. Beispielsweise die von Lars Kaiser: Unter dem Motto „Kunstsänfte“ bietet er Gästen an, auf Händen getragen zu werden.

Weitere Informationen gibt es unter: www.kulturland-brandenburg.de