Sanssouci

Hereinspaziert! Marmorsaal im Neuen Palais wieder geöffnet

Fußboden umfangreich saniert: Ab Mittwoch ist der zentrale und riesige Festsaal im einstigen Gästeschloss des Preußenkönigs zugänglich.

Wieder geöffnet: der Marmorsaal im Neuen Palais, den der Architekt Carl von Gontard für Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786) gestaltete

Wieder geöffnet: der Marmorsaal im Neuen Palais, den der Architekt Carl von Gontard für Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786) gestaltete

Foto: Bernd Settnik / dpa

Die Einsturzgefahr ist gebannt – hereinspaziert! Am Mittwoch öffnet die Stiftung Preußische Schlösser und Garten Berlin Brandenburg (SPSG) im Neuen Palais von Sanssouci wieder die Türen zum Marmorsaal. Mit dem Abschluss der Restaurierung des Marmorbodens des 600 Quadratmeter großen und überaus prächtigen Saales in der obersten Etage des von Preußenkönig Friedrich II erbauten Neuen Palais sind die Sanierungsarbeiten nach zweieinhalb Jahren jetzt beendet. Damit ist vom 13. April an auch der zweite der beiden zentralen Festsäle des Hauses wieder in den Besucherrundgang durch das Gästeschloss Friedrichs des Großen (1712-1786) integriert und für die Potsdamer und ihre Gäste wieder sicher zugänglich – zumindest bis zu einer Absperrung, zu der die Besucher zum Schutz des edlen und gerade frisch sanierten Bodens über eine Spezialkonstruktion aus Plexiglas auf einem Stahlgerüst gelangen. Der Grottensaal im Untergeschoss, dessen Sanierung ebenfalls 2013 begann, konnte bereits im Juli 2015 wiedereröffnet werden.

Wie der Generaldirektor der Stiftung am Montag der Berliner Morgenpost sagte, „war die größte Herausforderung, den Boden zu reparieren“. Denn, so Hartmut Dorgerloh, das Gesamtgewicht des Saals mit seinem kunstvoll gestalteten Marmorboden auf einer Holzbalkenkonstruktion mit Sandstein betrage bis zu 90 Tonnen. Durch falsche Konstruktion und die Verwendung zu nasser Holzbalken drohte der schwere Saal auf den darunterliegenden Grottensaal zu stürzen, weshalb er bereits nach Entdeckung der Schäden im Jahr 2008 gesperrt und dann später saniert wurde.

„Wir haben unter anderem Fugen und Risse geschlossen, Stellen an denen Mamorstein fehlte mit authentischem Material wie im Original wieder ergänzt oder auch alte, aber nicht fachgerechte ausgeführte Reparaturen ausgebessert“, erläuterte Restaurator Lutz Schummel, der die Arbeiten für die Stiftung leitete. Besonders aufwändig sei die Sanierung der Holzkonstruktion gewesen. So musste man beispielsweise zum Austausch fauler Holzenden den etwa ein Meter hohen grünen Serpentinitsockel von der Wand abnehmen und das Mauerwerk an der Stelle abtragen, um überhaupt an dieser Stelle in den Boden zu gelangen.

Gesamtkosten für die Sanierung betragen 4,9 Millionen Euro

Die Gesamtkosten für die Sanierung von Grotten- und Marmorsaal sowie die dazwischen liegende Holzbalkendecke belaufen sich auf 4,9 Millionen Euro.

Neben dem mit farbigen Blumen, Blättern und anderen Ornamenten äußerst dekorativ gestalteten Mamorboden, den acht Kronleuchtern und vier großformatigen Wandgemälden wird der Saal unter anderem auch durch das 240 Quadratmeter große Deckengemälde geprägt. Dieses in güldenen Stuck gefasste Kunstwerk, das die Götter im Olymp zeige, wertet Dorgerloh als das große Statement des Preußenkönigs. „Seht her, ich bin der große Player und wenn dort oben Zeus mit den Göttern tafelt, gehöre ich auch dazu“, sagte SPSG-Direktor Hartmut Dorgerloh.

Möglich geworden sind die umfassenden Instandsetzungsarbeiten im Marmor- und im Grottensaal durch das sogenannte Sonderinvestitionsprogramm (SIP 1) für die preußischen Schlösser und Gärten, das die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie die Länder Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) und Berlin (Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten) für die Jahre 2008 bis 2017 zur Rettung bedeutender Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft aufgelegt haben.

„Wir haben mit dieser Sanierung des Mamorsaals aufs Beste bewiesen, dass es auch anders als beim Großflughafen BER geht und durchaus möglich ist, bei einem gemeinsamen Projekt der Länder Berlin und Brandenburg mit dem Bund im Zeit- und Kostenrahmen zu bleiben“, sagte Tim Renner. Berlins Kulturstaatssekretär betonte gegenüber der Berliner Morgenpost, dass er jetzt hoffe, dass damit auch das geplante zweite Sonderinvestitionsprogramm für die SPSG mit 400 Millionen Euro von den Ländern und vom Bund für die nächsten 15 Jahre gesichert werde.

Laut Hartmut Dorgerloh hat der Bund seinen Anteil von 200 Millionen Euro schon zugesichert, die Länder verhandeln derzeit noch.