Umfrage

Nachtleben unbefriedigend

Bürgerumfrage: Die Lebensqualität in Potsdam wird gut bewertet. Verkehr und Mieten aber halten die Bewohner für problematisch

Die vielen Grünflächen in Potsdam – hier die Orangerie im Schlosspark Sanssocui –  tragen zur Lebensqualität bei

Die vielen Grünflächen in Potsdam – hier die Orangerie im Schlosspark Sanssocui – tragen zur Lebensqualität bei

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Potsdam.  Die Potsdamer leben zunehmend gern in ihrer Stadt. In den meisten Ortsteilen hat sich die Zufriedenheit verbessert. Dies ist das Ergebnis der dritten Bürgerumfrage, die Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) am Montag vorstellte. „Knapp 90 Prozent schätzen die Lebensqualität in Potsdam als sehr gut oder gut ein“, sagte Jakobs. „12,1 Prozent bewerten sie als befriedend, nur von jedem Hundertsten wird sie als schlecht oder sehr schlecht beurteilt.“ Am zufriedensten sind die Bewohner von Nord-Babelsberg/Klein Glienicke. Die noble Berliner Vorstadt rutschte im Lebensqualitätsranking vom ersten Platz im Vorjahr auf den zweiten Platz. Es folgen die Innenstadt und die Brandenburger Vorstadt sowie Nauener Vorstadt/Jägervorstadt. Am wenigsten zufrieden sind die Bewohner der Plattenbaugebiete Schlaatz und Drewitz, wobei sich in Drewitz die Einschätzung verbessert hat. Die Babelsberger und die Bewohner der Brandenburger Vorstadt identifizieren sich am meisten mit ihrem Stadtteil.

Die vielen Grünflächen werden geschätzt

Die Potsdamer schätzen vor allem die vielen Grün- und Erholungsflächen in der Stadt der Schlösser und Gärten. Danach folgen das gastronomische Angebot und der Einzelhandel sowie das Dienstleistungsangebot. Relativ schlecht bewertet werden das Potsdamer Nachtleben und die Schwimmbäder. „Beim Nachtleben kann ich keine Besserung versprechen“, sagte der Oberbürgermeister, „da ist die Konkurrenz in Berlin zu stark. Das neue Sport- und Freizeitbad am Brauhausberg aber entsteht derzeit.“ 40,6 Prozent nennen den Verkehr als größtes Problem. An zweiter Stelle folgt das Wohnen mit 18,9 Prozent, wobei die Unzufriedenheit in diesem Bereich steigt. Zu hohe Mietkosten und ein zu geringes Wohnangebot werden dabei zuerst genannt. Wie die Umfrage ergab, werden 31 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens für die Miete verwendet. Für die Kaltmiete zahlen die Potsdamer im Schnitt 542 Euro. Dafür sind rein statistisch 2,9 Zimmer auf 74,4 Quadratmeter zu bekommen. 57,6 Prozent der Befragten geben an, dass sich die Kaltmiete in den vergangenen vier Jahren erhöht hat. „Dennoch bewerten sie das Preis/Leistungsverhältnis in Bezug auf die eigene Wohnung noch positiv“, sagte Jakobs. Der durchschnittliche Kaltmietpreis pro Quadratmiete liegt laut Auskunft der befragten Potsdamer Mieter bei 7,18 Euro. 2014 waren es 6,99 Euro.

Die höchsten Kaltmieten pro Quadratmeter werden demnach in der Nauener/Jägervorstadt mit 8,32 Euro bezahlt, danach in Bornstedt mit 8,20 Euro und in Bornim/Nedlitz und Grube mit 7,89 Euro. Im Plattenbaugebiet Schlaatz hingegen ist die Kaltmiete mit 5,12 Euro pro Quadratmeter am niedrigsten. Das Baujahr der Häuser beeinflusst deren Höhe stark.

Fehlende Sauberkeit ist ein Kritikpunkt

„84 Prozent der Teilnehmer haben Angaben zu ihrem Haushalts-Netto-Einkommen gemacht“, sagte der Oberbürgermeister. „Demnach stehen je Haushalt durchschnittlich 2500 Euro im Monat zur Verfügung. Knapp 56 Prozent schätzen ihre persönliche Situation als sehr gut oder gut ein.“ 12,8 Prozent gelten als armutsgefährdet.

Am meisten nervt die Potsdamer nach wie vor der Autoverkehr. Staus, Ampelschaltung und Verkehrsführungen. Auch das geringe Parkplatzangebot wird kritisiert und die hohen Parkgebühren. Mehr als 60 Prozent bemängeln diese Punkte. „Wir werden keine autofreundliche Stadt werden“, sagte Oberbürgermeister Jakobs dazu.

Auf den dritten Platz der Probleme kommt die fehlende Sauberkeit, knapp 45 Prozent klagen darüber. Zufrieden sind die Potsdamer mit dem öffentlichen Nahverkehr. 57 Prozent sind sehr zufrieden mit dem Liniennetz, mit den Taktzeiten immerhin etwa die Hälfte. In den nördlichen Ortsteilen wünscht man sich eine bessere Anbindung.

Für die Umfrage waren rund 5200 Potsdamer zufällig ausgewählt worden. Sie schickten im Herbst 2015 dann 1900 Fragebögen zurück. Um ein möglichst repräsentatives Ergebnis zu erhalten, wurden die Befragten nach Merkmalen wie Alter oder Geschlecht ausgewählt.

Weitere Infos auf https://www.potsdam.de/content/buergerumfragen