Dreieck Potsdam

Berliner Ring wird vier Jahre lang saniert

Am Dienstag beginnen die Arbeiten zwischen dem Dreieck Potsdam und Nuthetal. Auf neun Kilometern entstehen acht Fahrspuren.

Straßenverkehr auf dem Autobahndreieck Nuthetal am südlichen Berliner Ring

Straßenverkehr auf dem Autobahndreieck Nuthetal am südlichen Berliner Ring

Foto: dpa Picture-Alliance / euroluftbild.de/Robert Grahn / picture alliance / ZB/euroluftbi

Potsdam.  Autofahrer müssen sich die nächsten vier Jahre auf Bauarbeiten auf der A 10 zwischen dem Dreieck Potsdam und Nuthetal einstellen: Der südliche Berliner Ring wird dort auf je vier Fahrbahnen ausgebaut. Am kommenden Dienstag sollen die Arbeiten auf einem Streckenabschnitt von neun Kilometern beginnen. Zum Auftakt des 150-Millionen-Euro-Projekts des Bundes treffen sich Bundesverkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (CDU), Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) und Vertreter der bauausführenden Deges GmbH am Vormittag an der künftigen Baustelle.

Der betroffene Autobahnabschnitt ist der meistbefahrene im Land Brandenburg. „Die Erweiterung von sechs auf acht Fahrstreifen in beide Richtungen ist notwendig vor dem Hintergrund des Anstiegs der Verkehrsbelastung“, sagte Michael Brentrup, Büroleiter der Brandenburger Infrastrukturministerin, am Freitag auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Der Ausbau gehöre zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 11, das auch den Ausbau der A 2 zwischen Hannover und Berlin beinhaltet. Die Kosten trägt allein der Bund.

90.000 Fahrzeuge täglich auf dem Streckenabschnitt gezählt

Zur Zeit werden zwischen den beiden Autobahndreiecken Potsdam und Nuthe­tal laut Brentrup 90.000 Fahrzeuge in 24 Stunden gezählt, Prognosen zufolge steigt die Zahl auf 120.000 im Jahr 2025. Vor allem Lkw sind auf dieser Strecke unterwegs. Geschaffen werden nicht nur zusätzliche Fahrbahnen. Es wird ein sogenannter Flüsterasphalt aufgetragen. Außerdem soll eine acht Meter hohe Lärmschutzwand entstehen.

Die Bürgerinitiative „Lärmschutz Jetzt“ hatte sich für eine höhere Lärmschutzwand eingesetzt. Finanziert werden sollte sie durch eine Solaranlage, die gleichzeitig dort errichtet werden sollte. Das Brandenburger Infrastrukturministerium und der Landtag hatten das Modellprojekt befürwortet. „Leider fand sich aber kein Investor“, bedauert Brentrup. In den 150 Millionen Euro, die der Bund verbauen will, ist auch der Neubau und die damit verbundene Erweiterung der stark frequentierten Rastanlage Michendorf Süd enthalten. Dort sollen weitere Lkw- und Pkw-Stellplätze entstehen.

Wie stark die umfangreichen Bauarbeiten bis 2020 den Verkehr behindern, ist noch nicht absehbar. „Die Fahrt wird in beide Richtungen weiterhin dreispurig möglich sein“, kündigt der Ministeriumsvertreter an. Außerdem seien Nothaltebuchten vorgesehen. Die Anschlussstelle Michendorf und die Tank- und Rastanlage sollen während der Bauarbeiten weiterhin in Betrieb sein. Elektronisch gesteuerte Stauwarnanlagen würden auf die jeweilige Verkehrssituation verweisen.

Zu den größeren Vorhaben auf den Autobahnen gehört in diesem Jahr auch der sechsstreifige Ausbau auf der A 10 Nördlicher Berliner Ring zwischen dem Dreieck Barnim und der Anschlussstelle Weißensee. Der Baustart ist allerdings noch nicht bekannt gegeben worden.

Wie Infrastrukturministerin Kathrin Schneider bereits mitteilte, werde der Landesbetrieb Straßenwesen allein in diesem Jahr mehr als 400 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel verbauen lassen. Geplant seien 196 Straßenbauvorhaben in allen Teilen des Landes.

Auch in den nächsten Jahren ist mit Bauarbeiten und Einschränkungen zu rechnen: Der Bund will in den Aus- und Neubau von Autobahnen und Bundesstraßen in Brandenburg in den kommenden Jahren 3,6 Milliarden Euro investieren. Wie aus dem Bundesverkehrswegeplan bis 2030 hervorgeht, entfallen knapp eine Milliarde Euro auf neue Vorhaben von „vordringlichem Bedarf“.

Angemeldete Straßenbauprojekte weitgehend aufgenommen

Im jüngst vorgestellten Entwurf für den neuen Bundesverkehrswegeplan wurden die vom Land Brandenburg angemeldeten Straßenbauprojekte vorwiegend aufgenommen, wie das Infrastrukturministerium in einer ersten Durchsicht feststellte. Darunter sind der weitere Ausbau der A 14 bei Karstädt (Prignitz) sowie der Bau von mehreren Ortsumgehungen.

Die Havelspange – eine Brücke über den Templiner See zur Entlastung des Potsdamer Stadtverkehrs – hingegen steht nicht mehr im Bundesverkehrswegeplan. Bei den Wasserwegen wurde die Oder-Havel-Wasserstraße als vordringlich eingestuft.

Angemeldet hatte das Land Brandenburg 92 Projekte, die meisten im Bereich der Straßen, zehn entfallen auf die Schiene und sechs Vorhaben betreffen die Wasserwege. „Wir freuen uns, dass Projekte im Straßenbau wie die A 14 die Verbindung B 101/169 (LeiLa-Süd), der Ausbau der B 96 oder die Ortsumfahrungen entlang der B 167 im Bundesverkehrswegeplan als vordringlich eingestuft worden sind“, sagte die Infrastrukturministerin. „Auch beim Ausbau der Wasserwege kommen wir voran, beispielsweise ist der Ausbau der Oder-Havel Wasserstraße aufgenommen worden.“

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler hingegen kritisierte, dass der Ausbau der Elbe-Wasserstraße keinen Eingang in den Bundesverkehrswegeplan gefunden habe. „Wichtige Projekte wie die Ortsumgehung Lübben, die Erweiterung der A 10 zwischen Werder und Havelland oder die Bahnverbindung Berlin–Stettin haben es zunächst nicht in die Priorisierungsstrategie des Bundes geschafft“, heißt es in einer Mitteilung von Brandenburgs Landesgruppe der SPD-Bundestagsfraktion. Auch Brandenburgs Infrastrukturministerin sieht vor allem Klärungsbedarf bei den Bahnstrecken.

Für die Grünen-Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock sind die Grundlagen der Planung „völlig unzureichend“. Sie vermisst die in Paris vereinbarten Klimaziele. Als Beispiel nannte Baerbock den Bau der A 14: „Für ein sehr teures Prestigeprojekt wird einmalige Landschaft mit wertvoller Natur geopfert.“ In Brandenburg gibt es laut Infrastrukturministerin 800 Kilometer Bundesautobahnen, 2850 Kilometer Bundesstraßen. 5800 Kilometer Landesstraßen und 2970 Kilometer Kreisstraßen. Von den insgesamt mehr als 12.000 Kilometern des Straßennetzes sind knapp 40 Prozent sanierungsbedürftig.

Weitere Infos im aktuellen Entwurf des Bundesverkehrswegeplans gibt es unter: www.bmvi.de