„Sukhavati“-Projekt

Warum Bad Saarow bald für Buddhisten interessant wird

Noch wird gebaut und gebaggert. Am 4. Mai soll in Bad Saarow das buddhistische „Sukhavati“-Zentrum eröffnen und den Kurort bereichern.

Tibetische Gebetsfahnen wehen vom Dach des Neubaus des Sukhavati Spiritual Care Centers in Bad Saarow

Tibetische Gebetsfahnen wehen vom Dach des Neubaus des Sukhavati Spiritual Care Centers in Bad Saarow

Foto: Patrick Pleul / dpa

Physiotherapeutin Gabi Schüler strahlt über das ganze Gesicht. „Ich möchte in Gemeinschaft leben und auf seelsorgerischer Ebene etwas für andere tun“, berichtete die 57-Jährige. Vor Jahren hatte sie in Irland ein auf dem Buddhismus fußendes Zentrum für spirituelle Begleitung kennen gelernt.

Das Konzept begeisterte die gebürtige Berlinerin sofort. Als sie davon hörte, dass in Bad Saarow (Oder-Spree) eine vergleichbare Einrichtung entsteht, sah sie das als ihre Chance und bewarb sich als Pflegerin. Am 4. Mai soll das buddhistische Zentrum am Scharmützelsee rund 70 Kilometer von Berlin nun offiziell eröffnet werden.

Schüler gehört zu den ersten Mitarbeitern des Wohn- und Pflegeprojekts mit dem Namen „Sukhavati“ – indisch für einen Ort des Wohlbefindens, der Zufriedenheit und des Glücks. Auf dem 8000 Quadratmeter großen Grundstück in dem Kurort stand zu DDR-Zeiten der Club der NVA-Angehörigen, die im benachbarten Militärlazarett arbeiteten.

„Wer sich bei uns bewarb, hat einen spürbaren Elan, so etwas wie Pioniergeist, etwas Sinnvolles zu tun“, erklärte Ärztin Almut Göppert, Projektleiterin der weltweit agierenden Tertön Sogyal Stiftung, die das Zentrum betreibt. Das Interesse und die Neugier der Bad Saarower sei groß, so Göppert. „Mit diesem neuen Aushängeschild können wir der Welt zeigen, wie weltoffen wir sind. Es wird unseren Kurort bereichern“, sagte Bürgermeisterin Anke Hirschmann (parteilos).

Aus Spenden finanziert

Der Geschäftsführer der städtischen Kur GmbH, Axel Walter, sieht in der Einrichtung eine Ergänzung zum Hauptwirtschaftszweig Bad Saarows: Mehr als 2000 Menschen sind in der Gesundheitswirtschaft am Scharmützelsee beschäftigt. „Das fängt bei der SaarowTherme an, führt über das Helios Klinikum, niedergelassene Ärzte, Physio- und Ergotherapeuten bis hin zu den Wellness-Angeboten in sechs Hotels“, sagte Walter.

Rund neun Millionen Euro flossen in das „Sukhavati“-Zentrum mit 3500 Quadratmetern Nutzfläche. Das Konzept besteht aus drei Säulen: der Betreuung und Pflege schwerkranker Menschen bis zum Tod, die zeitweilige Aufnahme von Menschen in Lebenskrisen sowie die Fortbildung für medizinisches Personal.

Das aus Spenden finanzierte Modellprojekt will laut Leiterin Göppert nicht belehren oder bekehren, sondern lediglich Unterstützung anbieten. Kostenlos sei die Hilfe nicht, die Finanzierung soll jedoch vom Solidargedanken getragen sein: „Wir wollen jedem, unabhängig von seinem Geldbeutel, ermöglichen zu uns zu kommen“, betonte die Ärztin, ohne konkrete Summen zu nennen. Wer mehr besitze, zahle auch mehr Miete – der Pflegedienst werde ambulant abgerechnet.