Brandenburg

Freiwillige Feuerwehr Ludwigsfelde hat erste Hundestaffel

In Ludwigsfelde hat die freiwillige Feuerwehr eine eigene Hundestaffel. Noch läuft die Ausbildung.

Denise Klabunde (vorne links) und Kollegen mit der Hundestaffel

Denise Klabunde (vorne links) und Kollegen mit der Hundestaffel

Foto: Katrin Starke

Lennox ist der Größte. Nicht nur in den Augen seiner Halterin Denise Klabunde. Der Riesenschnauzer überragt seine tierischen Kameraden um Kopfesgröße. Seine Maße haben daher auch die Höhe des Anhängers mit sechs Boxen bestimmt, den die Gemeinde Ludwigsfelde ihren Floriansjüngern kürzlich spendiert hat. Die rücken seit gut vier Monaten mit eigener Hundestaffel aus – der ersten bei einer freiwilligen Feuerwehr in Brandenburg.

17 Mitglieder mit 20 Hunden umfasst der Zug derzeit. Noch ist die Mehrzahl in der Ausbildung. Menschen wie Hunde. Während Zugführer Andreas Looff mit den Haltern Grundkenntnisse des Funkens, das Hantieren mit Kompass und Karte oder Erste Hilfe lernt, kommt es bei den Hunden vor allem auf die richtige Nase an. Denn die ist gefordert, wenn Menschen vermisst oder verschüttet sind. „In unserer Region gibt es viele Seniorenheime, in denen Demenzkranke leben. Die verirren sich leider immer mal wieder und finden allein nicht mehr nach Hause“, erzählt der 44-Jährige. Was bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schnell lebensbedrohlich werden könnte. Dann sind Lennox und Co. gefragt. Zumindest die vier, die ihre Prüfung als Flächensuchhund bereits erfolgreich bestanden haben. „Erst, wer seinen Abschluss gemacht hat, darf eingesetzt werden“, sagt Looff. Rund zwei Jahre dauert die von der Feuerwehr finanzierte Ausbildung. Alle anderthalb Jahre werden die Tiere „nachgeprüft“.

Das Training findet bei jedem Wetter statt

Die Vierbeiner auf dem geforderten Niveau zu halten, koste Kraft und Zeit, weiß Denise Klabunde aus Erfahrung. Die Sachbearbeiterin aus Ludwigsfelde bildet die Tiere in der Hundestaffel aus. Zuvor hat sich die 43-Jährige lange um die vierbeinigen Retter des Deutschen Roten Kreuzes gekümmert. Nun schlüpft sie immer mittwochs und sonnabends in die blaue Feuerwehruniform. Zweimal in der Woche ist Training für Halter und Hund. Dann geht es für mehrere Stunden in den Wald – bei Wind und Wetter ebenso wie bei Dunkelheit. Während die Zweibeiner sich hinter Busch und Baum verstecken, werden die Tiere auf die Suche geschickt.

„Wir setzen auf deren Spieltrieb“, erklärt Klabunde. Neugier müsse das Tier mitbringen, „keine Chance für Couchpotatoes“. Und natürlich locke auch die Belohnung, wenn die Aufgabe erfüllt ist. Für Lennox und Alina ist das die eine oder andere geräucherte Sprotte. „Andere freuen sich mehr über Spielzeug“, sagt Klabunde. „Entscheidend beim Rettungseinsatz ist die enge Bindung zum Halter“, hebt sie hervor. Wenn die Brandenburgerin ihren sechsjährigen Rüden und ihre Mittelschnauzerhündin von der Leine lässt, sieht sie Sekunden später keinen der beiden mehr: Die Hunde suchen in Kreisbahnen oder im Zickzackkurs das Areal ab. Laut Prüfungsordnung muss das Tier 30.000 Quadratmeter innerhalb von 20 Minuten durchsucht haben. „Ich muss mich dabei auf meine Tiere verlassen können.“ Disziplin und konsequentes Handeln seien ein Muss für eine funktionierende Beziehung zwischen Halter und Hund.

Das musste auch Melanie Sonne­mann erst lernen. Seit Herbst gehören die Grundschullehrerin aus Blankenfelde und ihre Rhodesian-Ridgeback-Hündin Paula der Ludwigsfelder Hundestaffel an. „Der Hund wollte gefordert werden“, sagt sie. „Nur ein bisschen auf der Wiese herumtoben war zu wenig für Paula.“ Noch dürfen Hund und Frauchen im Ernstfall nicht heran. Beide büffeln für den Eignungstest. Der hat das Verhältnis von Melanie Sonne­mann zu ihrer zweijährigen Hündin verändert. „Früher hätte ich dem Hund mehr durchgehen lassen.“ Jetzt setzt die 33-Jährige klare Grenzen. „Mein Mann muss mit Paula jetzt bellen üben“, erzählt sie. Etwas, das das Paar dem Hund eigentlich abgewöhnen wollte. Aber genau das ist beim Einsatz gefordert. „Die Hunde müssen sofort anschlagen, wenn sie auf eine verletzte oder hilflose Person stoßen.“ Dieses Opferschema zu erkennen, ist ebenso Teil der Ausbildung.

Die fällt bei Sherlock ein wenig anders und länger aus. Der Black and Tan Coonhound ist der heimliche Star der Truppe. Nicht wegen seines glänzenden, schwarzen Fells und der Schlappohren. Der zweijährige Sherlock soll sich künftig als „Mantrailer“ bei der Personensuche bewähren. Anders als normale Suchhunde können sie menschliche Gerüche voneinander unterscheiden und lassen sich auch von anderen Düften nicht ablenken, außerdem können sie Fährten in Gebäuden und auf bebauten Flächen verfolgen.

Vor allem Frauen sind auf den Übungsplätzen aktiv

Steffen Hinze, Angestellter beim Brandenburger Landwirtschaftsministerium, hat sich vor einigen Jahren in die Hunderasse aus den Vereinigten Staaten verguckt, die in den USA vor allem bei der Jagd auf Waschbären eingesetzt wird. Vor zwei Jahren holte sich der 42-Jährige einen Welpen in seinen Dahlewitzer Haushalt. Soziales Engagement sei ihm wichtig, begründet er, warum er sich der Hundestaffel angeschlossen hat. In der aktuell überwiegend Frauen aktiv sind. „Das ist typisch“, sagt Denise Klabunde. „Auf den privaten Hundeübungsplätzen sieht man auch fast nur Frauen. Die stemmen einfach mehr“, witzelt sie.

In Ludwigsfelde ist man auf die neuen Helfer gut zu sprechen. „Wegen des demografischen Wandels nehmen Einsätze wie die Suche nach Senioren zu“, sagt Looff. „Unsere Arbeit wird geschätzt.“