Wohnungsbau

Potsdam baut 2000 neue Wohnungen

Potsdam will 2000 Wohnungen selbst bauen - deutlich mehr als zuletzt angekündigt. Die Hälfte davon soll sozial gefördert werden.

Potsdams Bevölkerung wächst schneller als erwartet. Wohnungen sind knapp und teuer. Jedes Jahr werden 1000 neue benötigt

Potsdams Bevölkerung wächst schneller als erwartet. Wohnungen sind knapp und teuer. Jedes Jahr werden 1000 neue benötigt

Foto: dpa Picture-Alliance / euroluftbild.de/Bernd Clemens / picture alliance / ZB/euroluftbi

Potsdam.  Die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam will 2000 Wohnungen bauen – und damit ein Viertel mehr als noch vor einigen Monaten angekündigt. Entstehen sollen sie bis spätestens 2027. Dies kündigte Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) am Montag zusammen mit dem Geschäftsführer des kommunalen Unternehmensverbundes ProPotsdam, Jörn-Michael Westphal, an. Damit reagiert die Stadt auf den unerwartet schnell wachsenden Bedarf.

„Mindestens 1000 davon sollen als öffentlich geförderte Wohnungen errichtet werden“, sagte Oberbürgermeister Jakobs. Möglich werde dies durch die verstärkte Förderung des Landes und des Bundes.

Innerhalb von zehn Jahren werden 600 Millionen Euro bereitgestellt

Anders als Städte wie Dresden oder Leipzig hat Potsdam seine eigenen Wohnungen nach dem Fall der Mauer nicht im großen Stil verkauft. „Es war en vogue, die Wohnungen in kommunalem Eigentum zu verhökern, dem haben wir immer widerstanden“, sagte Jakobs.

20 Prozent der rund 85.000 Wohnungen in Potsdam gehören immer noch der Stadt und werden von der ProPotsdam verwaltet. „Unser ambitioniertes Ziel ist es, dass ein Fünftel des Wohnungsbestandes in kommunaler Hand bleibt“, sagte Jakobs. Für den Neubau und die Sanierung sollen in den kommenden zehn Jahren 600 Millionen Euro bereitgestellt werden. Finanziert wird die Investition laut Jakobs aus Einnahmen der ProPotsdam.

Die 167.500-Einwohner-Stadt wird neuesten Prognosen zufolge bis 2030 auf 192.000 Potsdamer wachsen. Sie legt rasant zu, demnach steigt der Bedarf auch in den nächsten Jahren: „Wir brauchen 1000 neue Wohnungen pro Jahr, um mit der Entwicklung Schritt halten zu können“, sagte Jakobs. „Die ProPotsdam kann den gesamten Bedarf natürlich nicht abdecken, „wir leben schließlich nicht mehr im Sozialismus“. Aber 200 Wohnungen will die Stadt pro Jahr selbst bauen.

Investoren setzen vor allem auf teure top-sanierte Wohnungen

„Wichtig ist uns, dass auch Menschen mit niedrigem Einkommen angemessen versorgt werden“, so Jakobs. Derzeit sind 2739 Wohnungen in Potsdam mietpreis- und belegungsgebunden. Ansonsten sind erschwingliche Wohnungen in der beliebten Stadt der Schlösser und Gärten immer schwerer zu bekommen.

Private Investoren setzen stark auf top-sanierte oder neugebaute Luxuswohnungen. Junge Familien tun sich da schwer, das Richtige zu finden. Der durchschnittliche Mietpreis liegt in der Landeshauptstadt derzeit laut aktuellem Mietspiegel bei 9,75 Euro pro Quadratmeter für eine 30-Quadratmeter-Wohnung. Bei einer 60-Quadratmeter-Wohnung zahlt man derzeit durchschnittlich 9,50 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete. Der durchschnittliche Mietpreis für eine 100-Quadratmeter-Wohnung beträgt zurzeit 10,10 Euro pro Quadratmeter.

Allein an der Heinrich-Mann-Allee entstehen bis 2019 rund 750 neue Wohnungen

Allein in diesem Jahr will die ProPotsdam 14,5 Millionen Euro in Neubauprojekte stecken: 321 Wohnungen und Häuser sind geplant, etwa ein Viertel davon soll zum Jahresende fertiggestellt sein. Zu den größten Vorhaben zählt das Projekt am alten Straßenbahngelände an der Heinrich-Mann-Allee. Die ProPotsdam will es als neues innerstädtisches Wohnviertel entwickeln. Bis 2019 sollen auf dem rund 100.000 Quadratmeter großen Areal etwa 750 neue Wohnungen entstehen.

Mehr als 800 Wohnungen will die ProPotsdam in dem stetig wachsenden Stadtteil am Volkspark in direkter Nachbarschaft zur Biosphäre bauen. Insgesamt sollen auf dem Bornstedter Feld im Norden Potsdams einmal 12.000 Menschen ein neues Zuhause finden.

Auch dort entstehen derzeit sozial förderte Wohnungen. ProPotsdam-Geschäftsführer Westphal kündigte an, dass über Potsdam verteilt bis zum Jahr 2020 jährlich 600 Mietverträge und Belegungsbindungen bereitgestellt werden; darunter auch Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen.

ProPotsdam plant die komplette energetische Sanierung

Es ist geplant, den gesamten Wohnungsbestand der ProPotsdam bis 2033 energetisch zu sanieren. Der Stadtteil Drewitz soll in den nächsten Jahren zu einem klimafreundlichen, kohlendioxidfreien Wohngebiet entwickelt werden. Bis 2025 sollen alle 1650 Wohnungen der kommunalen Gesellschaft im Quartier saniert und der ökologische Umbau des Stadtteils abgeschlossen sein, so ProPotsdam-Geschäftsführer Westphal.