Welterbe in Potsdam

Kompromissvorschlag im Streit um den Zaun am Pfingstberg

Einigt sich die Stadt Potsdam mit dem Eigentümer der Villa Schlieffen, könnte noch 2016 die Instandsetzung von Haus und Park starten.

Hinter einem Bauzaun liegt die marode Villa Schlieffen. Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner will das Haus sanieren

Hinter einem Bauzaun liegt die marode Villa Schlieffen. Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner will das Haus sanieren

Foto: dpa Picture-Alliance / Ralf Hirschberger / picture alliance / ZB

Im Streit um den Zaun am Pfingstberg will die Potsdamer Stadtverwaltung dem Hauptausschuss einen neuen Kompromissvorschlag vorlegen. Danach rückt der Zaun nun doch nicht so nah an die Villa Henckel, wie die von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) im vergangenen Jahr ins Spiel gebrachte Variante vorsah.

Die Villa gehört Mathias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer SE. „Er ist in diesem Falle bereit, den Park entsprechend der Vereinbarung mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten auf seine Kosten wiederherstellen zu lassen – und die verfallene Villa Schlieffen herzurichten“, sagte Stadtplanungschef Andreas Goetzmann am Dienstag.

„Dem neuen Vorschlag für die geplante Hauptausschuss-Sitzung am 10. Februar 2016 sind intensive Erörterungen zwischen der MDB KG, der Schlösser-Stiftung und der Landeshauptstadt vorausgegangen“, betonte Goetzmann. Die MDB KG ist die Gesellschaft, an der Döpfner maßgeblich beteiligt ist.

Parkpflege würde bis zu 215.000 Euro jährlich kosten

Die MDB soll einen größeren Anteil des bislang öffentlichen Parks erhalten, als der Oberbürgermeister den Stadtverordneten zuletzt als Kompromiss vorgeschlagen hatte. Das Areal würde im Bereich des ohnehin nicht betretbaren Hanges eingezäunt.

Im Gegenzug wäre Döpfner bereit, viel zu investieren. „Die Stadt müsste nichts für die Instandsetzung des Parks und der Villa Schlieffen bezahlen, jedoch einen laufenden Beitrag für die Unterhaltung der Grünanlagen leisten“, so Goetzmann. „Es handelt sich um 100.000 bis zu 215.000 Euro jährlich – entsprechend dem Stand der Wiederherstellung.“ Denn zum großen Teil könnte der Park öffentlich genutzt werden. „Diese Lösung hätte wesentliche Vorteile“, begründet Goetzmann den neuen Vorstoß. Der Streit um die Zukunft des Geländes wäre endlich gelöst.

Döpfner will mindestens 1,8 Millionen Euro investieren

Zudem käme es nicht dazu, dass die MDB vor dem Verwaltungsgericht klagt. „Die Verfahrensdauer liegt momentan bei drei Jahren“, so Goetzmann. Döpfner kann sich auf einen Vertrag berufen, den er mit der Schlösser-Stiftung bereits geschlossen hat. Auf Bitten der Stiftung ist er bereit, den Welterbe-Park zu sanieren und die Villa zu einem öffentlich zugänglichen Kunsthaus umbauen. Er will mindestens 1,8 Millionen Euro investieren.

„Nach Abschluss des Verfahrens müsste der bestehende Vertrag an die neuen Gegebenheiten angepasst werden“, sagte Manfred Dengler von der MDB der Berliner Morgenpost. „Wir sind sehr an einer einvernehmlichen Lösung interessiert“, unterstrich Stiftungssprecher Frank Kallensee auf Anfrage. „Den jüngsten Vorschlag würden wir mittragen.“

Die ursprüngliche Abmachung der Stiftung mit der Gesellschaft, den Park in weiten Teilen nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen, verstößt nach Ansicht der Stadtverwaltung gegen den Bebauungsplan. Die Stadtverordneten sprachen sich im vergangenen Jahr dagegen aus, ihn zu ändern.

„Wenn es zu einer Lösung kommt, können die Arbeiten im Herbst oder Winter beginnen“, so Stadtplanungschef Goetzmann. „Wenn nicht, verfallen der Park und die Villa Schlieffen weiter.“ Die Bürgerinitiativen bleiben bei ihrer Maximalforderung: Der Zaun müsse weg, das Gelände solle weiter komplett für die Öffentlichkeit zugänglich sein.