Anklage wegen Mord

Kleinkind zu Tode gequält – Täter wieder vor Gericht

Der Tod der zweijährigen Lilly in Strausberg beschäftigt erneut das Gericht Frankfurt (Oder). Angeklagt ist der Lebensgefährte der Mutter.

Die kleine LIlly aus Strausberg hatte keine Chance. Der 25 Jahre alte Lebensgefährte ihrer Mutter ging am Abend des 10. Dezember 2013 auf die Kleine los. In einer beispiellosen Gewaltorgie quälte und misshandelte er das ihm schutzlos ausgelieferte Kleinkind stundenlang. Dessen Mutter griff nicht ein, sie holte keine Hilfe für die Tochter.

Als sie und ihr Freund das bewusstlose Kind am nächsten Tag schließlich ins Krankenhaus brachten, war es zu spät. Die knapp zweijährige Lilly starb am 14. Dezember an den schweren Verletzungen. Am Montag wird der qualvolle Tod des Mädchens erneut vor Gericht verhandelt.

In einem ersten Strafverfahren vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) wurde der Lebensgefährte im Oktober 2014 wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt, die Mutter erhielt eine Bewährungsstrafe. Ein Motiv für die Tat hatte die umfangreiche Beweisaufnahme damals nicht erbracht.

Angeklagt hatte die Staatsanwaltschaft die Peiniger von LIlly wegen Mordes. „Der Mann hat mir meine Tochter genommen“, sagte der leibliche Vater des Kindes damals. Er trat in dem Prozess als Nebenkläger auf und kündigte eine Revision gegen das Urteil wegen des Strafmaßes an. Der Bundesgerichtshof (BGH) gab dem statt, hob das Urteil auf und verwies den Fall an eine andere Kammer des Landgerichtes Frankfurt (Oder) zurück.

Der BGH sieht offenbar Anhaltspunkte für einen Mord aus niederen Beweggründen, spricht von einem „außergewöhnlich brutalen, eklatant menschenverachtenden Tatbild“.

Geschüttelt, geschlagen, gewürgt

Ohne ersichtlichen Grund oder Anlass hatte der Beschuldigte laut Ermittlungen damals das schlafende Kind aus dem Bettchen gezerrt, es geschüttelt, geschlagen, mit dem Kopf gegen Schrank, Fußboden und Heizung gestoßen, es gewürgt und mehrfach aus großer Höhe kopfüber fallen lassen. Später hatte sich der damals 25 Jahre alte Auszubildende auf den Bauch des am Boden liegenden Mädchens gestellt.

Selbst als Lilly kein Lebenszeichen mehr von sich gab, soll er es weiter misshandelt haben. Die schrecklichen Details beruhen auf den Schilderungen der Mutter. Ausführlich und unter Tränen hatte sie in dem ersten Prozess berichtet. Gezeigt wurde zudem ein Polizei-Video, auf dem die heute 29-Jährige das furchtbare Geschehen mit einer lebensgroßen Puppe nachstellte.

Ihr Partner hatte in dem Verfahren nichts zur Aufklärung beigesteuert. Er gab an, sich die Tat nicht erklären und sich an kaum etwas erinnern zu können. Der psychiatrische Gutachter hatte ihm ein „tiefgreifendes Empathie-Defizit“ bescheinigt, also die Unfähigkeit, Mitleid für andere zu empfinden.

Das Gericht hat für den Revisionsprozess nur zwei Verhandlungstage angesetzt, bei denen es in erster Linie um die Strafzumessung gehen soll. Der BGH empfahl, bei einem möglichen Mordurteil auch die besondere Schwere der Schuld des Täters festzustellen. Das hieße, dass dieser im Fall einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe mindestens 15 Jahre hinter Gittern verbringen müsste.