Tourismus

Jeder Zweite kommt wegen der Kultur

Brandenburg ist bei Touristen vor allem wegen der Kultur interessant: Fast jeder zweite Besucher gibt sie als Grund seiner Reise an. Die Top Ten führen die Schlösser an.

Potsdam. Brandenburg ist bei Touristen vor allem wegen seiner Kultur beliebt: Fast jeder zweite Besucher – 49 Prozent – gab im Gäste-Monitor 2014 kulturelle Aktivitäten als Anlass der Reise an. Dies sagte der Geschäftsführer der Tourismus-Marketing Brandenburg, Dieter Hütte, am Montag in Potsdam.

Offenbar zahlt sich die intensive öffentliche Förderung aus. Laut Kulturministerin Sabine Kunst (SPD) sind in den vergangenen 15 Jahren knapp 130 Millionen Euro in mehr als 100 Projekte geflossen. „Kultur und Tourismus gehen Hand in Hand“, betonte Kunst. Sie kündigte allerdings an, dass „das Kulturinvestitionsprogramm nicht mehr im bisherigen Sinne fortgeführt wird“. Die entsprechende Förderung durch die EU laufe aus.

Zahl der Übernachtungsgästeim vergangenen Jahr gestiegen

Die Landesregierung werde beraten, wie auch die kleineren der rund 400 Museen im Land gesichert werden könnten, kündigte die Ministerin an. „Neben der Hochkultur mit großen Ausgaben-Blöcken wollen wir auch die Standorte in der Fläche erhalten“, sagte sie. Die Finanzierung müsse mit den Kommunen neu verhandelt werden. Kulturtourismus sei weiter „in“, resümiert TMB-Geschäftsführer Dieter Hütte. 2014 kamen rund 4,4 Millionen Übernachtungsgäste nach Brandenburg, für 2015 wird noch einmal eine deutliche Steigerung erwartet. Bis Ende Oktober gab es ein Plus von gut sechs Prozent. Hinzu kommen jährlich mehr als 92 Millionen Tagesgäste.

Für 60 Prozent der kulturbegeisterten Touristen stehen laut einer Umfrage die historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten im Vordergrund, für 20 Prozent Events wie Konzerte und für 15 Prozent die Museen.

Die Top Ten der Kulturziele führen die Einrichtungen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten mit 1,6 Mio Besuchern an, danach folgt die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten mit 750.000 Besuchern, die Stiftung Fürst Pückler Museum Branitz mit 53.000 Besuchern. Etwa 60.000 Gäste wurden im Besucherbergwerk F60 in der Lausitz gezählt, 55.000 im Ziegeleipark Mildenberg.

Die Slawenburg Raddusch und der Museumspark Rüdersdorf besuchten rund 50.000 Interessierte. Gefragt waren auch das Museumsdorf Glashütte und das Industriemuseum Brandenburg. Die Besucherzahlen stammen aus einer jetzt vom Ministerium vorgelegten Statistik von 2013.

Zu den Kulturthemen, nach denen die Online-Nutzer des Internetportals reiseland-brandenburg.de im Jahr 2015 am häufigsten gesucht haben, zählen neben den Schlössern und Parks auch Museen, Kirchen und Filmorte. Bei den einzelnen Einrichtungen waren dies Schloss und Park Sanssouci, Neues Palais, Schloss Rheinsberg, das Kloster und Museum Himmlisches Theater Neuzelle, das Museum Neuruppin und die Brandenburgischen Kunstsammlungen im alten Dieselkraftwerk in Cottbus. Online informierten sich die Gäste auch häufig über den Dom Brandenburg und das Kloster Chorin. Der Leiter des Museums Neuruppin, Hansjörg Albrecht, sagte: „Wir konnten nach der Erweiterung des Museums Neuruppin mit einem Neubau seit Januar 2015 die Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr auf rund 11.000 verdoppeln.“

Kulturministerin Sabine Kunst will an die Humboldt-Universität

Ministerin Sabine Kunst zeigt sich zufrieden mit der Bilanz. Das Kulturinvestitionsprogramm habe Effekte in allen Regionen des Landes gebracht. Die 61-Jährige wird wohl bald aus der Landesregierung ausscheiden. Sie ist als Präsidentin der Humboldt-Universität Berlin nominiert. Am 12. Januar wird das Konzil sie als bislang einzige Kandidatin anhören, die Wahl ist für 19. Januar geplant. Sabine Kunst ist seit Februar 2011 in der Politik, zuvor führte sie die Universität Potsdam. Zu ihrer Kandidatur als Präsidentin der Humboldt-Universität sagte die Ministerin am Montag: „Das, was ich hier in Brandenburg mache, macht mir sehr viel Spaß. Es hat aber die Anfrage aus Berlin gegeben, die mich sehr ehrt“, sagte Kunst.

Sie habe sich entschlossen, die „Herausforderung“ und „sehr spannende Aufgabe“ anzunehmen. „Für die Hauptstadtregion – und dazu gehört auch die Wissenschaftsregion Berlin und Brandenburg – wird sich in den nächsten Jahren entscheiden, ob sie tatsächlich Spitzenstandort in der Bundesrepublik wird“, unterstrich Kunst.

Auf die Frage, was sie in den fünf Jahren Politik gelernt habe, fällt ihr die Antwort nicht schwer. „Wenn ich betrachte, an welchen Stellen ich als Präsidentin einer Hochschule wie viele Umwege gegangen bin, um Unterstützung aus dem politischen Umfeld zu bekommen, so weiß ich heute sehr viel mehr über den geraden Weg.“ In den reinen Elfenbeintürmen der Wissenschaft werde vieles gedacht, was nachher nicht mit der politischen Realität übereinstimme.

Das Resümee der Hochschulmanagerin und derzeitigen Landespolitikerin: „Mittlerweile aus beiden Ecken über ein Erfahrungspotenzial zu verfügen, halte ich für einen sehr hohen Lerneffekt, für den ich sehr dankbar bin.“ Ob sie Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) im Falle ihrer Wahl eine Nachfolgerin empfehle? „Nein“, sagt sie, „das ist allein seine Angelegenheit.“