Eberswalde

Ein Bahnwerk zum Schnäppchenpreis

Das traditionsreiche Bahn-Instandhaltungswerk in Eberswalde soll Ende 2016 geschlossen werden. Nun keimt neue Hoffnung bei den 350 Beschäftigten auf

Radsätze lauf dem Gelände des Bahnwerkes in Eberswalde (Barnim). Die Deutsche Bahn will den Betrieb Ende 2016 dicht machen

Radsätze lauf dem Gelände des Bahnwerkes in Eberswalde (Barnim). Die Deutsche Bahn will den Betrieb Ende 2016 dicht machen

Foto: Patrick Pleul / dpa

Die Uhr am Werkstor zählt die Zeit herunter: Bis zur angekündigten Schließung des Bahnwerkes in Eberswalde nordöstlich von Berlin sind es noch 387 Tage. Ende 2016 will die Bahn das Werk aufgeben.

Doch nun keimt unter den aktuell noch 350 Beschäftigten neue Hoffnung. Am Freitag hat Bahnchef Rüdiger Grube nach einem Spitzengespräch dem Land Brandenburg angeboten, das Werk Eberswalde symbolisch für einen Euro zu übernehmen. Die Bahn sichert zudem zu, dass alle bestehenden Aufträge zur Wartung und Instandhaltung von Güterwagen im Jahr 2016 erhalten bleiben. Dadurch könnten mindestens 200 Arbeitsplätze gesichert werden.

Wirtschaftsminister: Land kein Betreiber von Bahnwerken

Die brandenburgische Landesregierung reagierte eher verhalten auf die auf den ersten Blick großzügige Offerte. „Das ist nicht die beste Nachricht, die wir hier mitgebracht haben“, sagte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) nach dem Spitzengespräch in der Konzernzentrale der Deutschen Bahn in Berlin vor Beschäftigten des Werks. Man werde das Angebot aber sorgfältig prüfen. Nach Auskunft von Gerber hat das Land bis zum 15. Januar Zeit, sich zu entscheiden.

„Wir wollen, dass der Standort Eberswalde erhalten bleibt“, bekräftigte Gerber. Er betonte jedoch auch: „Die Landesverwaltung ist kein Betreiber von Bahnwerken.“ Das Land habe jedoch die Möglichkeit, das Werk an einen Investor weiterzuverkaufen. Die Bahn hat demnach mit zwei Interessenten über einen Verkauf verhandelt, jedoch keine Einigung erzielt. Bei einem Kauf des Werks könnte das Land alle Beschäftigten übernehmen, mindestens jedoch 200. Das sei Bestandteil des Angebots, teilte die Bahn mit. Demnach könnte das Werk zum 1. Januar 2016 an das Land übergehen – einschließlich des Geländes, der Anlagen und Vorräte sowie der Aufträge für 2016.

Gewerkschaft: Bahn stiehlt sich aus der Verantwortung

„Das Ping-Pong-Spiel geht weiter“, sagte der Betriebsratschef des Werks, Ulf Boehnke. „Die Bahn hat sich aus der Verantwortung gestohlen und den Ball zur Politik gespielt.“ Dies bedeute dennoch eine Chance für das Werk. Ein Weiterverkauf durch das Land sei die einzige Möglichkeit, die sich derzeit noch biete.

Die Brandenburger Linke kritisierte das Angebot des Bahnkonzerns. „Es ist der Versuch der Bahn, die Verantwortung auf die öffentliche Hand abzuwälzen – und zwar auf dem Rücken der Beschäftigten“, sagte der Fraktionschef der Linken im Landtag, Ralf Christoffers, am Freitag. „Es bleibt eine unverantwortliche Entscheidung der Bahn, weil es keine wirtschaftlichen Gründe gibt, das Werk zu verkaufen.“

Dienstleister will Eberswalde übernehmen

Der Vizevorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Klaus-Dieter Hommel, nannte das Angebot der Bahnspitze hingegen „einen Schritt nach vorn“. Einige Beschäftigte des Werks reagierten dagegen mit Buh-Rufen und riefen: „Wie lange denn noch?“ Hommel betonte, die Gewerkschaft wolle erreichen, dass ein neuer Eigentümer eine Beschäftigungsgarantie für alle Mitarbeiter ausspreche und das jetzige Tarifgefüge übernehme.

Einer der Bieter, mit der die Bahn verhandelt hat, aber nicht einig wurde, ist die Deutsche Eisenbahn-Service-AG (DESAG). Das private Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Putlitz (Prignitz) will in Eberswalde eigene Lokomotiven und Güterwagen reparieren und warten sowie neue Waggons bauen lassen. Mindestens 100 Arbeitsplätze, so die DESAG, könnten mit diesem Konzept erhalten werden.

Zu wenige Reparaturaufträge für Güterwagen

Der Kampf um das Bahnwerk in Eberswalde läuft schon seit über einem Jahr. Damals hatte der bundeseigene Konzern dessen Schließung zum Jahresende 2016 beschlossen. Die Bahn begründet ihre Entscheidung mit dem rapiden Rückgang von Reparatur- und Instandhaltungsaufträgen für Güterwaggons. Laut Konzernbetriebsratschef Jens Schwarz arbeitet die Bahn an einen neuen Instandhaltungskonzept, das auch Thema bei der Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch sein soll. Weitere Schließungen würden dort aber nicht beschlossen.

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