Parken am Bahnhof

In Potsdam gibt es jetzt ein Parkhaus nur für Fahrräder

Am Hauptbahnhof in Potsdam hat eine Rund-um-die-Uhr-Station mit 557 Stellplätzen eröffnet. Dort steht das Rad für einen Euro am Tag.

Tom Sehrer und sein Team betreiben die neue Fahrradstation am Potsdamer Hauptbahnhof

Tom Sehrer und sein Team betreiben die neue Fahrradstation am Potsdamer Hauptbahnhof

Foto: Bernd Settnik / ZB

Wer genug hat von dem täglichen Fahrrad-Abstell-Chaos am Potsdamer Hauptbahnhof, kann künftig ein Ticket ziehen und sein Fahrrad von nun an einem trockenen Platz abstellen. Direkt neben dem Bahnhofseingang an der Babelsberger Straße hat Potsdams erstes Fahrrad-Parkhaus eröffnet. Es bietet 557 videoüberwachte Stellplätze und 18 Akkuladefächer für E-Bikes. Platz ist auch für Tandems und Lastenräder. Zudem stehen kostenlose Schließfächer bereit, zum Beispiel für die nasse Regenjacke. Sein Fahrradschloss muss übrigens jeder mitbringen.

Die Rund-um-die-Uhr-Abstellmöglichkeit im Erdgeschoss der nicht ausgelasteten Autotiefgarage kostet pro Tag einen Euro. Eine Monatskarte ist für zehn Euro zu haben, das Jahresticket für 99 Euro, Studenten zahlen 79 Euro. Das Ticket kann am Automaten erworben werden, bezahlt wird bei der Ausfahrt.

„Wir erhoffen uns von dem Angebot, dass künftig vor allem die Pendler zwischen Potsdam und Berlin ihre Wege kombiniert mit Fahrrad und Bahn zurücklegen“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) bei der Eröffnung der Fahrradstation am Montag. „Die Verbesserung der Abstellmöglichkeiten am Hauptbahnhof ist ein wichtiger Teil der von den Stadtverordneten beschlossenen Radverkehrsstrategie.“ Die Stadt solle für Radfahrer attraktiver werden, so Jakobs.

Stadt und Land teilen sich die Kosten für die Station

Die Station kostete rund 800.000 Euro, die Stadt Potsdam zahlte 360.000 Euro, 440.000 Euro übernahm das Land. Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) sagte: „Wer an den Potsdamer Hauptbahnhof kommt, sieht zuerst nur Fahrräder – soweit das Auge reicht.“ Bisher fehlten gute und sichere Abstellplätze. „Das ändert sich jetzt endlich“, so Schneider. „Wir unterstützen die Kommunen bei Investitionen, um einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr anzubieten.“

S-Bahnchef Peter Buchner, der in Potsdam wohnt, begrüßt das neue Angebot: „Die Kombination Fahrrad und S-Bahn ist ideal. Da im Pendlerverkehr nicht jeder sein Fahrrad mitnehmen kann, ist die Eröffnung dieses Parkhauses sehr erfreulich.“ Die S-Bahn biete selbst zwar keine solche Abstellmöglichkeit an, baue aber die überdachten Fahrradplätze aus. „In Pankow werden wir nächstes Jahr mehr als 300 Plätze schaffen,“ kündigte Buchner gegenüber der Berliner Morgenpost an.

Ein Profi betreibt die Fahrradstation

Betreiben werden die Fahrradstation am Potsdamer Hauptbahnhof Tom Sehrer und sein Team. Der 43-Jährige hat bereits einen Fahrradservice am Bahnhof Griebnitzsee und bietet geführte Radtouren an. In seinem Laden neben dem neuen Fahrradparkhaus lässt sich zudem ein zusätzlicher Service nutzen: Sehrer repariert das Rad, während der Kunde bei der Arbeit ist. Wird es nicht fertig, stellt er kostenlos ein Ersatzleihfahrrad zur Verfügung.

Laut dem Fahrradbeauftragten der Stadt, Torsten von Einem, müssen die Dauer-Fahrrad-Parker nicht fürchten, keinen Platz zu bekommen. „Wir rechnen damit, dass die Station im vierten Betriebsjahr eine 80- bis 90-prozentige Auslastung erreicht.“ Der Potsdamer Christian Spitz, der jeden Tag nach Berlin zur Arbeit pendelt, hat lange auf eine Lösung des Fahrrad-Chaos gewartet: „Ich finde es super, dass wir ein Fahrradparkhaus bekommen. Auf jeden Fall werde ich ab 1. Dezember eine Monatskarte lösen.“ Die Eröffnung um 13 Uhr war vor allem ein mediales Ereignis. Allerdings fehlten dabei die Kunden. Denn um diese Zeit waren die Pendler arbeiten.

Potsdam plant Fahrradschnellweg

Das wachsende Potsdam kämpft seit Jahren gegen den Autoverkehr. Immer mehr Parkplätze an den Straßen in der Innenstadt verschwinden. Zudem ist das Parken dort erheblich teurer geworden. Seit 2010 sind fünf Millionen Euro in den Ausbau der Radweg-Infrastruktur geflossen. Eine Million Euro pro Jahr. „Wir haben in den vergangenen Jahren gute Fortschritte gemacht“, sagte Oberbürgermeister Jakobs am Rande der Parkhaus-Eröffnung. Die Stadt plane derzeit mit den Umlandgemeinden einen Fahrradschnellweg nach Werder an der Havel.

Im Deutschlandvergleich steht Potsdam laut Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Sachen Fahrradfreundlichkeit inzwischen gut da: Die Landeshauptstadt landete 2015 auf dem 4. Platz. Bei dem Ranking hatten deutschlandweit mehr als 100.000 Radfahrer abgestimmt. Noch besser schnitten bei den Großstädten zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern nur Erlangen, Oldenburg und Ingolstadt ab. Die Befragten lobten die Erreichbarkeit des Potsdamer Stadtzentrums und das Angebot an Leihfahrrädern. Dafür hapere es unter anderem bei der Mitnahme von Rädern im öffentlichen Nahverkehr und an Abstellmöglichkeiten. Am Bahnhof Charlottenhof und 2017 auch am Bahnhof Griebnitzsee will die Stadt zumindest weitere Fahrrad-Anlehnbügel anbringen.