Blindgänger

Oranienburg: Alle vier Bomben erfolgreich entschärft

A Freitag mussten wieder einmal Tausende Oranienburger ihre Sachen packen. Diesmal wurden gleich vier Bomben entschärft.

Polizisten sperren am Freitag in Oranienburg die Straßen

Polizisten sperren am Freitag in Oranienburg die Straßen

Foto: Robert Roeske / dpa

Die Oranienburger brauchten am Freitag viel Geduld: In der Stadt im Landkreis Oberhavel wurden gleich vier Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Die Arbeiten begannen am frühen Morgen – und zogen sich bis in die Nacht hin. Gegen 23.30 Uhr war die vierte der Bomben entschärft. Es hatte schon bis zum Abend gedauert, ehe drei der Sprengkörper unschädlich gemacht worden waren. Um 19.50 Uhr hatte der technische Einsatzleiter die erfolgreiche Aktion gemeldet. Die zweite Bombe war einige Stunden früher am Nachmittag unschädlich gemacht worden. Die erste hatte der Kampfmittelbeseitigungsdienst gegen Mittag entschärft. Die Stadtverwaltung hatte im Vorfeld angekündigt, dass die Anwohner wohl erst am späten Abend oder in der Nacht in ihre Häuser zurückkehren können.

Es ging um die Entschärfung von vier Fünf-Zentner-Bomben mit chemischem Langzeitzünder. Die Blindgänger waren auf einem Baugrundstück zwischen Einfamilienhäusern im Ortsteil Lehnitz entdeckt worden.

Während der Entschärfungen wurden am Vormittag die S-Bahn S1 und drei Regionalbahnlinien gestoppt. In einem Sperrkreis von 1000 Metern um den Fundort mussten am Morgen etwa 4300 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Für die Anwohner wurde eine Anlaufstelle in einer Mehrzweckhalle eingerichtet. Dort fanden sich jedoch nur einige Dutzend Menschen ein.

Die Kreisstadt ist besonders durch Blindgänger belastet

Unter ihnen war auch der 69-jährige Hans-Werner Effer, der vor 24 Jahren ein Unglück mit einem Blindgänger unverletzt überlebt hatte. Die Bombe hatte sich am 4. Dezember 1991 unter einer gepflasterten Straße selbst entzündet, Steine flogen durch die Luft.

„Ich war mit meinem Hund unterwegs und hatte Glück, wir wurden nur von der Druckwelle weggeschleudert“, erinnerte sich Effer. Eine 14-Jährige und ein 44 Jahre alter Anwohner waren damals von Steinen getroffen und schwer verletzt worden. „Ich hoffe inständig, dass heute nichts passiert“, sagte der 69-Jährige. Sein Haus steht nur 120 Meter von dem Fundort der vier Bomben entfernt.

Die Kreisstadt ist besonders durch Blindgänger belastet. Oranienburg war damals ein großer Standort der Rüstungsindustrie. Unter anderem gab es dort ein großes Heinkel-Flugzeugwerk, in dem Tausende KZ-Häftlinge arbeiten mussten. Seit 1990 wurden etwa 190 Bomben gefunden. Bis zu 300 weitere werden dort noch im Erdreich vermutet. Rund 20.000 Bomben sollen im Zweiten Weltkrieg auf die Stadt abgeworfen worden sein.

Zuletzt wurde am 13. November eine Fliegerbombe in Potsdam-Babelsberg erfolgreich entschärft. Auch hierfür hatten rund 3100 Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen. Aus Sicherheitsgründen war rings um den Fundort am Strandbad Babelsberg ein Sperrkreis mit einem Durchmesser von 1,6 Kilometer Länge gebildet worden.