Jugendclub

Anschlag in Jüterbog - Ermittlungsgruppe gebildet

Böller haben eine evangelische Begegnungstätte in Jüterbog verwüstet. Die Kirche vermutet, dass Rechtsradikale dahinter stecken.

Durch die Detonation entstand ein Schaden von etwa 2500 Euro

Durch die Detonation entstand ein Schaden von etwa 2500 Euro

Foto: Julian Stähle / dpa

Freitagnacht ist es im brandenburgischen Jüterbog (Teltow-Fläming) zu einer heftigen Explosion in einer Einrichtung der evangelischen St.-Nikolai-Gemeinde gekommen. Der Jugendtreff Turmstube an der Mönchenstraße war in letzter Zeit als Begegnungsstätte für Flüchtlinge genutzt worden. Unter dem Namen „Weltcafé“ wurden dort Freizeit- und Kontaktmöglichkeiten für Asylbewerber angeboten.

Nach Angaben der Polizei sei davon auszugehen, „dass die Explosion durch pyrotechnische Erzeugnisse verursacht worden ist“. Die Druckwelle sei stark genug gewesen, Fenster und Mobiliar zu zerstören und einen Teil der Decke zu lösen. „Nach ersten Schätzungen ist mit einem Sachschaden von etwa 2500 Euro zu rechnen“, so die Polizei. Personen hielten sich zum Zeitpunkt der Explosion nicht im Gebäude auf.

Zuvor hatte es eine Anti-Asyl-Demonstration gegeben, die der Nauener NPD-Stadtverordnete Maik Schneider angemeldet hatte. Den knapp 200 Teilnehmern stellten sich rund 500 Gegendemonstranten entgegen. Unter dem Motto „Jüterbog – Wir lassen uns nicht ausspielen“ hatte unter anderem die evangelische Kirchengemeinde mobilgemacht.

Die Demonstrationen verliefen ohne größere Zwischenfälle und waren, als Anwohner um 22.25 Uhr die Polizei über einen lauten Knall in der Turmstube informierten, bereits aufgelöst.

Inzwischen ist der Staatsschutz eingeschaltet worden, da erste Ermittlungen den Verdacht erhärteten, es habe sich bei der Explosion nicht um einen Unfall gehandelt. Die Polizeidirektion West hat bereits eine mehrköpfige Ermittlungsgruppe gebildet. Derzeit werden auch Anwohnerbefragungen durchgeführt. Bisher liegen aber keine Hinweise auf einen konkreten Verdächtigen vor.

Am Sonnabend besuchte der Bischof der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, die Turmstube, um sich ein Bild von den Verwüstungen zu machen. Mit dabei war auch Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD). „Wir werden vor denen, die Flüchtlinge und Helfer bedrohen, keinen Zentimeter zurückweichen“, sagte Schröter. Wer vorgebe, „das christliche Abendland zu verteidigen, aber zugleich Anschläge auf kirchliche Einrichtungen verübt“, habe die letzte Maske fallen lassen.