Kriminalität

Gemeinden suchen Sicherheitspartner für die Polizei

Die Arbeit von Ehrenamtlichen in Brandenburg zur Verbrechensverhütung hat sich bewährt. Nun werden neue Helfer gebraucht.

Die ehrenamtlichen Hilfskräfte werden von der örtlichen Polizei angeleitet wie etwa hier in einer Laubenkolonie in Wittenberge. Mitglieder des Gartenvereins patroullieren, um potentielle Diebe abzuschrecken

Die ehrenamtlichen Hilfskräfte werden von der örtlichen Polizei angeleitet wie etwa hier in einer Laubenkolonie in Wittenberge. Mitglieder des Gartenvereins patroullieren, um potentielle Diebe abzuschrecken

Foto: Zentralbild / picture-alliance / ZB

Wenn die Schwielowseer Bürgermeisterin von den Sicherheitspartnern in ihrer Gemeinde spricht, lässt sie keinen Zweifel aufkommen: „Ich muss den Mitwirkenden Dank und große Anerkennung aussprechen. Deren Einsatz ist sehr hilfreich und führt auch zur Vermeidung von Einbrüchen und anderen Straftaten“, sagt Kerstin Hoppe (CDU).

Doch in der 10.000-Einwohner-Gemeinde ist es wie vielerorts in Brandenburg: Das Interesse ehrenamtlicher Helfer, in Sicherheitspartnerschaften mitzuwirken, geht deutlich zurück. Gab es im Jahr 2003 noch 117 Sicherheitspartnerschaften mit 880 Mitwirkenden, so waren Ende Juni dieses Jahres nur noch 418 Ehrenamtliche in 70 Partnerschaften aktiv.

Bürger handeln ohne Hoheitsrechte, sie sind keine Hilfspolizisten

Sicherheitspartnerschaften sind offizielle Kooperationen von Bürgern und Polizei zur Kriminalitätsverhütung. Einwohner sind dabei in ihren Orten unterwegs und achten auf Auffälligkeiten. Laut Brandenburger Innenministerium handeln die Bürger ohne „hoheitliche Befugnisse im Rahmen sogenannter Jedermannsrechte. Sie sind keine Hilfspolizisten und tragen keine Waffen“. Die Aktiven sollen als aufmerksame Nachbarn bei Gefahren, verdächtigen Situationen oder beobachteten Straftaten die Polizei informieren, die dann alles Weitere übernimmt.

Die genauen Aufgaben werden in den jeweiligen Einwohnerversammlungen festgelegt, die die Sicherheitspartner auch beruft. Die Polizei weist die Mitwirkenden ein und stellt Ausrüstung wie etwa Taschenlampen zur Verfügung. Für ihr Engagement erhalten die Partner einen kleinen Anerkennungsbeitrag von 25 Euro monatlich.

Die Polizei berichtet von guten Erfahrungen mit den Sicherheitspartnern

Zurzeit scheiden aber viele Sicherheitspartner aus. Zumeist ist das Alter der Grund dafür. So ist es auch in der Gemeinde Schwielowsee. Von ursprünglich vier ehrenamtlich Tätigen ist nur noch einer übrig. „Das ist sehr traurig“, sagt Bürgermeisterin Kerstin Hoppe. „Wegen der guten Erfahrungen ist es sehr wünschenswert, die Sicherheitspartnerschaft fortzusetzen“, betont sie. Doch Berufstätigen fehle oft die nötige Zeit für ein solches Engagement. Die Bürgermeisterin will mit Hilfe der Polizei die Bürger informieren und sie für die Kriminalitätsverhütung gewinnen.

„Ich kann jede Gemeinde nur ermutigen, das auch zu tun“, sagt sie aufgrund der Erfahrungen in ihrer Kommune. Ortsansässigen falle eine Veränderung, eine Merkwürdigkeit oft schneller auf, weil man sich kenne und viel voneinander wisse.

Ihre Sicht wird auch von der Polizei geteilt. „Die Polizei hat in den vergangenen Jahren überaus positive Erfahrungen mit Sicherheitspartnerschaften gemacht. Die enge Zusammenarbeit insbesondere zwischen den zuständigen Revierpolizisten und den Sicherheitspartnern für die einzelnen Dörfer, Städte und Gemeinden sowie der rege Erkenntnisaustausch ist hier hervorzuheben“, sagt dazu ein Sprecher der Polizeidirektion West.

Die Ehrenamtliche sollen mehr Ausrüstung bekommen

Die Sicherheitspartner befinden sich demnach ständig in einem engen Kontakt mit dem für ihren Bereich zuständigen Revierpolizisten. Es gibt Informationen über die aktuelle polizeiliche Lage, Schwerpunkte und Veranstaltungen. Die Direktion West stellt nach Angaben des Sprechers den Partnern zukünftig einen neu aufgelegten Leitfaden für ihre Arbeit zur Verfügung.

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) ist ein begeisterter Verfechter der Sicherheitspartnerschaften im Land. Er kündigte jetzt eine weitere Stärkung der Institution an. Dazu ist unter anderem vorgesehen, den Ehrenamtlichen mehr Ausrüstung zur Verfügung zu stellen. In Seelow übergab der Minister erste wetterfeste Jacken an Sicherheitspartner. Die leuchtend gelben oder dunkelblauen Jacken mit der Aufschrift „Sicherheitspartner“ seien ein kleiner Beitrag zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements zur Kriminalitätsverhütung. In den kommenden Wochen will das Innenministerium weitere Jacken ausgeben.

Die Sicherheitspartnerschaften existieren seit nunmehr 20 Jahren

„Eine wirksame Kriminalitätsbekämpfung kann nur mit einer gemeinsamen, gesamtgesellschaftlichen Anstrengung realisiert werden. Die Sicherheitspartner setzen sich in hervorragender Art und Weise für die Sicherheit in ihrer Gemeinde ein und stehen der Polizei als Partner zur Seite. Dieses Engagement verdient Respekt und Anerkennung“, sagte Schröter.

Um wieder mehr Freiwillige für den Einsatz in den Kommunen zu begeistern, laufen bereits seit dem Sommer Beratungen. Im September fanden in allen Brandenburger Polizeidirektionen Regionalkonferenzen statt, in denen Vertreter von Sicherheitspartnerschaften, Polizei und Kommunen ihre Erfahrungen darstellten und Ideen zur Fortentwicklung der Partnerschaften diskutierten.

Die Ergebnisse sollen bei der Überarbeitung des „Erlasses zur Kommunalen Kriminalitätsverhütung“ berücksichtigt werden. Dieser Erlass war vor 20 Jahren die Grundlage für die Einrichtung der ersten Sicherheitspartnerschaften in Brandenburg. Bei der Neuauflage wird laut Innenminister auch geprüft, ob die bislang starre Regelung zu den Aufwandsentschädigungen für die Ehrenamtlichen gelockert werden kann. Auf einem Fachtag dazu an der Fachhochschule der Polizei soll es noch in diesem Jahr einen entscheidenden Schritt in die Richtung voran gehen.

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