Golfsport

Kurort Bad Saarow – Auf einen Schlag weltberühmt

In den Ort flossen Millionen an Fördergeldern. Womöglich zahlen sie sich aus – falls Deutschland den Zuschlag für den Ryder Cup erhält.

Das „A-Rosa“-Hotel am Scharmützelsee ist mit seinem Faldo Course Berlin zur offiziellen Bewerberanlage für den deutschen Ryder Cup 2022 ernannt worden

Das „A-Rosa“-Hotel am Scharmützelsee ist mit seinem Faldo Course Berlin zur offiziellen Bewerberanlage für den deutschen Ryder Cup 2022 ernannt worden

Foto: A-ROSA Resort GmbH

Schon der Name: Bad Saarow. Weich klingt er, die Erholung setzt schon ein, spricht man ihn nur aus. Knapp eine Autostunde von Berlin gelegen, war der vornehme Kurort am Scharmützelsee schon immer Anziehungspunkt für gestresste Großstädter.

Ab 1900 entdeckten ihn die Künstler. Der lungenkranke russische Schriftsteller Maxim Gorki kam hier zu Kräften. Box-Weltmeister Max Schmeling heiratete in der Dorfkirche die Schauspielerin Anny Ondra. Bad Saarow war auch beliebt bei Nazi- und später bei SED-Größen und NVA-Generälen. Nach dem Fall der Mauer herrschte Goldgräberstimmung. Viele Villen wechselten den Besitzer, in der Modrow-Zeit sicherten sich alte Kader Filetgrundstücke, oft zu Schnäppchenpreisen.

„Funkelnde Perle am märkischen Meer“

Es gab gigantische Pläne: So entstand auf etwa 300 Hektar fernab des Ortszentrums eine Fünf-Sterne-Hotelanlage am See. Das „Kempinski“, heute das „A-Rosa“. Auf den einstigen LPG-Flächen breiten sich gleich vier Golfplätze aus. Mehr als 100 Millionen Euro pumpte die Landesregierung in die „funkelnde Perle am märkischen Meer“, wie der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) Bad Saarow nannte.

Die umstrittene touristische Großinvestition könnte sich jetzt, mehr als ein Vierteljahrhundert später, womöglich doch noch auszahlen. Denn Deutschland bewirbt sich mit dieser Anlage um die Austragung des Ryder Cups im Jahr 2022.

Der Faldo Course Berlin – schwierigster Platz Deutschlands

Die Entscheidung über den Austragungsort für das weltweit größte Golf-Event soll im November fallen. Sollte die 500 Seiten lange Bewerbung erfolgreich sein, wäre dies eine Tourismuswerbung, die kaum zu toppen ist. In der Turnierwoche erwartet der 5200-Einwohner-Ort bis zu 250.000 Zuschauer. Sie sollen mehr als 130 Millionen Euro in der Region Berlin-Brandenburg ausgeben.

„Wir sind überzeugt, mit dem Golf­resort A-Rosa Scharmützelsee die perfekte Anlage für eine erfolgreiche Ryder-Cup-Bewerbung gefunden zu haben“, sagt Marco Kaussler, Leiter der Bewerbung RC Deutschland GmbH. Auf dem idyllisch gelegenen Gelände sind der SCB-Sporting Club Berlin, die Gofus und der A-Rosa Golfclub ansässig.

Das Golfresort am Scharmützelsee bewirbt sich mit dem 2006 eröffneten Faldo Course Berlin um die Austragung. Er gilt als schwierigster Platz in Deutschland und wurde vom Ryder-Cup-Spieler Sir Nick Faldo entworfen. Um den Spielanforderungen wie auch den erwarteten Zuschauermassen gerecht zu werden, müsste der Platz bis zum Ryder Cup 2022 aber noch erweitert und umgebaut werden.

112.000 Touristen kommen jährlich

„Bad Saarow würde mit einem Schlag in der ganzen Welt bekannt“, ist sich die ehrenamtliche Bürgermeisterin Anke Hirschmann (parteilos) sicher. „Klappt das mit dem Ryder Cup, brummt bei uns endlich der Bär.“

Nicht, dass es schlecht laufe. Nein. Etwa 112.000 Touristen kommen jährlich, rund 400.000 Euro Kurtaxe nimmt die Gemeinde ein. „Die Therme schreibt schwarze Zahlen“, lobt die Bürgermeisterin. Die Auslastung der 3000 Hotelbetten könnte allerdings höher sein. Pro Jahr wächst der Ort um etwa 100 Bewohner. Viele stammen aus den alten Bundesländern – zumeist wohlhabende Ältere. Anke Hirschmann würde gern mehr jüngere Menschen für Bad Saarow begeistern. „Doch die können sich das Wohnen hier in der Regel nicht leisten“, bedauert sie.

Neues Zentrum mit Kino und Eisdiele

Vom denkmalgeschützten sanierten Bahnhof aus führt die Bürgermeisterin hinüber zur Therme. Auf dem Weg geht es an heruntergekommenen Häusern vorbei. „Die alte Kaufhalle wird nun endlich abgerissen“, sagt Anke Hirschmann. „Es geht los mit dem neuen Zentrum.“ Die Berliner Unternehmensgruppe Artprojekt plant mit den Kurpark-Kolonnaden für rund 27 Millionen Euro fünf klassisch-elegante Einzelhäuser. Etwa 60 Wohnungen sollen entstehen, aber auch Geschäfte, eine Eisdiele – und ein Kino.

„Sollten wir den Ryder Cup bekommen, würde das auch einen Schub für das weitere Baugeschehen bedeuten“, zeigt sich die Bürgermeisterin optimistisch. Gleich neben der Therme soll bis dahin das Vier-Sterne-Parkhotel entstehen. Derzeit laufen die Arbeiten für einen 170 Meter langen Tunnel, der das Hotel später einmal mit dem Bad verbinden soll. Anke Hirschmann ist erst seit etwa anderthalb Jahren ehrenamtliche Bürgermeisterin. Sie löste Susan Rolle (CDU) nach nur kurzer Amtszeit ab. Mehr als zehn Jahre lang hat zuvor Gerlinde Strobrawa regiert. Die Linke-Politikerin geriet wegen Stasi-Vorwürfen unter Druck. Im Dezember 2012 verkündete sie aus „gesundheitlichen Gründen“ den Rückzug von den politischen Ämtern.

Bürgermeisterin redet gern Tacheles

Bad Saarow stand immer in dem Ruf, von alten Seilschaften beherrscht zu werden. Die neue Bürgermeisterin dagegen war nie in einer Partei. 39 Jahre war die gebürtige Stralsunderin Lehrerin in Bad Saarow. Ihren Wahlerfolg verdankt sie vor allem Generationen von Schülern. Anke Hirschmann ist eine resolute Frau. Die pensionierte Pädagogin sagt von sich: „Ich bin streng, leistungsorientiert, aber auch gerecht.“

Vor allem redet sie gern Tacheles. „Bitte alles wieder einpacken“, bittet sie ohne Umschweife die chinesischen Investoren, als diese ihre Gastgeschenke auf den Tisch legen. „Ich bin nicht bestechlich.“ Die Chinesen hatten vom märkischen Meer gelesen und wollten hier eine Fischfabrik eröffnen. „Ich musste ihnen erst mal erklären, dass der Scharmützelsee gerade mal den Lebensunterhalt für unsere Fischer sichert“, sagt Anke Hirschmann.

Von großen Träumereien, wie sie Bad Saarow in den Nachwendejahren begleiteten, hält die Bürgermeisterin nicht viel. „Eine Luft wie Champagner“ titelte einst ein Magazin über Bad Saarow und zitierte damit eine Golfspielerin der besten Gesellschaft Berlins. „Da hat sicherlich gerade der Flieder geblüht“, kommentiert Anke Hirschmann den einstigen euphorischen Ausspruch trocken.

50 Hektar großer Parkplatz soll geschaffen werden

Doch bei allem Pragmatismus glaubt auch sie an die Chance, dass Bad Saarow den begehrten Ryder Cup tatsächlich zu sich holen könnte. Die Landesregierung hilft auch dieses Mal nach: Ausgerechnet der Finanzminister Christian Görke (Linke) stellte erfolgreich beim Bund den Antrag, dass die Veranstalter keine Umsatzsteuer auf ihre Investitionen im Zusammenhang mit dem Turnier zahlen müssen, etwa auf die Miete des Golfplatzes. Gewinne wie der Verkauf von Eintrittskarten müssen aber versteuert werden.

Um das Großereignis im Falle des Zuschlags zu stemmen, musste ein umfangreiches Sicherheitskonzept eingereicht werden. Straßen gehören verbreitert, ein 50 Hektar großer Parkplatz soll geschaffen werden. Der Veranstalter setzt bei der Finanzierung auf Sponsoren.

Anke Hirschmann spielt nicht Golf. „Ich habe es einmal probiert“, sagt sie. „Doch ich hatte zu viel Kraft.“