Ehrung

Preis für Satiremagazin „Charlie Hebdo“

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen ist der Chefredakteur der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, Gérard Biard, in Potsdam geehrt worden.

Der Chefredakteur des französischen Satiremagazins Magazins "Charlie Hebdo", Gérard Biard (l) und der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jacobs (SPD) vor einer Pressekonferenz im Rahmen der Medientagung M100 Sanssouci Colloquium in Potsdam.

Der Chefredakteur des französischen Satiremagazins Magazins "Charlie Hebdo", Gérard Biard (l) und der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jacobs (SPD) vor einer Pressekonferenz im Rahmen der Medientagung M100 Sanssouci Colloquium in Potsdam.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Potsdam.  Die Sicherheitsvorkehrungen waren hoch. Doch die Auszeichnung verlief ohne Störung: Bei der diesjährigen Medienkonferenz in Potsdam wurde am Abend das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ mit dem Potsdamer M100 Media Award geehrt. Mit dem Preis wird das Recht der freien Meinungsäußerung gewürdigt.

Terroranschlag in Paris

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) überreichte den undotierten Preis in der Orangerie von Sanssouci an Chefredakteur Gérard Biard. „Der Terroranschlag von Paris war ein Anschlag auf das Herz unserer Zivilisation, auf unsere Freiheit“, sagte Jakobs. „Die Verteidigung der Freiheit der Meinungsäußerung und aller demokratischen Werte ist unser aller Gebot.“ Insofern habe die Satirezeitschrift den M100 Media Award mehr als verdient.

Bei einem islamistischen Terroranschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ wurden im Januar in Paris zwölf Menschen getötet, darunter bekannte Zeichner. Die freie Welt müsse sich in jeder Weise solidarisch mit den Opfern zeigen, lautet die Begründung des M100-Beirats für die diesjährige Wahl. Nicht die Terroristen, nur wir selbst könnten unsere Werte ernsthaft gefährden und unsere Demokratie beschädigen, betonte der Schriftsteller und Strafverteidiger Ferdinand von Schirach in seiner Laudatio.

„Satire muss einen Schock produzieren“

Chefredakteur Biard sagte in seiner Dankesrede: „Die Überzeugungen und Werte, für die wir eintreten, sind universelle Werte und als solche gehören sie allen Bürgern dieser Welt.“ Biard verteidigte die jüngsten umstrittenen Karikaturen seiner Zeitung zum Tod des Flüchtlingsjungen Aylan. Die Zeichnungen machten sich nicht über den Tod des Kindes lustig, sagte er. „Satire muss einen Schock provozieren.“ Ansonsten sei e s keine gute Karikatur. Satire zeige die Realität. Biard sagte, man müsse mit Karikaturen nicht einverstanden sein. Man könne anderer Meinung sein, aber zu Mord aufzurufen, sei ein Verbrechen.

Videobotschaft von Hans-Dietrich Genscher

In einer Videobotschaft forderte der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) einen Neustart der Europäischen Union – „nicht irgendwann, sondern jetzt“. Zudem plädierte er für eine „Agenda für den Weltfrieden“. Der aktuelle deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hob hervor: „Vor 70 Jahren trafen die Siegermächte bei der Potsdamer Konferenz Entscheidungen von großer Tragweite für die Neuordnung Deutschlands und Europas nach dem Zweiten Weltkrieg.“ Auch heute gehe es darum, Ordnung in eine Welt zu bringen, die aus den Fugen geraten ist.

An einer langen Tafel hatten den Tag über 60 führende Vertreter von Medien, Wissenschaft und Politik über die Perspektiven Europas diskutiert.