Buga 2015

Bundesgartenschau verursacht Minus von zehn Millionen Euro

Die Veranstalter der Bundesgartenschau sprechen trotz der Bilanz von einem Erfolg - und sehen die Region gestärkt.

Herbstlich bepflanzt zeigt sich in Premnitz das Buga-Gelände

Herbstlich bepflanzt zeigt sich in Premnitz das Buga-Gelände

Foto: Bernd Settnik / dpa

Premnitz.  Von einem Fiasko wollte die Oberbürgermeisterin von Brandenburg an der Havel, Dietlind Tiemann, nicht sprechen. Im Gegenteil: In knapp drei Wochen endet die Bundesgartenschau – und zurück bleibt für die CDU-Politikerin „ein riesiger Erfolg für die gesamte Havelregion“. Bei einer ersten Bilanz sagte die Vorsitzende des Buga-Zweckverbandes am Mittwoch: „Auf so viele Gäste und Besucher wie in den vergangenen fünf Monaten konnten die fünf beteiligten Städte noch nie zurückblicken.“ Die Buga habe den Bekanntheitsgrad deutschlandweit gesteigert. Fest steht mittlerweile allerdings auch: Die Bundesgartenschau 2015 hat ein Defizit von rund zehn Millionen Euro verursacht.

„Natürlich wissen wir jetzt, dass die geplanten 1,5 Mio. Besucher nicht erreicht werden, da braucht man gar nicht drum herum reden“, sagte Tiemann. Erstmals fand eine Bundesgartenschau an fünf Orten in zwei Ländern gleichzeitig statt. In Brandenburg an der Havel, Premnitz, Rathenow und Stölln im Havelland sowie im sachsen-anhaltinischen Havelberg. Die Kommunen setzten sich mit diesem außergewöhnlichen Konzept 2007 gegen den Mitbewerber Karlsruhe durch. Zuvor hatte die damalige schwarz-rote Landesregierung in Brandenburg erhebliche Bedenken gegen die Idee angemeldet. Kritiker warnten vor einem möglichen hohen finanziellen Defizit. Doch Dietlind Tiemann und die beteiligten Bürgermeister erhofften sich von der Bundesgartenschau vor allem eins: eine Stärkung der Region.

Die meisten Besucher waren in Brandenburg und Rathenow

Wie viele Besucher bislang gezählt wurden, steht angeblich bislang noch nicht fest. Schätzungsweise sind es 1,3 Millionen. Erhard Skupsch, Geschäftsführer des Buga-Zweckverbandes, sagte: „Zählt man alle Besuche zusammen, kommt man derzeit auf knapp 1,5 Millionen.“ Im Durchschnitt sei die Buga-Eintrittskarte damit 2,5 Mal genutzt worden. „Bei den Dauerkarten konnten wir bis zu 16 Besuche je Karte verbuchen.“ Das Ranking bei den Einzelkarten führt Brandenburg an der Havel an. 413.779 Besucher waren dort über eine Einzelkarte, auf Platz 2 liegt Rathenow mit 296.843 Besuchern, gefolgt von Havelberg mit 290.352 Besuchern. In Stölln/Amt Rhinow wurden 137.733 Besucher gezählt, Schlusslicht ist Premnitz mit 163.068 Besuchern.

Als Gründe für das 10-Millionen-Defizit nannte Skupsch zu wenig Ticketverkäufe, geringere Parkerlöse und Mindereinnahmen bei der Gastronomie auf dem Gelände. Die extremen Wetterbedingungen mit Hitzerekorden, Stürmen und Unwettern machten die temporäre Schließung von einzelnen Arealen erforderlich. Dazu kam der wochenlange Bahnstreik und der kommunale Busstreik. „Solche Ereignisse kann man mit keinem Marketing der Welt kompensieren.“ Tatsächlich fand die Buga gerade wegen ihres neuen Konzepts bundesweit Beachtung. Der Geschäftsführer kündigte an, einen Nachtragshaushalt vorzulegen. Das Defizit müssen die beteiligten Kommunen ausgleichen. Die rot-rote Landesregierung in Potsdam will sich auf keinen Fall beteiligen.

Brandenburg hat 76 Millionen Euro investiert

Das Land hat in begleitende Maßnahmen rund 76 Millionen Euro investiert. Damit wurden laut Wirtschaftsministerium 74 infrastrukturelle und gärtnerische Projekte in den vier brandenburgischen Buga-Kommunen gefördert. So wurde der Bahnhofvorplatz in Brandenburg an der Havel neu gestaltet und die neue Fußgängerbrücke über die Havel in Rathenow. 13,2 Millionen Euro sind allein in die touristische Radwegeinfrastruktur geflossen. „Das sind nachhaltige Verbesserungen, von denen die Region über die Buga hinaus profitiert“, sagte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD).

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte im Sommer bei einem Besuch auf der Buga noch eigens Werbung für die Gartenschau gemacht. Damals hatte sich schon abgezeichnet, dass die erhofften Erlöse nicht erzielt werden. Die Tickets, die für alle fünf Standorte galten, waren ab Mitte Juli günstiger als zu Beginn verkauft worden. Offenbar brachte auch das nicht die Trendwende. Der Regierungschef fand damals vorsorglich positive Worte. „Es geht nicht nur um eine tolle Schau für sechs Monate, sondern darum, die Region nachhaltig weiterzuentwickeln. Die Region hat bereits jetzt schon enorm von der Bundesgartenschau profitiert.“