Polizei

Aus dem Tarnfleckenanzug in die blaue Polizeiuniform

Brandenburgs Polizei fehlt der Nachwuchs. Jetzt werden Feldjäger der Bundeswehr eingesetzt. So wie Markus Veit.

Markus Veit in der Fachhochschule der Polizei Brandenburg. Früher war er Feldjäger der Bundeswehr, jetzt ist er Polizeimeister in Brandenburg

Markus Veit in der Fachhochschule der Polizei Brandenburg. Früher war er Feldjäger der Bundeswehr, jetzt ist er Polizeimeister in Brandenburg

Foto: system / Frank Lehmann

Markus Veit gefällt seine neue blaue Uniform, die seinen bisherigen Tarnfleckenanzug ersetzt. Die zwei blauen Sterne an der Schulterklappe verraten seinen Dienstgrad: Polizeimeister. Das entspricht dem mittleren Dienst.

„Mit stolzgeschwellter Brust standen wir bei unserer Ernennung da“, sagt der 31-Jährige. „Es war ein schöner Moment.“ In einer Feierstunde hat Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke den gebürtigen Chemnitzer zusammen mit 24 anderen Feldwebeln der Bundeswehr in die Polizei aufgenommen – im Beisein von Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) und Fachhochschulpräsident Rainer Grieger Die Unteroffiziere sind nun Beamte auf Probe.

Um den dringend benötigten Nachwuchs für den Wach- und Wechseldienst zu gewinnen, geht Brandenburg bundesweit einmalig diesen Weg. Das Land schloss eine Vereinbarung mit der Bundeswehr, die den Zeitsoldaten eine gesicherte berufliche Perspektive verschafft.

Die Ausbildung dauert 18 Monate

„Ich setze große Hoffnungen auf Sie“, wandte sich der Polizeipräsident an die „erfahrenen Feldjäger“ als neue Kollegen. Auch Markus Veit hat seinen Dienst und seine 18-monatige Ausbildung mit großen Hoffnungen angetreten. „Ich war gern Soldat“, sagt er, „freue mich aber sehr auf meine neue Aufgabe.“

12 Jahre hatte der gelernte Kfz-Mechaniker sich bei der Bundeswehr verpflichtet - bis 28. Februar 2017. Durch die Wehrreform war seine Zukunft aber ungewiss.

Wenn alles gut läuft, kann er nach seinem offiziellen Ausscheiden am 1. März zum Beamten auf Lebenszeit ernannt werden. Das setzt ordentlichen Fleiß beim Büffeln voraus. Momentan drückt Markus Veit wieder die Schulbank.

Spezielles Programm für die Soldaten an der Fachhochschule

An der Fachhochschule der Polizei in Oranienburg. Dort werden die Feldjäger fit gemacht für ihre neue Verwendung. Die Schule hat speziell für die ehemaligen Soldaten ein Programm entwickelt. Es baut auf den Inhalten der Feldjägerausbildung der Bundeswehr und den im Dienst erworbenen Erfahrungen Soldaten auf.

„Die Kenntnisse werden aufgefrischt und durch polizeispezifische Inhalte ergänzt“, sagt der Sprecher der Fachhochschule, Timm Schindler. „Ein großer Teil der Ausbildung wird praxisnah in den Polizeiinspektionen erfolgen, in denen die Beamten dann auch dauerhaft eingesetzt werden.“

In den nächsten anderthalb Jahren muss der „Polizeimeister“ 904 Lehrveranstaltungsstunden besuchen – und danach zu Hause büffeln. Im ersten Modul geht es um Staats- und Verfassungsrecht, aber auch um Eingriffsrechte der Polizei, Straf- und Ordnungswidrigkeiten-Recht sowie Verkehrsrecht. Kriminalistik, taktisches Vorgehen bei polizeilichen Einsatzlagen, Informations- und Kommunikationstechnik schließen sich an.

Auch das Fach Nichtschießen/Schießen steht auf dem Stundenplan. Der Schusswaffengebrauch auf Menschen unterliegt strengen gesetzlichen Regelungen und kommt nur in wenigen begründeten Einzelfällen als „Ultima Ratio“ in Betracht – zum Beispiel, wenn akute Gefahr für Leib und Leben besteht.

Sechs Monate Theorie, ein Jahr Einsatz in Inspektionen

Theorie und Praxis wechseln sich ab. Sechs Monate sind für den theoretischen Teil vorgesehen, ein Jahr lang ist der neue Polizist in den Inspektionen eingesetzt. Heimatnah, wenn gewünscht. „Ich hatte mich für die Inspektion Barnim beworben“, sagt Markus Veit, der seit fünf Jahren in der Gemeinde Panketal im Süden des Landkreises Barnim wohnt. „Die Heimatinspektion ist jetzt auch mein erster Einsatzbereich. Ich bin dort bereits herzlich empfangen worden.“

Das wochenlange Auswahlverfahren als Polizeimeister in spe war streng. Doch die Feldjäger bringen gute Voraussetzungen mit. Als Militärpolizei. Feldjäger fahren Streife, sind auf Bahnhöfen eingesetzt, kontrollieren Bundeswehr-Fahrzeuge.

Die Polizei verständigt sie, wenn beispielsweise ein Militärangehöriger in einen Unfall verwickelt ist. Markus Veit war zuletzt beim Feldjägerbataillon 350 in Berlin-Tegel stationiert. Dort war er unter anderem für die Sicherung von Verkehrs-Transporten zuständig. Bei zwei Auslandseinsätzen in Afghanistan – einmal fünf und einmal sechs Monate – war der Soldat im Personenschutz eingesetzt.

Der Job des Streifenpolizisten ist hart

Was ihn erwartet als Polizist, das weiß er, zumindest ungefähr. „Im August vorigen Jahres habe ich ein Praktikum bei der Autobahnpolizei in Bernau absolviert“, erzählt er. „Es hat mir sehr gefallen.“ Bei der Autobahnpolizei würde er später auch gerne arbeiten.

Dass der Job eines Streifenpolizisten hart ist, schreckt ihn nicht ab. Nach Gewerkschaftsangaben klagen Brandenburgs Polizisten über zu viel Arbeit. Sie seien massiv überlastet. Der Krankenstand ist hoch.

Markus Veit aber klingt hochmotiviert. „Mich reizt die Abwechslung in dem Beruf“, sagt Veit. „Jeden Tag erwartet mich etwas Neues und ich komme mit vielen Menschen zusammen.“ Außerdem ist er so fit, wie sich die Polizei ihre Bediensteten wünscht.

„Ich mache sehr viel Sport“, sagt er. „Kraftsport, Joggen, tauchen.“ Auf dem weitläufigen Campus der Fachhochschule ist viel Gelegenheit zum Sporttreiben. Hobbies hat er einige: Zuhause in Panketal ist Markus Veit Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Und er ist begeisterter Privat-Pilot. Regelmäßig sieht man ihn auf dem Flugplatz in Strausberg.

Polizei benötigt deutlich mehr Stellen als vorgesehen

In seiner zehnjährigen Bundeswehr-Laufbahn ist er sehr oft befördert worden. Stetig ging es bergauf – Gefreiter, Obergefreiter, dann Hauptgefreiter, Feldwebelanwärter, Feldwebel, Oberfeldwebel und schließlich Hauptfeldwebel. Die Beförderungsaussichten bei der Polizei sind hingegen angeblich nicht so rosig, das zumindest beklagt die Gewerkschaft immer wieder.

Doch wenn Markus Veit sich ein Ziel gesetzt hat, klappte das bisher auch. Sein langfristiges Ziel: „Zum Polizeikommissar aufsteigen.“

In den kommenden Jahren werden – vor allem altersbedingt – starke Abgänge bei der Polizei erwartet. Derzeit arbeiten bei der Brandenburger Polizei rund 8050 Mitarbeiter. Die rot-rote Landesregierung hatte im Zuge der 2011 eingeleiteten Polizeireform einen drastischen Personalabbau vorgesehen.

Ursprünglich wollte die rot-rote Regierung die Zahl der Beamten auf 7000 reduzieren. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) teilte kürzlich mit: „Die Polizei benötigt künftig mehr als die bislang geplanten 7855 Stellen im Jahr 2020.“ Es müssten mindestens 8200 Stellen sein. Weil junge Polizisten auf dem Arbeitsmarkt rar sind, wurde die Idee mit den Feldjägern geboren.

øBis 30. September nimmt die Polizeifachhochschule in Oranienburg Bewerbungen zum Einstellungstermin April 2016 entgegen - und ab dem 1. November wieder Bewerbungen für eine Ausbildung oder Bachelor-Studium zum zweiten Einstellungstermin Anfang Oktober 2016 . Mehr Infos im Internet unter www.fhpolbb.de.