Bannmeile

Rauchen und Trinken an Spielplätzen soll verboten werden

Die Verordnung sieht ein Verbot von Alkohol und Zigaretten auf Spielplätze und in einem Bannkreis vor.

Rauchen auf dem Spielplatz: Das soll es nicht mehr geben. Auch Alkoholkonsum ist dort und im Umkreis verboten

Rauchen auf dem Spielplatz: Das soll es nicht mehr geben. Auch Alkoholkonsum ist dort und im Umkreis verboten

Foto: imago/PanoramiC

Tagsüber bauen die Kleinen ihre Sandburgen, am Abend lassen sich Jugendliche auf den Bänken nieder: Alltag auf den meisten Spielplätzen. Auch in Werder an der Havel stößt sich an dieser Praxis niemand – allerdings ab Oktober unter verschärften Auflagen. Eine neue Verordnung sieht ein Verbot von Alkohol- und Zigarettenkonsum nicht nur auf den öffentlichen Spielplätzen selbst, sondern sogar in einem Umkreis von 20 Metern rundherum vor. Beschlossen werden soll diese „Bannmeile“ sowie ein Strauß weiterer Regelungen am 1. Oktober von den Stadtverordneten. Dies bestätigte der 1. Beigeordnete der Stadt, Christian Große (CDU) auf Anfrage der Berliner Morgenpost.

Diskutiert wurden die Ordnungsregeln bereits seit dem Frühjahr in Ortsbeiräten und Ausschüssen. Nötig geworden seien sie durch das anhaltende Bevölkerungswachstum, hieß es damals. Die Liste aller Bestimmungen in der Verordnung ist lang: Neben der Sperrzone für Raucher und Konsumenten von Alkohol sollen auch Hunden engere Grenzen gesetzt werden.

In großen Teilen der Inselstadt und auf der Havelpromenade gelte künftig Leinenzwang, an sechs öffentlichen Badestellen sind Hunde zwischen dem 1. April und dem 30. September gar nicht mehr zugelassen. An allen ausgewiesenen Badestellen für Menschen soll außerdem das Schwimmvergnügen für Hunde generell verboten sein.

Paare dürfen an Brücken keine Liebesschlösser mehr anbringen

Einschränkungen gibt es zudem für Liebende. Der Brauch, seine ewige Verbundenheit mit einem Schloss an einem Brückengeländer zu besiegeln, wird in der Blütenstadt künftig von Ordnungskräften geahndet.

Anlass für den Paragrafen 11 hätten Lackschäden an den Brücken gegeben, sagte der Erste Beigeordnete Christian Große. Die Folge: Die Einfassungen begannen zu rosten.

Bereits im April hatte Großes Parteifreundin, Bürgermeisterin Manuela Saß, laut darüber nachgedacht, ob vor dem Rathaus eine Vorrichtung extra für Liebesschlösser aufgestellt werden könne. Allerdings, so der Einwand damals, fehle dort Wasser, in das die Liebenden symbolisch den Schlüssel versenken können. Eher dem Schutz der Passanten als den Bauwerken soll ein weiterer Passus der neuen Verordnung dienen. So gilt auf Brücken in Werder demnächst ein Angelverbot. Die Bürgersteige scheinen den Stadtverordneten dafür zu schmal, das Risiko von Unfällen unter anderem beim Auswerfen der Angeln ist nach Ansicht der Kommunalpolitiker zu groß.

Für das Verbot, von Brücken aus Wildtiere im Wasser zu füttern, wurden bereits während der Diskussion der Ordnungsregeln aggressive Schwäne als Begründung angeführt. Diese hätten sich unter anderem an der Promenade der Inselbrücke angesiedelt und dort Spaziergänger regelrecht bedrängt, hieß es. So ist es künftig auch zwischen Unter den Linden und dem Wasserwanderrastplatz untersagt, Wasservögel mit Brot anzulocken.

Nicht durchsetzen ließ sich dagegen der von Bürgern geäußerte Wunsch nach mehr Ruhezeiten. Ursprünglich enthielt der Katalog eine Vorschrift zur Mittagsruhe sonnabends zwischen 13 und 15 Uhr. Das ging den Stadtverordneten parteiübergreifend zu weit: Schließlich sei das Wochenende für Berufstätige die einzige Zeit, in der zum Beispiel der Rasen gemäht oder Holz gesägt werden könne. Der Hauptausschuss lehnte den entsprechenden Paragrafen ab.

Schluss mit schlechten Vorbildern

Nicht in allen Punkten ist das brandenburgische Werder mit den neuen Benimmregeln ein Vorreiter. Auch in Berlin begeht eine Ordnungswidrigkeit, wer ein Liebesschloss an eine Brücke hängt – selbst wenn dieses nicht immer umgehend entfernt wird. Alkohol und Zigaretten haben auch auf den Spielplätzen in der Hauptstadt nichts verloren – bereits seit Jahren.

„Mit dem Konsumverbot soll die unerwünschte Vorbildfunktion gegenüber Kindern und Jugendlichen verhindert werden“, sagte der damalige Stadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf und heutige Bundestagsabgeordnete, Klaus-Dieter Gröhler (CDU), 2007 bei der Installation neuer Verbotsschilder im Bezirk. Auch Ruhestörung für die Nachbarn durch ausgedehnte Gelage sollte so unterbunden werden.

Allerdings: In Berlin endet die Sperrzone an der Einfriedung der Spielplätze. Das reichte den Werderanern nicht, die rundherum eine Sperrzone etablieren wollen. In der Hauptstadt noch heftig umstritten ist das Hundeverbot am Schlachtensee und an der Krummen Lanke in Zehlendorf. Dieses war vom Bezirk erstmalig in diesem Jahr für die Sommersaison verhängt worden, um Konflikte mit Badegästen ebenso wie Verunreinigungen der Gewässer zu verhindern.

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