Bauland

Immobilienpreise ziehen im Berliner Umland kräftig an

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Gudrun Mallwitz
Begehrtes Bauland: In Brandenburg haben Haus- und Landbesitzer beim Verkauf ihrer Immobilien im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld eingenommen

Begehrtes Bauland: In Brandenburg haben Haus- und Landbesitzer beim Verkauf ihrer Immobilien im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld eingenommen

Foto: Patrick Pleul / dpa

Die Immobilienpreise im Berliner Umland steigen deutlich – auch rund um den BER. Am teuersten ist es in Potsdam.

Niedrige Zinsen, die gute Konjunktur – und Zukunftsängste. Der Immobilienmarkt ist im Berliner Umland kräftig in Bewegung. In Brandenburg haben Haus- und Landbesitzer beim Verkauf ihrer Immobilien im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld eingenommen.

Der Umsatz erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel auf 4,16 Milliarden Euro. Das teilte der Vorsitzende des Oberen Gutachterausschusses, Jürgen Kuse, am Donnerstag in Potsdam mit. Insgesamt 35.000 Kaufverträge sind 2014 abgeschlossen worden. „Für Bauland, Wohnungen oder Ackerflächen müssen Käufer immer tiefer in die Tasche greifen“, stellt Kuse fest

Vor allem die Preise im sogenannten Speckgürtel um Berlin sind 2014 wieder deutlich gestiegen – bei Einfamilienhäusern um rund sieben Prozent, für Eigentumswohnungen im Erstverkauf wurden im Schnitt etwa fünf Prozent mehr bezahlt.

Wie aus dem aktuellen Grundstücksmarktbericht des Oberen Gutachterausschusses hervorgeht, mussten in den Umlandgemeinden für freistehende Einfamilienhäuser im vergangenen Jahr pro Quadratmeter Wohnfläche 1787 Euro bezahlt werden – 135 Euro mehr als im Jahr davor. In Potsdam, das teuerste Pflaster im Land Brandenburg, kletterten die Preise für freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser von 2141 Euro auf 2576 Euro.

„Besonders gut liefen die Geschäfte auf dem Markt der Eigentumswohnungen“, sagte Vorsitzender Kuse. In Potsdam, wo allein ein Viertel aller Eigentumswohnungen im Land gekauft wurde, stiegen die Preise um fünf Prozent. „Die Landeshauptstadt ist damit inzwischen in etwa auf dem Niveau von Berlin gelandet, abgesehen von den dortigen Spitzenlagen“, betonte Kuse. Es wurden in Potsdam allerdings weniger Wohnungen verkauft als noch im Jahr 2013. Sie kosteten durchschnittlich 3560 Euro pro Quadratmeter.

In berlinfernen Regionen war eine Wohnung schon für durchschnittlich 1560 Euro je Quadratmeter zu haben. Brandenburg bleibt ein geteiltes Land, was die Immobilienentwicklung betrifft: Baureifes Land ist in den Speckgürtel-Gemeinden inzwischen zweieinhalb mal so teuer wie in den berlinfernen Regionen. Die höchsten Bodenpreise wurden mit bis zu 633 Euro pro Quadratmeter ebenfalls in der Landeshauptstadt Potsdam erzielt. Gefragt, weil rar, seien die Lagen am Wasser – und das in ganz Brandenburg.

Der BER als Motor

Weil es immer mehr Menschen in die Hauptstadtregion zieht, dehnt sich der Speckgürtel um Berlin immer weiter aus, bestätigte der Experte. Auch um den künftigen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld steigen die Immobilienpreise weiter. Trotz des höheren Fluglärms, der auf die Anwohner zukommen wird. Und gegen die Erwartungen. So musste ein Käufer 2013 – je nach Ortslage – für ein Einfamilienhaus, Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte (mit einem Baujahr nach 1990) im besonders fluglärmgeplagten Mahlow zwischen 170.000 und 230.000 Euro hinlegen. Ein Jahr darauf waren es bereits zwischen 190.000 und 231.400 Euro. In Schönefeld stiegen die Preise in guter oder sehr guter Wohnlage von 247.000 Euro sogar auf 365.000 Euro. In Blankenfelde von 182.000 in dieser Lage auf 219.500 Euro. „Das hatten wir nicht erwartet“, sagt Immobilienexperte Kuse. „Der Wohnungsbau am Flughafen läuft unbeirrt weiter, die Preise steigen.“

Er erklärt den Anstieg damit, dass die Region um den künftigen Hauptstadtflughafen BER für viele attraktiv ist: wegen der zu erwartenden Arbeitsplätze und auch wegen der hervorragenden Verkehrsanbindung nach Berlin. Allerdings könne derzeit niemand sagen, wie sich die Preise nach der Eröffnung des BER entwickeln, meint der Gutachter. Denn erst dann zeige sich, wie stark sich der zu erwartendestärkere Fluglärm sich auf die Anwohner auswirken werde.

Auch im Südwesten von Berlin zogen die Preise wieder kräftig an. In Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) wurden im Jahr 2013 für ein ab 1990 gebautes Einfamilienhaus, ein Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte durchschnittlich zwischen 338.000 und 558.000 Euro bezahlt. Im Jahr 2014 waren es bereits zwischen 367.000 und 646.000 Euro. Ein weiteres Beispiel: In Glienicke/Nordbahn nördlich von Berlin waren in guten und sehr guten Wohnlagen 300.000 Euro zu zahlen, ein Jahr später 366.000 Euro.

Mehr Agrarland verkauft

Auf dem Land dagegen ist dabei verglichen mit dem Berliner Umland auch beim Hauskauf noch ein Schnäppchen zu machen: Für ein Haus mit 120 Quadratmetern musste man in berlinfernen Regionen im Schnitt 106.690 Euro auf den Tisch legen. Im Berliner Umland kostete es mit 214.440 Euro mehr als doppelt so viel, in Potsdam (309.120 Euro) sogar dreimal so viel. Ein Einfamilienhaus war in Brandenburg ist im Durchschnitt für 1401 Euro pro Quadratmeter zu haben. Es war damit fast vier Prozent teurer als noch 2013.

Das stärkste Wachstum gab es nicht auf dem Wohnungsmarkt, sondern bei landwirtschaftlichen Flächen. Zwar blieb die Zahl der Kaufverträge für Acker- und Forstflächen annähernd stabil. Die verkaufte Fläche stieg aber um mehr als ein Fünftel auf 461 Qua­dratkilometer, der Umsatz erhöhte sich sogar um 63 Prozent auf 351 Millionen Euro.

Nirgendwo in Deutschland sind die landwirtschaftlichen Bodenpreise so niedrig wie in Brandenburg. „Der Kauf von Grundstücken und Häusern ist derzeit sehr attraktiv“, kommentierte Innenstaatssekretär Matthias Kahl (SPD). Die Menschen kauften zum Eigenbedarf, zur Altersvorsorge und als Geldanlage.“ Potenzielle Käufer sollten aber nicht nur die aktuell sehr niedrigen Zinsen im Blick haben. Die Zahl der Zwangsversteigerungen gehen derzeit allerdings stark zurück, wie Gutachter Jürgen Kuse betonte.

Der Grundstücksmarktbericht basiert auf den Kaufverträgen, die Notare melden müssen. Die Daten werden von 16 regionalen Gutachterausschüssen zusammengetragen.