Plakataktion

Kleinmachnow sucht dringend Feuerwehrleute

Im brandeburgischen Kleinmachnow wirbt die Freiwillige Feuerwehr um Kollegen – mit einer auffälligen Plakatkampagne.

Kati gehört zu den gerade einmal fünf aktiven Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr Kleinmachnow

Kati gehört zu den gerade einmal fünf aktiven Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr Kleinmachnow

Foto: Feuerwehr Kleinmachnow

tirn und Wangen rußgeschwärzt, den Helm tief in die Stirn gezogen, ernster Blick, schmale Lippen: Kaum ein Passant, der sich diesen Gesichtern entziehen kann, die in Kleinmachnow vielerorts plakatiert sind.

Jan K., Peter S., Bodo K. und Kati L. lauten die Namen, die auf den metergroßen Steckbriefen zu lesen sind. Doch die Plakataktion ist keine groß angelegte Suchaktion der Polizei. Die vier Abgebildeten sind Werbeträger, Aushängeschilder der Freiwilligen Feuerwehr Kleinmachnow. Die wirbt mit der ungewöhnlichen PR-Kampagne „Wer mit dem Feuer spielt“ im Netz und auf der Straße offensiv um neue Feuerwehrleute im Alter zwischen 17 und 55 Jahren.

220 Einsätze im Halbjahr

„Die vier Mitglieder auf den Plakaten – ein angehender Kraftfahrzeugmechaniker, ein Schuhmachermeister, ein Verlagsangestellter in gehobener Position und eine Bürokauffrau – stehen für die Vielfalt unserer Truppe“, erklärt Gemeindewehrführer Alexander Scholz. Die umfasst mit Jugend- und Ehrenfeuerwehr aktuell 85 Köpfe.

„Davon sind allerdings nur 35 aktive Feuerwehrleute, darunter fünf Frauen“, schränkt der 33-Jährige ein. Zu wenig, um die steigende Zahl der Einsätze auf Dauer stemmen zu können. „Allein im ersten Halbjahr sind wir schon zu mehr als 220 Einsätzen in Kleinmachnow gerufen worden“, sagt Scholz. Eine deutliche Steigerung gegenüber 2014. „Da sind wir im gesamten Jahr 200 Mal ausgerückt.“

„Antrieb ist allein ihr Enthusiasmus“

Das Team leistet Erste Hilfe bei schweren Unfällen, löscht, sichert Bäume und räumt Straßen frei, wenn eine Sturmfront wie am 31. März durch die Gemeinde fegt. Notfalls retten die Feuerwehrleute auch ein Wildschwein vor dem Ertrinken aus dem Teltowkanal oder beseitigen Ölspuren auf der Straße.

Geld erhalten die Freiwilligen nicht. „Antrieb ist allein ihr Enthusiasmus, ihr Wille und die Bereitschaft zu helfen“, so Scholz. „Und das 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.“ Die Männer und Frauen, die im Notfall oft nur Sekunden benötigen, um in ihre schweren Stiefel zu schlüpfen und die dicke Schutzmontur überzuwerfen, seien unverzichtbar für den Ort.

Gerade einmal fünf Berufsfeuerwehren im Land

Denn: Kleinmachnow mit seinen 20.500 Einwohnern muss – wie viele andere Orte in der Mark auch – ohne Berufsfeuerwehr auskommen. „In Brandenburg existieren gerade einmal fünf Berufsfeuerwehren“, so Scholz. In den großen Städten: in Potsdam und Cottbus, Brandenburg an der Havel, Frankfurt (Oder) und Eberswalde.

Wer auf dem Land wohne, sei auf die rund 41.600 Kräfte in den 200 Freiwilligen Feuerwehren angewiesen. „Bezogen auf die Gesamtbevölkerung Brandenburgs mit rund 2.457.000 Einwohnern engagieren sich gerade einmal 1,7 Prozent für ihre eigene Sicherheit“, rechnet Scholz vor. Kleinmachnow stehe mit 0,14 Prozent noch schlechter da.

Jugendfeuerwehr steht hoch im Kurs

Mangel an Freiwilligen herrsche vor allem bei den 30- bis 40-Jährigen. Anders sieht es bei der Jugendfeuerwehr aus. „Die steht bei den Kindern hoch im Kurs.“ Die Krux: „Sobald die jungen Brandschützer die Schule abgeschlossen haben, ziehen die meisten weg.“ Den Zugezogenen, die die Gemeinde in den vergangenen 20 Jahren sprunghaft anwachsen lassen haben, fehle es teils noch an Identifikation mit dem Ort.

Auch mit Konkurrenz hat Scholz zu kämpfen: „Kleinmachnow verfügt über eine ausgeprägte Vereins- und Projektlandschaft.“ Auch die binde zahlreiche Interessierte, die letztlich der Feuerwehr fehlten.

Scholz hält dagegen, bemüht sich um attraktive Angebote für die Mitglieder. Neben der aktiven Ausbildung, die mit ihren technischen Aspekten viel Wissenswertes biete, werde das Beisammensein gepflegt. „Im Sommer treffen sich Schwimmbegeisterte einmal wöchentlich am Freibad, im Winter zum Sport in der Turnhalle, zu Pfingsten geht es meist auf dem Rad zu einem dreitägigen Ausflug, im Herbst kann sich beim Feuerwehrball amüsiert werden.“

Echo auf Online-Werbung

All das steht auch auf der eigens entwickelten Homepage und auf der Facebook-Seite der Feuerwehr. „Das Echo gerade auf die Onlinewerbung ist enorm“, so Scholz. „Auch ein Zehlendorfer hat jetzt bei uns angefragt.“ Gefragt sind allerdings nur diejenigen, die in Kleinmachnow leben oder arbeiten. „Zu Engpässen kommt es insbesondere in der Tagesbereitschaft, weil viele Kameraden außerhalb arbeiten.“ Umso mehr freue er sich, wenn er Mitstreiter gewinnen könne, die in Kleinmachnow tätig sind.