Brandenburg

Waldbrandgefahr - Gebietsweise höchste Warnstufe ausgerufen

Bei dem heißen Sommerwetter steigt in ganz Brandenburg die Waldbrandgefahr. Auch Schauer bringen keine Entwarnung

Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren in Brandenburg sind seit dem Wochenende im Dauereinsatz. Schwerpunkt der Einsätze ist unter anderem der Landkreis Dahme-Spreewald südöstlich von Berlin

Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren in Brandenburg sind seit dem Wochenende im Dauereinsatz. Schwerpunkt der Einsätze ist unter anderem der Landkreis Dahme-Spreewald südöstlich von Berlin

Foto: Foto: ABIX / ABIX

Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg, ist in Alarmbereitschaft. Er klickt ein paar Mal auf seine Maus und gibt den Ortsnamen Baruth in die Suchmaske ein: Lufttemperatur 32,3 Grad Celsius, Temperatur am Boden 36,1 Grad. Und das am frühen Nachmittag. 40 Kilometer Windgeschwindigkeit in den Spitzen. „Das ist nicht gut“, sagt Engel. Waldbrandwetter. In Brandenburg herrschte am Dienstag Gefahrenstufe 4, in vier Landkreisen – Barnim, Märkisch-Oderland, Dahme-Spreewald und Oberspreewald-Lausitz – galt die fünfte, höchste Gefahrenstufe.

Wegen einer Gewitterfront, die am Dienstag von West nach Ost zog, wurden die Gefahrenstufen für Mittwoch zwar automatisch zurückgestuft, der Waldbrandschutzbeauftragte aber traut der Entwarnung nicht. „Das ist ein falsches Signal“, sagt Engel, „die Brandgefahr bleibt enorm.“ Der ausgedörrte Waldboden werde die Niederschläge nicht aufnehmen können, schon für Donnerstag und Freitag wurde eine erneute Anhebung der Gefahrenstufen bis ans obere Ende der Skala prognostiziert.

Und die vergangenen Tage zeigen: Es ist brandgefährlich in Brandenburgs Wäldern. Nahe Schwedt in der Uckermark stand am Dienstagmittag ein Getreidefeld in Flammen, 50 Hektar waren betroffen, darunter auch ein bis zwei Hektar Wald. Laut Polizei waren 16 freiwillige Feuerwehren aus den umliegenden Gemeinden und ein Polizeihubschrauber im Einsatz. Außerdem registrierte der Brandschutzbeauftragte einen Brand auf vier Hektar Land in Gülen-Glienicke nördlich von Neuruppin sowie auf dem Truppenübungsplatz Lehnin.

Schon am Montagnachmittag brannten in der Nähe des bekannten Tropical Island im Landkreis Dahme-Spreewald südöstlich von Berlin zwei Hektar Wald. Etwa 75 Einsatzkräfte waren im Einsatz. Zeitgleich kämpften andere Feuerwehrleute an zwei weiteren Stellen im Landkreis gegen die Flammen. An der A13 bei Freiwalde brannten 500 Quadratmeter Böschung, in einem Wald bei Birkholz fielen circa 2000 Quadratmeter Wald den Flammen zum Opfer.

Auch die Meteorologen geben keine Entwarnung. Nach Prognosen des Deutschen Wetterdienstes werden die Temperaturen bis Ende der Woche weiter ansteigen. Dann drohen Gewitter und erneute Hitze. Laut Thomas Globig, Meteorologe beim Wetterdienst Meteomedia, seien auch die erwarteten Niederschläge nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Ich rechne bis Monatsmitte mit hoher Brandgefahr“, sagt der Wetterexperte. Besondere Verhaltensregeln ergeben sich aus den hohen Gefahrenstufen aber nicht. Generell gilt: Rauchen und offenes Feuer ist in allen Brandenburger Wäldern verboten, auch an Seeufern und Flüssen. Ebenfalls nicht erlaubt: Fluglaternen – unabhängig davon, wie weit der nächste Wald entfernt ist. „Auch das Abbrennen von Feuerwerken ist im Moment mehr als fahrlässig“, warnt Engel. Er rät, sich am besten ganz aus den Wäldern fernzuhalten.

Sandiger Boden als Problem

Ein Zugangsverbot aber werde es auch bei extremer Waldbrandgefahr nicht geben. Oft seien es gerade umsichtige Bürger, die auf Waldbrände aufmerksam machten. Die Wälder werden mit mehr als 100 Kameras überwacht, die jegliche Rauchentwicklung registrieren. Allerdings erst, wenn die Rauchwolke über die Baumwipfel aufsteigt. Engel ruft deshalb jeden dazu auf, die Feuerwehr zu alarmieren, sobald er einen Brand im Walddickicht entdeckt. Ein weiterer Appell des Waldschutzbeauftragten: keine Autos im Wald parken, schon gar nicht auf Waldwegen. Versperrte Zufahrten könnten der Feuerwehr wichtige Minuten rauben, um einen Brand schnell unter Kontrolle zu bringen.

Ein Drittel der Brandenburger Landesfläche, also rund 1,1 Millionen Hektar, sind Waldgebiete. Alleine in diesem Jahr sind bislang rund 300 Hektar abgebrannt. 231 Waldbrände wurden registriert, und Engel erwartet bis Ende September noch mindestens 70 weitere. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2014 hat es knapp 120 mal gebrannt, 27,4 Hektar wurden beschädigt. Dennoch, da sind sich Meteorologe Globig und Waldschützer Engel einig, dieses Jahr ist für Brandenburg durchschnittlich. Im Jahrhundertsommer 2003 standen die Brandenburger Wälder 600 Mal in Flammen.

Dass es 2015 im Vergleich zum Vorjahr öfter brennt, liegt laut Globig am trockenen Februar und an den wenigen Niederschlägen im Frühjahr. Weil der Sandboden ausgedörrt ist, konnten auch die jüngsten Gewitter und Regengüsse nichts ausrichten. „Besonders gefährdet sind Kiefernwälder, also der ganze Süden und Osten des Landes“, sagt Engel. Grund: der sandige Boden, höhere Temperaturen sowie Harze und ätherische Öle, die den Flammen zusätzliche Nahrung bieten. Weiteres Problem: Auf Militärbrachen entzünden sich bei großer Hitze Munitionsreste von selbst und entfachen immer wieder Brände.

Laut Wetterdienst wird der kommende Freitag mit 34 bis 38 Grad im Süden Brandenburgs der heißeste Tag dieser Woche. Für den Waldbrandschutzbeauftragte Engel steht fest: Er wird auch über das Wochenende hinaus in höchster Alarmbereitschaft bleiben.