Brandenburg

Schwimmbad wird zum Wahlkampfthema in Falkensee

Bürger aus Falkensee nordwestlich von Berlin setzen sich für einen Neubau ein. Jetzt reagiert die Politik – bald wird gewählt.

Abtauchen wie diese beiden Mädchen: In Falkensee fordern Bürger den Bau eines Schwimmbades

Abtauchen wie diese beiden Mädchen: In Falkensee fordern Bürger den Bau eines Schwimmbades

Foto: Getty Images / Image Source/Getty Images

Im Sommer erfrischen sich jeden Tag bis zu 1500 Besucher im städtischen Waldbad. In den Herbst- und Wintermonaten aber sitzen die Falkenseer buchstäblich auf dem Trockenen. „Das nächstgelegene Hallenbad ist in Berlin-Spandau“, sagt Bürgermeister Heiko Müller (SPD). Er wirbt für die Investition: „Falkensee sollte sich eine eigene Schwimmhalle leisten.“

5000 Unterschriften haben der Seniorenbeirat, die SPD und andere Falkenseer für einen entsprechenden Einwohnerantrag gesammelt, fünfmal so viele wie nötig gewesen wären. Sie wollen, dass ein Hallenbad in die Prioritätenliste aufgenommen wird.

Es ist Bürgermeisterwahlkampf in der Kleinstadt nordwestlich von Berlin. Am 27. September muss Müller sein Amt vor allem gegen die frühere Justizministerin Barbara Richstein (CDU) und die Grünen-Landtagsabgeordnete Ursula Nonnemacher verteidigen. Gestritten wird um die besten Zukunftskonzepte für eine Kommune, die nach dem Fall der Mauer so sehr gewachsen ist wie kaum eine andere in Deutschland.

Zuzugs-Boom hält an

Die Einwohnerzahl hat sich mittlerweile auf knapp 42.000 verdoppelt. Und der Boom der Speckgürtel-Kommune könnte anhalten: Bürgermeister Müller rechnet damit, dass Falkensee im Jahr 2030 zwischen 46.000 und 47.000 Bewohner haben wird. Die Meisten, die hier wohnen, arbeiten in Berlin.

Kamen anfangs vor allem junge Familien, zieht es mittlerweile immer mehr Ältere ins Umland. Deshalb hat sich auch der Seniorenbeirat des Hallenbadproblems angenommen. Der Einwohnerantrag, wonach das Hallenbad in die Prioritätenliste aufgenommen werden soll, kommt voraussichtlich am 30. September auf die Tagesordnung der Stadtverordneten.

Sorge vor finanzieller Belastung

Eigentlich wollen sie alle den Falkenseern eine Schwimmmöglichkeit bieten: Die SPD wie die Linke, auch die CDU und die Grünen sind nicht dagegen. Doch treibt sie die Sorge vor einer zu hohen finanziellen Belastung um. Auf Initiative der CDU fordern die Fraktionen von Union, FDP und Grünen/ABü deshalb Konzeptstudien, die untersuchen sollen, welche Hallenbadvarianten und Betreibermodelle sinnvoll sein könnten – und finanziell vertretbar sind.

„Die Forderung nach einem Hallenbad ist für so eine große Stadt wie Falkensee berechtigt, aber jeder, der ein Haus baut, prüft vorher, ob er sich dieses auch leisten kann“, sagt CDU-Bürgermeisterkandidatin Richstein. Auch geeignete Standorte sollen von 2016 an untersucht werden. Grünen-Kandidatin Nonnemacher warnt: „Wir leben nicht im Absolutismus. Ich halte es für falsch und gefährlich, Versprechungen zu machen, die womöglich nicht haltbar sind.“

Was ein Gutachter sagt

Die SPD will auch keine unhaltbaren Versprechungen machen, kontert Heiko Müller. Um das zu unterstreichen, hatte sie für Dienstagabend zu einem „Öffentlichen Bürgerabend“ eingeladen. Mit dem Schwimmbadexperten Peter Arnke vom Architekturbüro AHM.

Der Professor an der staatlichen Beuth Hochschule für Technik Berlin stellte vor, wie der Bedarf ermittelt wird. Sein Fazit: Es sei schwierig, mit einem Bad kein Minus zu erzielen, aber nicht unmöglich, es wirtschaftlich zu betreiben. „Die Bevölkerung in Falkensee ist relativ solvent und an Sport- und Entspannungsmöglichkeiten interessiert“, sagt der Architekt. „Ich empfehle der Stadt ein qualitativ höherwertiges Schwimmbad mit einem ansprechenden Wellness-Angebot und attraktiven Öffnungszeiten.“

Das Land Brandenburg fördert nach Recherchen der Berliner Morgenpost den Bau von Hallen-, Strand- und Freizeitbädern nur noch bei hoher überregionaler Bedeutung wie bei den Olympiastützpunkten. Oder aber wenn die Bäder in Kur-und wellnessorientierten touristischen Vorhaben eingebunden sind. Bürgermeister Müller sieht darin kein Hindernis für den Hallenbadbau. „Wir wollen doch, dass unsere Bürger sich in der Stadt wohlfühlen.“