Panketal

Dreijähriges Mädchen im Pool des Nachbarn ertrunken

Das Mädchen aus Berlin war zu Besuch bei seinen Großeltern. Ein Notarzt konnte es noch reanimieren. Es starb wenig später im Krankenhaus.

Ein dreijähriges Mädchen ist nach dem Sturz in einem Pool in Panketal (Kreis Barnim) gestorben. Ein Notarzt hatte das Kind am Donnerstagabend noch reanimiert. Es starb aber anschließend im Krankenhaus, wie die Polizei der Direktion Ost am Freitag mitteilte. Eine Obduktion soll jetzt die genaue Todesursache klären.

Das Mädchen lebte in Berlin und war zu Besuch bei seinen Großeltern in Panketal. Das Kind soll von den Großeltern unbemerkt auf das Grundstück eines Nachbarn gelaufen und dort in den Pool gefallen sein. "Wir gehen von einem Unglücksfall aus", erklärte eine Polizeisprecherin. Ob die zuständige Staatsanwaltschaft in Frankfurt/Oder ermittelt, ist noch völlig offen. Auch nähere Details zum Fall seien bei der Staatsanwaltschaft nicht bekannt, hieß es auf Anfrage dieser Zeitung.

Ungeachtet des jüngsten Falls und völlig unabhängig von den tragischen Ereignissen sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, dass zwei mögliche Szenarien geprüft werden müssten: Ist der Poolbesitzer seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen oder wurde die Aufsichtspflicht verletzt? Im zweiten Fall könnte es zu einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung infolge des Unterlassens kommen.

Es stellt sich also die Frage, wer bei einem Unfall haftet? Generell ist der Eigentümer eines Grundstücks für den Zustand eines Grundstücks verantwortlich. Das umfasst auch die sogenannte Verkehrssicherungspflicht. Doch gibt es zu diesem Thema unterschiedliche Auslegungen. Nach einer älteren Rechtsprechung muss der Verkehrssicherungspflichtige sein Grundstück so einzäunen, dass Dritte das Grundstück nicht einfach betreten und zum Gartenteich, zur Regentonne oder dem Pool gehen können.

Sei das nicht möglich, das Grundstück gegen unbefugtes Betreten zu schützen, muss die Wasseroberfläche so abgedeckt werden, dass ein Hineinfallen oder gar ein Ertrinken ausgeschlossen ist. Das kann durch Gitterroste, Planen oder beispielsweise durch Holzverschläge geschehen. So beschreibt es Rechtsanwalt Christian Kotz ausführlich auf seiner Internetseite. Diese Pflicht würde besonders bestehen, wenn es in der Nachbarschaft Kleinkinder gibt.

Meist ein Aufsichtsversagen

"Nach der neueren Rechtsprechung müssen Kleinkinder ständig unter Aufsicht stehen, so dass ein Gartenteich-, Regentonnen- oder Poolbesitzer in der Regel nicht mit einem Aufsichtsversagen des Aufsichtspflichtigen rechnen muss", sagte Christian Kotz der Berliner Morgenpost. "Das ist aber keine feststehende Rechtsprechung. Im Einzelfall kann es immer noch zu einer Haftung eines Gartenteich-, Regentonnen- oder Poolbesitzers kommen."

"Leben und spielen Kinder in der Nachbarschaft, besteht eine gesteigerte Verkehrssicherungspflicht. Der Poolbesitzer muss wirksame und auf Dauer angelegte Schutzmaßnahme ergreifen, um Kinder vor den Folgen ihrer Unerfahrenheit und Unbesonnenheit zu schützen", sagte der Jurist. "Das gilt vor allem in den Fällen, in denen der Verkehrssicherungspflichtige weiß, dass die Nachbarkinder auf seinem Grundstück spielen, selbst wenn er es ausdrücklich verboten hat."

Besonders tragisch ist, dass der Ertrinkungstod von Kindern in den meisten Fällen leise geschieht, sagen Experten. Ein ehemaliger Rettungsschwimmer berichtet, dass das Ertrinken fast immer ein ruhiger Vorgang sei und Kleinkinder nicht, wie oft angenommen, durch Winken und Schreien auf sich aufmerksam machen würden. Genau dies erwarten die meisten Menschen eigentlich. Tatsächlich wirkt das Ertrinken nicht wie ertrinken. Würden Kinder mit ihrem überproportional großem Kopf ins Wasser fallen, löse dies eine Art Schockreaktion aus. "Die Stimmritze im Rachenraum schließt sich und macht die Atmung unmöglich", sagt der Kinder- und Jugendarzt Ulrich Fengler. "Dieser schockartige Reflex, der die Atmung blockiert, wird auch ,trockenes Ertrinken' genannt." Oft würde das Kind dabei ersticken, ohne dass ein Tropfen Wasser in die Lunge gelangt.

Laut der European Child Safety Alliance (ECSA) verunglücken Kinder bis zu zwei Jahren am häufigsten in der Badewanne. Für die Ein- bis Dreijährigen wird der Gartenteich zur tödlichen Gefahr, die Zwei- bis Sechsjährigen ertrinken überwiegend in offenen Gewässern. Kinder im Alter von sechs Jahren und älter ertrinken meist in Schwimmbädern.

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