Prozess

Viele Indizien sprechen für die Schuld des „Maskenmanns“

Der Staatsanwalt fordert im Prozess gegen den mutmaßlichen „Maskenmann“ eine lebenslange Haftstrafe. Indizien deuten auf Mario K. als Täter hin - aber sichere Beweise gibt es nicht.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Es gibt Prozesse, da resümiert der Staatsanwalt am Ende, dass er immer noch an die Schuld des Angeklagten glaube, die Beweislage aber einfach zu dünn sei. Deshalb beantrage er einen Freispruch. Staatsanwalt Jochen Westphal hat sich im Prozess vor dem Schwurgericht in Frankfurt (Oder) gegen den 46-jährigen Mario K. anders entschieden und fordert am Mittwoch eine lebenslängliche Gesamtfreiheitsstrafe. Westphal ist nach wie vor überzeugt, dass es sich bei Mario K. um den sogenannten „Maskenmann“ handelt. Ein Täter, der im August 2011 und im Oktober 2011 Anschläge auf die Ehefrau und die Tochter eines Berliner Unternehmers verübte und dabei den Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma anschoss. Vorgeworfen wird Mario K. zudem die Entführung von Stefan T., Chef einer Berliner Investmentfirma.

Widersprüchliche Angaben

Es gibt in diesem Prozess nach 53 Tagen Verhandlung keinen einzigen Beweis. Es gebe aber, so der Staatsanwalt, viele Indizien. Nicht alle seien auf dem ersten Blick wichtig. Doch in ihrer Gesamtheit – Jochen Westphal wiederholt das wie ein Mantra – lasse sich „eine Täterschaft nachweisen und dem Tatrichter dafür auch die erforderliche Überzeugung vermitteln“. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Denn die von ihm präsentierten Indizien wirken nicht zwingend überzeugend oder wirken sogar interpretiert – zu Ungunsten des Angeklagten.

Das beginnt, um nur ein Beispiel zu nennen, bei der Beschreibung des Täters. Westphal geht davon aus, dass zwei der vom „Maskenmann“ attackierten Opfer K. als Täter erkannten. Die Frau des Berliner Unternehmers sprach vor Gericht von einer „markanten Kopfform“ und einem „abstehenden linken Ohr“. Beides glaubte sie im Gerichtssaal bei Marion K. wiederzuerkennen. Der Täter, so Staatsanwalt Westphal, war jedoch „extrem maskiert“. Und die 1,65 Meter große Zeugin war überzeugt, der „Maskenmann“ habe in etwa ihre Größe gehabt. Der Angeklagte, das wurde im Gerichtssaal vermessen, ist 1,85 Meter groß. Was Westphal zu erwähnen vergaß: Die Frau beschrieb den Täter als „rothaarig“, Mario K. ist brünett. Und er hat auch nicht die von der Zeugin beschriebenen „basedowschen Augen“.

Aber die könnten in diesem Moment auch so groß gewesen sein, so der Staatsanwalt, weil sich der Täter beim Einprügeln auf die Frau so anstrengt habe. Ein wichtiges Indiz ist für Westphal ebenso, dass der entführte Stefan T. den Angeklagten an der Stimme erkannt haben soll. Richtig ist, dass T. bei einer Vergleichsanalyse aus sechs vorgespielten Proben die Stimme von K. am ähnlichsten fand. Er hatte aber auch festgestellt, dass es für ihn „keinen Wiedererkennungswert“ gebe.

Affinität zu Kanus, vorbestraft, lebte im Wald

Es ist unstrittig, dass Mario K. Rechtshänder, Brillenträger, kräftig und durchtrainiert ist, eine Affinität zu Kanus hat. Bei allen drei Überfällen sollen Kanus benutzt worden sein. Bekannt ist auch, dass er mehrfach vorbestraft ist und schon damals vor diesen Taten zeitweise im Wald lebte. K. spricht Berliner Dialekt, ist offenkundig ein verschrobener, manchmal auch zur Aggression neigender Typ.

Auch eine Pistole der Marke Ceska hat in seinem kriminellen Vorleben schon eine Rolle gespielt. Es könnte sogar sein, dass Marion K., wie der Staatsanwalt einschätzt, „einen Hass auf Reiche hat“. Alle diese Parallelen werden von Westphal akribisch aufgezählt – und als belastende Indizien gewertet. Es sind indes mehr Beispiele dafür, warum Mario L. der „Maskenmann“ sein könnte.

Doch kann das für eine Verurteilung reichen? Das Gericht darf an der Schuld des Angeklagten keine Zweifel haben. Ob der Staatsanwalt sie ausräumen konnte, wird sich beim Urteil erweisen. Mit diesem ist nach den Plädoyers der Nebenklage und der Verteidigung frühestens im Juni zu rechnen.