Proteste

Bundeswehr will in der Döberitzer Heide Schießanlage bauen

Die Bundeswehr will künftig in der Döberitzer Heide mit scharfer Munition üben. Anwohner protestieren gegen die Pläne. Auch die Sielmann-Stiftung lehnt den Schießplatz ab.

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Die beliebten Wohnorte Groß Glienicke (Potsdam) und Seeburg (Landkreis Havelland) sind nicht allzu weit weg. Und bald soll in der Nähe ein neuer Potsdamer Stadtteil entstehen. Die brandenburgische Landeshauptstadt plant auf dem ehemaligen Kasernengelände Krampnitz 1600 Wohnungen für 3800 Menschen. Vor allem die Ruhe soll junge Familien einige Kilometer vor die Stadt locken. Kein Wunder, dass es Proteste hagelt, seit jüngst bekannt wurde, dass die Bundeswehr auf ihrem Gelände im Süden der Döberitzer Heide einen Schießplatz ausbauen möchte. Für Übungen mit scharfer Munition. Jetzt meldete sich auch die Heinz-Sielmann-Stiftung warnend zu Wort.

„Artenvielfalt und Naturerlebniswert der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide werden durch den Schießstand in jedem Fall empfindlich gestört“, sagte Stiftungsvorstand Michael Beier am Montag. Er befürchtet: „Zehn Jahre Naturschutzarbeit und 13 Millionen Euro Spendengelder könnten den Schießübungen der Bundeswehr zum Opfer fallen.“ Die Stiftung lehne die Erweiterung des Bundeswehrstandortes ab. „Ich fordere die Bundeswehr auf, die Planungen und den Bau einer Sammelschießanlage an diesem Standort einzustellen“, sagte Michael Beier.

Beispielloser Artenreichtum

Die Döberitzer Heide, ein knapp 3600 Hektar großes Gelände, wird seit dem 18. Jahrhundert militärisch genutzt. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen Anfang der 90er-Jahre wurde der größte Teil der Heide zum Naturschutzgebiet erklärt, 2004 erwarb die Heinz-Sielmann-Stiftung die Flächen. Ein etwa 800 Hektar großes Areal im Süden der Heide dient der Bundeswehr aber weiterhin als Übungsplatz. Die Döberitzer Heide und das angrenzende Ferbitzer Bruch bilden dank ihres beispiellosen Artenreichtums einen Naturraum von bundesweiter und internationaler Bedeutung. An die 5500 Tier- und Pflanzenarten wurden dort festgestellt.

Allein 236 Wespen-, 188 Bienen-, sowie 198 Vogel- und 53 Säugetierarten wurden nachgewiesen, viele stehen auf der Roten Liste bedrohter Arten. Seltene Vögel wie der Seeadler oder der Wiedehopf leben auf der Döberitzer Heide. „Sie brauchen große, störungsfreie Gebiete, um heimisch zu werden und Nachwuchs heranzuziehen“, sagte Stiftungsvorstand Beier.

Auf Anfrage der Berliner Morgenpost erläuterte am Montag eine Sprecherin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr erstmals offiziell die Pläne. Auf dem Standortübungsplatz Berlin in der Döberitzer Heide plane die Bundeswehr eine „Sammelstandortschießanlage“ mit fünf Lang- (250m) und sechs Kurzschießständen (25m). Soldaten aus Berlin und Brandenburg sollen mit Handwaffen üben. „Dazu zählen Pistolen, Maschinenpistolen und Gewehre“, sagte die Sprecherin.

„Geplanter Baubeginn ist Ende 2017, die Fertigstellung ist im Jahr 2021 vorgesehen.“ Die Bundeswehr habe ein „Planungsersuchen“ an den Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) gerichtet. Dort werde derzeit die immissionsschutzrechtliche und naturschutzrechtliche Umsetzbarkeit untersucht. „Nach derzeitigem Planungsstand rechnet die Bundeswehr frühestens Mitte des Jahres 2015 mit ersten Ergebnissen durch den BLB“, sagte die Sprecherin. Alle Interessen würden im Verfahren berücksichtigt.

„Für die Bundeswehr ist es von besonderer Bedeutung, die Bürger der anliegenden Gemeinden und Ortsteile frühzeitig und umfassend über geplante Vorhaben zu unterrichten und zu beteiligen.“ Der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Michael Henjes, äußerte sich am Montag ähnlich gegenüber der Berliner Morgenpost.

Publik gemacht hatte das umstrittene Vorhaben die Linke-Landtagsabgeordnete Andrea Johlige. Sie stieß auf eine Drucksache im Bundestag. Daraus ging hervor, dass die Bundeswehr an dem Standort in der Döberitzer Heide in den nächsten Jahren 14 Millionen Euro investieren möchte. Eine parlamentarische Anfrage an die Landesregierung brachte die Bestätigung.

Brief an Ursula von der Leyen

Die Potsdamer SPD-Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein hat inzwischen an Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) geschrieben und um Auskunft gebeten. „Das Übungsgelände befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur früheren Militärkaserne Krampnitz, auf dem ein neues Viertel für Tausende Anwohner entstehen soll“, so Wicklein in ihrem Brief. „Es ist schwer vorstellbar, dass angesichts von Maschinenpistolenlärm eine erfolgreiche Entwicklung des Areals mit Wohnungen möglich ist.“ Die SPD-Abgeordnete fordert Transparenz und appelliert, „die Bürger, die Stadt Potsdam und die Heinz-Sielmann-Stiftung einzubeziehen.“

Der Potsdamer Rathaus-Sprecher Jan Brunzlow sagte auf Anfrage: „Leider sind wir bislang nicht dazu befragt worden. Wir haben uns selbst an die Bundeswehr gewandt.“ Er machte deutlich: „Die Stadt hält die Pläne für falsch, in der Nähe von Wohnungen Schießplätze auszubauen.“