Prozess

„Pillen-Bande“ will kein „krimineller Haufen“ sein

Sie machten Millionen mit gefälschten Viagra-Pillen und Schlankheitsmitteln. Nun steht der mutmaßliche Chef der„Pillen-Bande“ vor Gericht. Doch kurz nach dem Start wurde der Prozess unterbrochen.

Foto: dpa Picture-Alliance / William Vazquez / picture alliance / AP Photo

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Chef der „Pillen-Bande“ und vier Komplizen ist wenige Minuten nach Beginn am Freitag unterbrochen worden. Er geht am 18. Dezember am Landgericht Potsdam weiter. Grund ist ein Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Andreas Dielitz.

Unter anderem kritisiert die Verteidigung, dass er sich in einem Parallelverfahren abschätzig gegenüber Bandenmitgliedern geäußert und sie als „kriminellen Haufen“ bezeichnet habe. Außerdem sei Dielitz nicht mehr unvoreingenommen, weil er in zwei weiteren Verfahren gegen andere Bandenmitglieder sich bereits eine Meinung gebildet habe, erklärte ein Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft wies den Antrag zurück. Das Gericht prüft jetzt die Vorbehalte.

Dem 45-jährigen mutmaßlichen Banden-Chef und seinen Komplizen werden unter anderem gewerbsmäßiger Betrug, Bildung einer kriminellen Vereinigung und bandenmäßiger Schmuggel vorgeworfen. Die Bande soll für weit mehr als 21 Millionen Euro gefälschte Potenz- und Schlankheitsmittel im Internet verkauft haben. Das Gericht hat bereits einige Täter verurteilt, andere müssen sich in weiteren Prozessen verantworten.

In Uruguay aufgespürt

Der mutmaßliche Bandenchef hatte sich im April 2011 ins Ausland abgesetzt. Fahnder spürten ihn jedoch in Uruguay auf. Auf Ersuchen deutscher Behörden nahm ihn die Polizei dort fest. Nach seiner Auslieferung kam der Mann, der aus Frankfurt/Main stammt, im vergangenen März in Brandenburg/Havel in Untersuchungshaft.

Insgesamt gab es mehr als 30 Verfahren gegen Mitglieder der Bande, etwa ein Viertel davon wurde per Strafbefehl abgeschlossen. Nach mündlicher Verhandlung hat das Landgericht Potsdam im Oktober erste Urteile gesprochen. Drei „Webmaster“, die Internet-Portale für die Organisation betrieben hatten, wurden wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs sowie Verstößen gegen das Arzneimittelrecht verurteilt. Ein 29-Jähriger erhielt eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten, für zwei Mittäter gab es Bewährungsstrafen.