Rund um Sacrow

Die Heilandskirche stand einst im DDR-Niemandsland

Ein Ausflug um den Sacrower See lohnt sich. Er ist nicht nur schön, sondern auch historisch interessant: In der Heilandskirche haben einst DDR-Grenzer gewütet. Heute ist sie Weltkulturerbe.

Foto: Reto Klar

Vom Rittergut zum verträumten Ausflugsort, so könnte man Sacrows Geschichte knapp umreißen. Doch der heutige Potsdamer Ortsteil steht vor allem für eines: die deutsch-deutsche Teilung. Tausende West-Berliner haben bei Dampferfahrten die Sacrower Heilandskirche bestaunt, die weithin sichtbar am Havelufer und doch unerreichbar im Niemandsland der DDR-Grenzanlagen stand. Die Sacrower und ihre Besucher mussten nach dem Mauerbau täglich viele bürokratische Hürden und massive Kontrollen überwinden, um zu ihren Wohnhäusern zu gelangen.

Der Bus 697 der Verkehrsbetriebe Potsdam fährt stündlich von Kladow nach Sacrow. Der Rundgang beginnt und endet an der Haltestelle Weinmeisterweg. Über die Brücke, die den Schiffgraben überquert, geht es über die Krampnitzer Straße nach einem Wäldchen links in die Fährstraße. Dort liegt der Eingang zum Sacrower Schlosspark. Der Schritt durch die unscheinbare Pforte ist ein Schritt in das Weltkulturerbe der Potsdamer Schlösserlandschaft. Auch hier hat Gartenbaumeister Peter Josef Lenné seine Handschrift hinterlassen.

Der erste Weg führt zwangsläufig zum Schloss. Der kleine Barockbau hat oft den Besitzer gewechselt. 1773 ließ Graf Ludewig von Hordt, Gouverneur der Spandauer Zitadelle auf Gut Sacrow ein Herrenhaus errichten. Sechs Jahre später kaufte Heinrich Karl de la Motte Fouqué das Gut. Sein Sohn, der Dichter Friedrich de la Motte Fouqué, soll in Sacrow zu seinem Werk „Undine“ inspiriert worden sein.

Passion des Königs

Als König Friedrich Wilhelm IV. 1840 Gefallen an dem Fleckchen fand, wurde aus dem Herrenhaus ein Schloss. Sein Hofarchitekt Ludwig Persius erweiterte das Gebäude. Der König machte es zum Predigerhaus für die Heilandskirche. Vom barocken Innenleben ließen spätere Schlossnutzer – vom Generalforstmeister im Dritten Reich bis zur Spürhundeschule der DDR-Grenztruppen – nichts übrig. Das Innere kann auch nur bei Veranstaltungen besichtigt werden. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die seit 1993 Schloßherrin in Sacrow ist, ließ die Idee, aus dem Haus ein Museum zu machen, fallen. Der Verein „ars sacrow“ sorgt mit Ausstellungen, Lesungen und Konzerten dafür, dass das Schloss nicht in Vergessenheit gerät.

Lennés Park hat die Schlösserstiftung wieder hergerichtet. Die 1000-jährige Eiche westlich des Schlosses soll der älteste Baum Potsdams sein. Der Uferweg im Süden ist der aussichtsreichste Abschnitt des Schlossparks. Über das Wasser des Jungfernsees hat man von hier einen grandiosen Blick zur Glienicker Brücke, auf das Schloss und den Flatowturm von Babelsberg. Die restaurierte Römische Bank am Wassersaum lohnt noch einen Rundblick.

Schon von Weitem ist der 20 Meter hohe Campanile der Heilandskirche am Port zu sehen. Baumeister Ludwig Persius soll das Gotteshaus im italienischen Stil, das auf einer Landzunge wie ein Schiff im Wasser wirkt, anhand von Zeichnungen Friedrich Wilhelms IV. entworfen haben. Heiligabend 1961 gab es hier den letzten Gottesdienst, bevor DDR-Grenzer das Innere des Kirchenschiffs völlig ruinierten. Inzwischen ist die Kirchenhalle mit dem Apsis-Fresko „Verheißung von Auferstehung und ewigem Leben“ weitgehend wieder hergestellt. Auch die gelbe Backsteinfassade mit ihren blassblauen Fliesenbändern ist renoviert.

Am Wasser führt der Weg im Bogen Richtung Fähranleger. Die Anlegestelle, die das Potsdamer Wassertaxi bis zu siebenmal ansteuert, liegt bereits hinter dem Zaun des Schloßparks. Zurück über die Fährstraße, links in die Krampnitzer Straße, beginnt die Tour für Naturliebhaber. Hinter den letzten Häusern führt ein Pfad zum Sacrower See.

Für den Schwager des Kaisers

Die Strecke einmal um den klaren Waldsee ist rund 8,6 Kilometer lang. Bis dicht an die schilfbesetzte Uferkante reichen die Bäume des Königswalds. Über weite Strecken kommt die Illusion von Einsamkeit auf. Nach einer Weile stößt man am Westufer auf die Zäune des Instituts für Binnenfischerei. In den Gebäuden des 1904 für einen Schwager des deutschen Kaisers errichteten „Jägerhofs“ wird seit mehr als 90 Jahren an der Perfektionierung der Süßwasserfischzucht gearbeitet. Weil auch der Sacrower See dem Institut dient, sind dort Boote nicht erlaubt. Schwimmbereiche sind auf zwei offizielle Badestellen begrenzt.

Am Nordufer, schon in Groß Glienicke, liegt an einer sandigen Badebucht ein Ausflugslokal mit schönem Seeblick. Das einstige Stasi-Erholungsheim und spätere Restaurant „Waldfrieden“ haben Berliner Gastronomen übernommen und es in „Landleben“ umgetauft.

Der Rückweg nach Sacrow am Ostufer führt vorbei an der zweiten und kleineren Badestelle. Der Uferpfad mündet in die Weinmeisterstraße. Im Haus Nummer 1 – im Rittersaal – kann man speisen wie einst die Gründer des Örtchens Sacrow.